Gesellschaftspolitik kulinarisch interpretiert – so lässt sich das wohl am besten beschreiben, was sich der Münchner Koch und Unternehmer Vincent Fricke und der Event-Gastronom Marc Christian als neuesten Coup haben einfallen lassen. Am Samstag, 18. Oktober, und Sonntag, 19. Oktober, verwandeln sie ein Privathaus am Starnberger See in eine Art Experimentierlabor. Die beiden Abende sollen sich dabei im Spannungsfeld zwischen „Verfall“ und „Reife“ bewegen, womit Vincent Fricke, Betreiber des 2024 eröffneten CaféDotKom und zahlreicher Pop-up-Restaurants in München wie Beyondbeef oder Bruderhand, der Welt in gewisser Weise den Spiegel vorhalten will.
Er sieht die Menschheit schon allein wegen der gegenwärtigen geopolitischen Lage auf einer Art Schwelle: „Entweder werden wir reifer und besser, oder wir verfallen.“ Seine und Christians neue Idee soll dies auf den Teller bringen und gleichzeitig ihre Gäste zum Austausch bewegen: über die gravierenden Umwälzungen dieser Zeit, aber auch über Prozesse in der Lebensmittelproduktion wie Schimmel auf Käse oder Fermentation von Gemüse.
Beides könne als abstoßend verstanden werden, werde aber bei richtiger Anwendung zu einem Werkzeug der Veredelung von Nahrungsmitteln und Gerichten, so Fricke. Zum Einsatz kommen dabei fernöstliche Techniken ebenso wie Konservierungsmethoden der Antike. So wollen die beiden Food-Experten beispielsweise in sechs Gängen trocken gereiften Fisch kredenzen, Pilze, Rind, Kartoffeln aus der Glut und vieles mehr in einer Art und Weise, wie sie eigentlich traditioneller nicht sein könnte, aber meist in Vergessenheit geraten ist.
Dieser spezielle Abend, bei dem die Fotografin Vivi D’Angelo Arbeiten zeigen wird, die sich ebenfalls auf dieser Grenze zwischen Reifung und Zerfall bewegen, kostet pro Person 49 Euro. Die dazu gereichten und sehr passenden Getränke wie Kombucha, Natural und Orange Wines sowie Pet Nat (Pétillant Naturel, eine Art natürlicher Schaumwein) sind nicht im Preis inkludiert. Anmeldungen nehmen die Veranstalter unter vincent.fricke@bairischstew.com entgegen. („Verfall“, Am Hügel 16, 82310 Starnberg-Percha, 18.30 bis etwa 22 Uhr)

Wer nun glaubt, außer derartigen Events, habe der Landkreis Starnberg nur selten Neues zu bieten, der irrt. Am Wörthsee etwa, der sich langsam aber sicher zum Haussee der Münchner entwickelt, haben sich Sissi und Anton Aumiller einen Herzenswunsch erfüllt: In ihrem neuen Restaurant Pfeiffers im familieneigenen Hotel Jakl-Hof in Steinebach kredenzen sie ihren Gästen neuerdings bayerische Tapas. Womit allein schon durch diese Namensgebung klar wird, dass sie zwei Kulturen miteinander verbinden wollen: Tapas, also kleine Häppchen, die traditionell als Vorspeise oder Beilage in Spanien zu Wein oder Bier gereicht werden, auch auf bayerische Art und Weise zu servieren.

Bei ihnen gibt es also beispielsweise Schweinsbraten, Cordon bleu, Entrecôte oder Steckerlfisch ebenso wie klassische bayerische Brotzeiten im Miniformat. Ergänzt wird das Ganze noch durch kalte und warme Tapas, die dann doch recht mediterran oder sogar spanisch klingen: etwa Gazpacho, Chorizo, Datteln im Speckmantel oder gegrillte Calamari. (Restaurant Pfeiffers, im Hotel Jakl-Hof, Dorfstraße 16, 82237 Steinebach am Wörthsee, 0151-16543378, Reservierungen unter tapas@pfeiffers-restaurant.de, www.pfeiffers-restaurant.de)
Aber auch in München rührt sich etwas in Sachen „Aus alt wird neu“: So ist aus der Augustinerkneipe Simplicissimus im Stadtteil Haidhausen der Stehausschank Die Pforte geworden. Wirt bleibt zwar Luca Francesco, in seinem Konzept setzt er neuerdings aber auf Selbstbedienung. Grundsätzlich keine dumme Idee, schon gar nicht für die Freunde einer gepflegten Halben: Die wird nämlich nun für 3,90 Euro ausgeschenkt, nicht wie bisher für 4,30 Euro – der Preis liegt also deutlich unter dem, was man sonst in München dafür berappen muss. Zu essen gibt es auch weiterhin gutbürgerliche Kost und täglich wechselnde Gerichte – zu bezahlbaren Preisen. (Die Pforte, Balanstraße 12, 81669 München, 0176/66304307, Montag bis Samstag, 17 bis 0 Uhr, Sonntag ist Ruhetag.)

