Gefragte Experten Schätze im Minutentakt

Im Hubertussaal von Schloss Nymphenburg begutachten Experten drei Tage lang Kunstwerke für die BR-Sendung "Kunst und Krempel".

(Foto: Stephan Rumpf)

In Schloss Nymphenburg zeichnet der BR neue Folgen der Sendung "Kunst und Krempel" auf

Von Günther Knoll

Heilige - in Öl, hinter Glas, als Skulptur, als Kupferstich, im Relief, dazu Kruzifixe. Da fallen die beiden knapp 30 Zentimeter großen Frauenfiguren in italienischer Tracht sofort auf, die da auf rotem Tuch in der vordersten Tischreihe stehen. Sie gehören dem Ehepaar Schrauth, das sich diesen Platz im Erdgeschoss im Schloss Nymphenburg gesichert hat, wo der Bayerische Rundfunk drei Tage lang seine Kultsendung "Kunst und Krempel" aufzeichnet.

Besitzer von Kunstobjekten dürfen diese dem Fernsehpublikum und natürlich den Experten vorstellen, die dann Herkunft, Alter und Wert der Objekte bestimmen. An diesem Vormittag geht es um den Bereich religiöse Volkskunst. Über seinen Schatz weiß Kurt Schrauth einiges, er besuche nämlich oft das Bayerische Nationalmuseum und "die neapolitanische Krippe dort hat's mir angetan". Als er die Figuren vor vier Jahren am Gardasee in einem Antiquitätengeschäft entdeckt, da habe er sie einfach kaufen müssen. "Mein Mann sammelt alles, was man sammeln kann", verrät Ehefrau Ingrid. Jetzt will das Paar etwas über die Echtheit und den Wert seiner Figuren erfahren, hergeben werde er sie aber "nie im Leben", versichert Kurt Schrauth.

Michael Seidl dagegen möchte sein Mitbringsel unbedingt loswerden. Für einen der schmalen Tische hier im Raum ist es einfach zu groß, sodass es aufrecht an der Wand lehnt. Seidl ist mit Frau und Enkelin aus Freising angereist, um etwas über dieses Bild zu erfahren, das die Himmelfahrt Mariens darstellt. Seine eigenen Recherchen hätten nichts ergeben, sagt er, und bei ihnen zu Hause sei für dieses doch beachtlich große Gemälde einfach kein Platz. Bei der Vorauswahl halten sich die beiden Experten, Frank Matthias Kammel, Generaldirektor des Bayerischen Nationalmuseums, und Alexandra Ulrich vom Auktionshaus Scheublein in München, mit Informationen noch bedeckt: Eine kurze Betrachtung, ein paar gemurmelte Worte, ein Nicken oder ein kaum merkliches Kopfschütteln, und schon ist entschieden, wer ein großes "K" auf seiner gelben Eintrittskarte erhält. Das bedeutet kameratauglich und den Aufstieg in den Hubertussaal im ersten Stock, wo gedreht wird. Für die Schrauths wie für die Seidls wird es später hinaufgehen vor die Kamera, auch wegen der Geschichten, die ihre Objekte interessant machen. Denn diese machten zusammen mit dem Expertenwissen den Reiz der Sendung aus, wie der verantwortliche Redakteur Roland Köhler verrät. Er betreut sie seit 25 Jahren und ist immer wieder überrascht von den Gästen und ihren Schätzen. Und natürlich vom Erfolg der Sendung, die am Samstagabend ein echter Quotenbringer sei.

In Nymphenburg werden innerhalb von drei Tagen 20 Sendungen aufgezeichnet. Interessenten können sich mit ihrem Objekt, Foto und Geschichte bewerben. Aus den Einsendungen wird ausgewählt, wer zur Vorauswahl darf. Wer das "K" nicht erhält, der muss nicht ohne neues Wissen über seinen Schatz nach Hause reisen. Denn der BR hat nicht nur vor der Kamera Experten im Einsatz.

Oben im Saal aber wird jetzt alles für die Aufzeichnung vorbereitet. Die Besucher werden kurz instruiert, dass sie locker bleiben sollen, dass sie, falls sie im Paar auftreten, abwechselnd sprechen sollen, dass sie aber auch für den Applaus gebraucht werden, wenn gerade andere an der Reihe sind. Denn einfach dazu kommen und zuschauen, das gibt es nicht bei dieser Sendung. Aufgenommen wird in Blöcken, je vier Objekte mit ihren Besitzern. Dazu sind zwei Tische aufgebaut, so dass die Experten schnell wechseln können. Die müssen sehr konzentriert zu Werke gehen, sie haben nur zwischen den Blöcken kurze Verschnaufpausen. Nach einer Reliquienkapsel aus der Oberpfalz und einem Pilgerkreuz aus Jerusalem ist endlich Seidls Marienbild an der Reihe. Der Freisinger erzählt seine Geschichte, lässt sich von den Experten belehren, dass er den Namen des Malers falsch gelesen hat, dass es sich nicht um einen "Wakermann", sondern um Franz Anton Wassermann handle, "kein ganz schlechter Maler". Alexandra Ulrich nennt den Wert: rund 1200 Euro. "Vielleicht entflammt die Liebe zu dem Bild doch noch", wünscht Frank Kammel zum Abschluss. Seidl bleibt davon unbeeindruckt. Das Bild brauche einen würdigen Platz, sagt er, er wolle es verkaufen oder auch in die Kirche zurückgeben, aus der es stamme.

Kurt Schrauth dagegen, der fünf echte Krippenfiguren für 700 Euro erworben hat und dazu von den Experten beglückwünscht wird, will weiter sammeln. Der Händler am Gardasee biete auch einen Verkündigungsengel an, hat er erfahren. Aber ob es sich da auch um ein Original handelt? Wohl wieder ein Fall für "Kunst und Krempel".