„Zwischen den Jahren“, ein Begriff so eigentümlich wie die Tage, die er beschreibt. Dieses diffuse Gefühl, das nach den Weihnachtsfeiertagen einsetzt und bis in den Januar hinein anhält, ist Epilog und Prolog in einem, ein Schwebezustand, ein „Dazwischen“ eben. Auch Gastronomen nutzen diese Übergangszeit gerne zum Durchatmen und Reflektieren. Manche überarbeiten ihr Konzept, andere ziehen mit dem Auslaufen ihres Pachtvertrages einen Schlussstrich, wiederum andere beginnen mit dem neuen Jahr ein neues Kapitel.
Zur letzten Gruppe gehört auch Lydia Raaf-Dahaldian. Im Dezember hat die junge Bartenderin ihre erste eigene Bar eröffnet, die Dorothy Tagesbar am Petersplatz in der Altstadt. Die Quereinsteigerin ist in der Münchner Barszene längst kein unbekanntes Gesicht mehr. Nach dem Studium mixt sie unter anderem in der Bodeguita, in der Bar Zum Wolf und zuletzt in der Bar Gabányi.
Je mehr sie zu der Zeit herumkommt, desto größer wird ihr Wunsch nach einem eigenen Lokal. Dann entwickelt sie zusammen mit Randolph Kunis vom Spirituosengeschäft Tara Spirits einen eigenen Gin, den sie nach Dorothy Parker benennt und der den Stein ins Rollen bringt. Die Dorothy Bar, die sie nun mit Kunis gemeinsam führt, sei der nächste logische Schritt gewesen, erklärt Raaf-Dahaldian.
Inmitten der hektischen Innenstadt solle ihre Bar ein Ort zum „Runterkommen und Weltschmerz-Entfliehen“ sein. Das gelingt ganz gut in dem elegant und dunkel eingerichteten, schmalen Gastraum mit Blick auf die Peterskirche, dessen Wände einen wie ein Gewölbe von zwei Seiten umarmen. Am Fenster gibt es ein Tischchen mit Polsterecke, alle anderen Gäste sitzen am zentralen Bartresen zusammen.
Kaffee und Speisen gibt es in der Dorothy Bar auch, doch der Schwerpunkt liegt klar auf den Drinks. Raaf-Dahaldian hat die ausgefallenen Cocktail-Rezepte teils über die Jahre zusammengetragen und teils neu entworfen, darunter auch einige Kreationen mit wenig bis gar keinem Alkohol. Der„About Bees & Flowers“ (15 Euro) zum Beispiel mit alkoholfreiem Limoncello, Honig, Verjus, Zistrose und alkoholfreiem Holunder-Riesling schmeckt auch ohne Dry January (Dorothy Tagesbar, Petersplatz 10, Donnerstag bis Samstag und Montag 12 bis 24 Uhr, sonntags 16 bis 24 Uhr, Telefon 089/596231).
Die Trisoux Bar an der Müllerstraße schloss noch vor dem Jahreswechsel ihre Türen. Wohl aus privaten Gründen haben sich die beiden letzten Betreiber entschieden, die Räumlichkeiten nach acht Jahren einem neuen Duo zu übergeben. Christian Meffert und Tobi Kösters stehen schon in den Startlöchern mit ihrem Nachfolge-Konzept, das sie The Hedgehog getauft haben.
Meffert ist gelernter Koch und feilt schon seit Jahren an seiner „Igel-Bar“. Kösters stand zuletzt in renommierten Häusern wie der Ory Bar und der Bar Montez hinterm Tresen und wird sich im Hedgehog vorrangig um die Drinks kümmern. Begleitend zu den Signature-Cocktails will sich Meffert auch ein paar Barsnacks überlegen.
Losgehen soll es nach dem Umbau im Februar. Die charakteristische Deckeninstallation aus der Trisoux Bar wird auch im Hedgehog Teil der Einrichtung bleiben. Deren Holzstäbe, die wie Stalaktiten von der Decke hängen, erinnern praktischerweise ohnehin an die Stacheln eines Igels.
Auch im Café Zimt & Trallala im Dreimühlenviertel findet gerade ein fliegender Wechsel statt. Wegen einer drastischen Mieterhöhung zog der vorherige Betreiber zum Jahresende die Reißleine. Zuvor war das Café mit seiner Terrasse rund ums Eckhaus über 20 Jahre hinweg eine Anlaufstelle für Sonnenanbeter.
Mit dem Sonne-Tanken soll es aber in Zukunft nicht vorbei sein. Unter dem Namen Café Soley wollen die neuen Mieter Michael Glasl und Ersin Karatas das Lokal noch im Januar wiedereröffnen. Es wird ein Tagescafé bleiben, doch statt klassisch auf Frühstück, Lunch und Kuchen setzt die Küche nun auf „All Day Brunch“ mit international inspirierten Sandwiches und Snacks.
Der kleine Verkaufstresen aus dem Zimt bleibt aber erhalten, damit das Viertel auch weiterhin mit selbstgebackenen Croissants und Kuchen versorgt ist. Vorerst wird das Soley von 9 bis 17 Uhr geöffnet haben. Wenn dann die Sonne zurückkommt und mit ihr die Terrasse, darf es auch mal länger gehen.

