Na, wie läuft’s mit den Neujahrsvorsätzen? Mehr als ein paar Wochen sollen laut Studien ja die wenigsten Menschen durchhalten. Trotzdem steht das Verzichten im Januar hoch im Kurs, besonders der Verzicht auf Alkohol. „Dry January“ nennt sich dieser Trend auf Neudeutsch und ruft bei Vorsatz-Gegnern Trotz und Empörung hervor: „Wieso sollte ich mir im ohnehin schon tristen Januar den Spaß am Alkohol verderben lassen“, hört man aus diesem Lager.
Vielleicht könnte man aber auch den Dry January zum Anlass nehmen, seine Sicht auf alkoholfreie Getränke zu verändern; sie nicht als Spaßverderber oder minderwertige Alternativen zu betrachten, sondern als Erweiterung des eigenen Geschmackshorizonts. Dann verzichtet man nämlich nicht mehr, sondern man gewinnt dazu.
Die Palette aus alkoholfreien Getränken für den besonderen Genuss besteht längst nicht mehr nur aus Limos und entalkoholisierten Weinen, die zugegebenermaßen oft leer schmecken. In München bekommt man vielerorts hochwertige Tropfen, die ohne Alkohol auskommen und trotzdem ein komplexes Geschmacksprofil haben, zum Beispiel bei Franz von Fein im Westend. Der kleine Verkaufs- und Verkostungsladen hat sich auf alkoholfreie Aperitifs aus Früchten, Kräutern, Blüten und Gewürzen spezialisiert.
Die beiden Gründer Leonard Vinçon und Paul Martin gingen vor rund fünf Jahren mit zwei stark konzentrierten Aperitifs zum Aufgießen an den Start. Nun haben sie ihr Sortiment um Cuvées mit 0,0 Prozent Alkoholgehalt erweitert. In der Flasche wie im Glas sehen der Rosé „Sparkling Rubin“ und der helle „Sparkling Bernstein“(je 17 Euro) zunächst aus wie Schaumweine.
Tatsächlich handelt es sich aber nicht um entalkoholisierte Weine, sondern um fermentierten, mit Kräutern und Früchten angereicherten, sprudelnden Tee. Hier wurde also Aromentiefe erzeugt, ohne Alkohol und damit Geschmack zu entziehen. Der beerige „Rubin“ ist wohl der gefälligere von beiden, während der „Bernstein“ mit seinen Noten von Rosmarin und Lavendel frisch und herb schmeckt (Franz von Fein, Schwanthalerstraße 141, Mittwoch bis Freitag 15 bis 19 Uhr, www.franzvonfein.de).
Die Marke Franz von Fein ist auch beim alkoholfreien Pop-up vertreten, das an diesem Wochenende zum letzten Mal im Glockenbachviertel geöffnet haben wird. Es ist aus dem Freyheit-Festival hervorgegangen, einer Messe für alkoholfreie Getränke, die vergangenen Herbst erstmals in der Alten Paketposthalle stattfand.
Im Verkaufsraum des Pop-ups sind dutzende hübsche Flaschen mit bunten Etiketten aufgereiht. Man kann alkoholfreie (Schaum-)Weine verkosten, aber auch Drinks auf Kombucha- oder Tee-Basis sowie alkoholfreien Gin und sogar alkoholfreien Anis-Likör, der an Pastis erinnern soll.
Nach der ersten Messe und den sechs Verkaufswochenenden des Pop-ups wird das Freyheit-Festival aber nicht aus der Stadt verschwinden. Ab sofort soll es jährlich im Sommer stattfinden und will sich künftig mit mehr Marken noch breiter aufstellen (Alkoholfreies Pop-up im Glockenbach, Holzstraße 26, 16. und 17. Januar von 10 bis 19 Uhr).
Im Sommer wird auch das große Brauerei-Fest der Haderner Bio-Brauerei stattfinden. Weil aber bis dahin noch gar lange hin ist und Haderner dieses Jahr etwas Besonderes zu feiern hat, steht schon an diesem Wochenende ein großes Fest ins Haus: Am 17. Januar 2016 legten Marta und Thomas Girg den Grundstein für ihre Brauerei. Auf den Tag genau zehn Jahre später öffnen sie nun ihren Hof an der Großhaderner Straße, um dieses Jubiläum zu begießen.
Los geht es am Samstagnachmittag mit dem Ausschank an der Glühbar, außerdem gibt es Gegrilltes und offene Brauerei-Führungen. Um 17 Uhr tanzen die Schäffler, danach wird im Kleinen Brauhaus mit Live-Musik weitergefeiert. Wer jetzt fürchtet zu verdursten, weil Bierfest und „Dry January“ sich auszuschließen scheinen: Haderner hat auch ein feines Kellerbier ohne Alkohol im Sortiment (10 Jahre Haderner, Großhaderner Straße 56a, Samstag 17. Januar ab 15 Uhr, www.haderner.de).

