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Gedenken an Paris-Anschläge:München leuchtet nicht

Beleuchtete Allianz-Arena in München

Blaues, weißes und rotes Licht gibt es in der Münchner Arena durchaus. Aber nicht gleichzeitig.

(Foto: dpa)
  • Zahlreiche Metropolen der Welt lassen nach den Terroranschlägen in Paris ihre Wahrzeichen in den französischen Nationalfarben erstrahlen.
  • In München bleibt es bei der üblichen nächtlichen Straßenbeleuchtung.
  • Über Twitter tauchten zwar schnell Bilder auf, worauf die Arena in Fröttmaning in der französischen Trikolore zu sehen war. Doch die stellten sich schnell als Fälschung heraus.

Von Thomas Anlauf

Nicht immer kann die Landeshauptstadt mit dem Prädikat "München leuchtet" glänzen. Während nach den Terroranschlägen in Paris zahlreiche Metropolen der Welt ihre Wahrzeichen in den französischen Nationalfarben erstrahlen ließen, blieb es in München bei der üblichen nächtlichen Straßenbeleuchtung.

Die Oper in Sydney leuchtete als "Drapeau tricolore", ebenso die Christusstatue über Rio, die Klagemauer in Jerusalem, selbst in Teheran und im indischen Bhubaneswar sollen offizielle Gebäude in Blau, Weiß und Rot getaucht gewesen sein. Über das Kurznachrichtenportal Twitter tauchten zwar schnell Bilder auf, worauf die Arena in Fröttmaning statt in Bayern-Rot oder Löwen-Blau in der französischen Trikolore zu sehen war. Doch die stellten sich schnell als Fälschung heraus. "Wir haben die Bilder auch gesehen", sagt Werner F. Götz von der Arena. Doch das Fröttmaninger Fußballstadion hatte in Wirklichkeit nur die Standardfarben auf der Hülle.

FC Bayern muss Sonderbeleuchtung anordnen

Es sei auch gar nicht so einfach, das Stadion in anderen Farben erstrahlen zu lassen, sagt Götz. "Man müsste alles umprogrammieren." Die Arena-Beleuchtung, die seit 14. August aus 16 Millionen Farben erstrahlen kann, ist ein komplexes Konstrukt. Hinzu kommt, dass der FC Bayern als Eigentümer eine derartige Sonderbeleuchtung anordnen muss. Bislang ist das nicht geschehen. Ob das noch nachgeholt wird, teilten die Bayern am Dienstag trotz Anfrage nicht mit.

Ohnehin hat München kein großes Problem damit, nicht in die globale Trikolore-Beleuchtung mit eingestimmt zu haben. "Es gibt auch aktuell keine Pläne", sagt Matthias Kristlbauer vom städtischen Direktorium. Das Rathaus hatte dafür in den vergangenen Tagen auf andere Weise Solidarität mit Paris gezeigt. So kondolierte etwa Oberbürgermeister Dieter Reiter der Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo, am Rathaus hing Trauerbeflaggung - wenn auch zunächst offenbar versehentlich mit niederländischer Flagge.

Gottesdienst statt Anstrahlung

Die Kirchen in München unterließen es ebenfalls, die Gotteshäuser anzuleuchten. "Eine Anstrahlung gibt es bei uns nicht", sagt Christoph Kappes vom Erzbischöflichen Ordinariat. Auch das Dekanat München hat keine Sonderbeleuchtung vorgesehen, dafür gibt es am Donnerstag in der Ludwigskirche einen Gottesdienst zum Gedenken an die Opfer.

Der Münchner Beleuchtungsaktivist Christian Seiche von "Guerrilla Lighting" hingegen hatte sich durchaus Gedanken gemacht, welches öffentliche Gebäude französisch erstrahlen könnte. Hätte die Stadt bei ihm angefragt, wäre es kein Problem gewesen, das neugotische Gebäude kurzerhand zu erleuchten. Das war es in diesem Jahr übrigens schon einmal: Am 17. März erstrahlte das Münchner Rathaus in sattem Grün - am irischen Nationalfeiertag, dem St. Patrick's Day.

© SZ vom 18.11.2015/kbl
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