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Gegenkundgebung:Münchner sollen im Arztkittel gegen Pegida demonstrieren

Kundgebung "Platz da! Flüchtlinge sind hier willkommen" in München, 2014

Die erste Anti-Pegida-Demo in München: Im Dezember 2014 demonstrierten mindestens 12 000 Menschen vor der Oper.

(Foto: Stephan Rumpf)
  • Das Bündnis rund um Bellevue di Monaco stellt sich am Samstag kommender Woche einer für München neuer Pegida-Bewegung entgegen.
  • Bei der Gegendemonstration sollen sich die Münchner als Ärzte verkleiden.
  • Eine Zahl, mit wie vielen Teilnehmern er rechnet, nennt Bellevue-Vorstand Hofmann nicht und sagt nur: "Mit mehr, als zur Pegida kommen!"

Sie haben die erste Gegendemonstration gegen Pegida schon organisiert, da war Pegida noch gar nicht in der Stadt. Nun tritt das breite und bunte Bündnis rund um die Sozialgenossenschaft Bellevue di Monaco wieder in Aktion: Wenn am Samstag kommender Woche eine für München neue Pegida-Bewegung in Aktion tritt, wenn auf dem Marienplatz ihr Dresdner Frontmann Lutz Bachmann spricht, wird der islamfeindlichen Gruppe eine Schar von Ärzten in der Münchner Innenstadt gegenüber stehen. Mit Blumen und Genesungswünschen - und mit Musik. Zu einer solchen Gegendemo ruft Bellevue zusammen mit dem Verein "München ist bunt" auf.

Ihre Idee: "Die offene Gesellschaft zeigt erste Symptome eines pathologischen Befalls" heißt es im Demonstrationsaufruf, dem wolle man entgegentreten. "Wir lindern die historische Demenz und kurieren dumpfe Gefühle" - und zwar mit "gesundem Menschenverstand". Dazu sollen sich die Münchner als Ärzte verkleiden. Auf dem Demonstrationsaufruf sind etwa fünf Dutzend prominente Münchner als Ärzte zu sehen, vor allem Kulturschaffende und Stadträte.

Zur Pegida-Demonstration lasse sich deren "Hardcore-Abteilung" in München blicken, prophezeit Till Hofmann, Vorstand von Bellevue di Monaco. Dazu gehörten Lutz Bachmann und Michael Stürzenberger - letzterer führte in München die Partei "Die Freiheit" an, wurde wegen seiner Anti-Islam-Aktivitäten vom Verfassungsschutz beobachtet und sammelte Unterschriften gegen die Moschee-Bau-Pläne. Bachmann und Stürzenberger treten mit "Pegida - Das Original" in Konkurrenz zu den Pegida-Demonstrationen, die es nach längerer Absenz inzwischen wieder sporadisch in der Fußgängerzone gibt. Die beiden waren auch schon früher in München für Pegida aufgetreten, Stürzenberger hatte sich dann aber mit den Initiatoren überworfen. Nun lassen Stürzenberger und Bachmann durchblicken, dass ihnen die inzwischen offen rechtsradikale Ausrichtung von Pegida München missfalle.

"Es ist eine Bewegung, die wir hier nicht haben wollen", sagt Hofmann auch über Stürzenbergers Pegida. "Wir nehmen es ernst, wollen dem aber in einer anderen Protestform entgegentreten." Keineswegs sollten so aber normale Patienten diskreditiert werden. Bis jetzt seien die Rückmeldungen zur Demo gut. Eine Zahl, mit wie vielen Teilnehmern er rechnet, nennt Hofmann nicht und sagt nur: "Mit mehr, als zur Pegida kommen!"

Der Kulturveranstalter Hofmann hatte mit seinen Partnern zwei Tage vor Weihnachten 2014 auf dem Max-Joseph-Platz eine Kundgebung unter dem Motto "Platz da! Flüchtlinge sind uns willkommen. Gemeinsam gegen Pegida, Hetze und Rassismus" organisiert. Sie war quasi vorbeugend, denn Pegida trat damals noch gar nicht in München auf. Als dies die Islamhasser im Jahr darauf taten, gab es mehrere Gegendemonstrationen. Im Oktober 2015 schließlich erregte Bellevue di Monaco abermals Aufsehen, diesmal mit einem Konzert auf dem Königsplatz, bei dem vor mehr als 20 000 Menschen viele Künstler auftraten, darunter Herbert Grönemeyer. Das Konzert wurde binnen weniger Tage auf die Beine gestellt, zusammen mit der Stadt. Das Open-Air sollte Flüchtlinge willkommen heißen und ein Zeichen der Dankbarkeit für alle Münchner sein, die sich um ihre Betreuung gekümmert hatten.

Bei ihrer Gegendemonstration am kommenden Samstag wollen die Veranstalter auch musikalisch Stimmung machen. Deshalb bitten sie Chöre jeder Art zur Demonstration, auch eine erste Songauswahl stehe schon fest, sagt Hofmann: die Europahymne, "Schrei nach Liebe" von den Ärzten und "Imagine" von John Lennon. Professionelle Sänger sollten die Veranstaltung verschönern, sagt Hofmann, aber auch lauter und falscher Gesang sei herzlich willkommen. Und viele Arztkittel soll es auch geben: Im Café des Bellevue di Monaco (Müllerstraße 6) wird eine Sammelstelle eingerichtet, in der man weiße Kittel abgeben und abholen kann. "Und wer überhaupt nichts hat, kann sich auch ein Leintuch umhängen", sagt Hofmann. Die Pegida-Kundgebung findet am 17. März um 15 Uhr auf dem Marienplatz statt. Die Gegendemo beginnt um 13.30 Uhr mit einer Chorprobe auf dem Max-Joseph-Platz.

© SZ vom 09.03.2018/huy

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