Thierschstraße – Der Verlag

Wenn es einen zentralen Ort der Hetzpropaganda der Nazis gab, dann befand sich dieser an der Thierschstraße im Lehel. Hier gab der Verleger Franz Eher bis 1918 den antisemitischen Münchener Beobachter heraus. Nach Ehers Tod kaufte die rechtsextreme Thule-Gesellschaft mit dem Geld Münchner Gönner den Kleinverlag, um fortan mit ihm ihre völkischen und judenfeindlichen Schriften zu verbreiten. 1920 gingen Haus und Zeitung an die NSDAP. Aus dem Münchener Beobachter wurde das Kampfblatt der Nazis, der Völkische Beobachter, geleitet von Hitlers Weggefährten Max Amann; Redaktion und Druckerei befanden sich im Buchgewerbehaus an der Schellingstraße. Der Eher-Verlag publizierte nebenher auch Bücher führender Nazis, darunter Adolf Hitlers Pamphlet "Mein Kampf". Nach 1933 avancierte der Verlag zur Holding mit 150 Tochtergesellschaften; 1943 kontrollierte er den Großteil der deutschen Presse. 1945 wurde der Verlag verboten. Das Gebäude an der Thierschstraße beherbergt heute einen Musikalienhandel und unter anderem die russische Tolstoi-Bibliothek.

Bild: Stephan Rumpf 18. Dezember 2018, 09:112018-12-18 09:11:30 © SZ vom 18.12.2018/vewo