Gedenken Auch dieses Konzept ist nicht unumstritten

Davon abgesehen ähneln die Stelen und Tafeln in Farbe, Form und Text den ebenfalls goldfarbenen Stolpersteinen, bieten aber mehr Platz, welcher vor allem für Porträts der Ermordeten genutzt wird. Designer Stauss setzte bei seinem Entwurf gezielt auf Fotografien: Dass an dem jeweiligen Ort ein Mensch aus dem Leben und seiner Familie gerissen wurde, dem könne man sich beim Blick auf dessen Gesicht am wenigsten entziehen.

Auch dieses Konzept ist freilich nicht unumstritten: Es ist gerade die Ähnlichkeit zu den Stolpersteinen, die Kritiker wie den Verein "Respect & Remember" um Gabriella Meros stört, der sich ebenfalls für ein würdiges Gedenken einsetzt. Der Wettbewerb und das Vergabeverfahren seien intransparent gewesen, klagte der Verein am Dienstag. Vor allem aber habe München die Chance verpasst, ein eigenständiges Projekt zu entwickeln, das sich von den Stolpersteinen klar abhebe.

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Schuld daran sei nicht der Designer, dessen Fotos eine "wunderbare Idee" seien, sondern die Vorgaben aus dem Kulturreferat: Die seien "eine Steilvorlage zu einer Anlehnung an die Stolpersteine" gewesen. Außerdem kritisiert der Verein, die neuen Erinnerungszeichen würden zu wenige Informationen vermitteln; dabei könnten nur Informationen Empathie wecken. Dies sei in Zeiten des wachsenden Antisemitismus bitter nötig.

Im Beschluss des Stadtrats von Oktober 2017 heißt es dazu: Ob ergänzende Informationen Platz finden sollten, solle im Einzelfall ein Fachbeirat prüfen. Auf dem beengten Platz der Wandtafeln und Stelen zusätzlich zu Namen, Geburtsdatum und Herkunftsort sowie den Angaben zur Ermordung noch weitere Informationen unterzubringen, sei aber technisch schwierig, sagt Barbara Hutzelmann von der Koordinierungsstelle für die Erinnerungszeichen im Stadtarchiv. Für ausführliche Biografien wurde dafür im Internet Platz geschaffen, wo die Schicksale nachzulesen sind. Schließlich sollten nicht die Verfolgung und der Tod der Menschen im Vordergrund stehen, sondern deren Leben in der Münchner Gesellschaft, heißt es aus dem Stadtarchiv.

Die Tafeln und Stelen sind aber nur ein Element, mit dem München der Nazi-Opfer gedenken will. Seit 2015 ist auch ein zentrales Mahnmal geplant. Die Rede war zuletzt von einer Mauer, an der die derzeit etwa 5000 bekannten Namen aller Opfer stehen sollten. Was umgesetzt wird und wo, darüber berate der Stadtrat im Herbst, heißt es aus dem Kulturreferat.

Bis dahin soll es mit dem Projekt des dezentralen Erinnerns gut vorangehen. Es gebe schon mehr als 40 Anträge für Tafeln und Stelen, sagt Barbara Hutzelmann. Sie ist überzeugt: "Das Projekt wird sich gut etablieren." Beantragen kann man ein Erinnerungszeichen bei ihrer Koordinierungsstelle im Stadtarchiv, wo dann Historiker bei der Recherche helfen. Wer die Kosten trägt, wird von Fall zu Fall geklärt. Die Stadt hat 150 000 Euro Fördergeld bereitgestellt. Derzeit würden die Gedenkelemente noch hergestellt, deshalb gebe es noch keinen verbindlichen Preis, sagt Hutzelmann. Eins sei aber sicher: "Das Gedenken wird nicht am Geld scheitern."

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