Gastronomie:"Da wirst du ja verrückt, wenn du das alles deklarieren musst"

Auch Lorenz Stiftl, Wirt des Gasthauses Zum Spöckmeier und Vorsitzender des Vereins Münchner Innenstadtwirte, sieht die neue Vorschrift kritisch, genau wie seine Wirtskollegen. "Geschimpft haben sie alle", sagt er. "Was uns alles aufgebürdet wird, ist nicht mehr normal."

Noch dazu sei die Deklarationspflicht kurz vor Weihnachten gekommen, als Hochbetrieb herrschte. "Wir bekommen immer mehr Bürokratie, dabei fragt man sich, hat das überhaupt einen Sinn." Im Spöckmeier liegt eine gesonderte Karte aus, auf der alle Inhaltsstoffe einsehbar sind. Bisher habe aber noch kein Gast danach gefragt, so Stiftl. "Wenn einer eine Allergie hat, weiß er das meistens."

Küchenchef Hans Jörg Bachmeier vom Restaurant Blauer Bock ist ungehalten über die neue Verordnung: "Da wirst du ja verrückt, wenn du das alles deklarieren musst." Die Katalogisierung sei mit immensem Arbeitsaufwand verbunden. Selbstverständlich werde er gerne Auskunft geben über etwaige allergene Stoffe. Bachmeier ist aber noch gespannt, wie das Gesetz in seiner endgültigen Fassung aussehen wird. Der Sinn der Verordnung erschließt sich ihm nicht ganz. "Es kann auch sein, dass jetzt Leute Allergien an sich entdecken, die ihnen vorher noch gar nicht bekannt waren", sagt er sarkastisch.

Das KVR will vorerst keine Strafen verhängen

Entspannter sieht man die Sache beim Gastro-Unternehmen Kuffler. Dort wurden leitende Mitarbeiter von einer externen Beratungsfirma geschult und Kuffler hat für jedes Gericht in den Restaurants ein Datenblatt erstellt, auf dem die verschiedenen Allergene abgedruckt sind. Ist eine der kennzeichnungspflichtigen Zutaten in einem Gericht enthalten, setzt der Koch ein Kreuz daneben. In den Lokalen liegen Ordner mit diesen Datenblättern aus.

Laut Kuffler-Sprecherin Christine da Silva ist das zwar Aufwand - aber er sei zu bewältigen. Dennoch sei es zusätzliche Arbeit. "Ein Küchenchef steht schließlich lieber am Herd, als sich mit Verwaltungsarbeit zu beschäftigten", sagt sie. "Aber irgendwann wird es jedem in Fleisch und Blut übergehen." Eine Einschränkung sieht sie aber. "Spontane Änderungen auf der Speisekarte sind nicht mehr so leicht möglich."

Das Kreisverwaltungsreferat (KVR) überprüft, ob sich die Wirte an die neue Regelung halten. Strafen würden aber derzeit noch nicht verhängt, sagt KVR-Sprecherin Kristin Nettelnbrecher. Zunächst werde ermahnt und beraten. "Es muss sich erst mal alles einspielen", sagt sie. Dann werde man "über Sanktionsmöglichkeiten nachdenken".

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