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Gasthof Roming:Warum sich das Warten gelohnt hat

Das Warten aufs Essen lohnte dann aber allemal. Den fein herausgebackenen Ziegenkäse begleitete ein hübsches Salatbouquet, angemacht mit einer sehr ausgewogenen Vinaigrette (11,90). Die Milzwurst war leider nicht geliefert worden vom Metzger, die alternativ angebotenen Kalbsfleischpflanzerl mit Jus und Kartoffelsalat (9,50) waren dafür ein Gedicht.

Ein Problem ergab sich für eine Achtjährige am Tisch: ob sie sich nun ihrem Cordon bleu (13,50, Kinderportion 12) widmen sollte oder dem nett angelegten Spielplatz neben dem Gastgarten. Sie aß dann die halbe Portion, verabschiedete sich zum Klettern und war schier entsetzt, als sie zurückkam. Ihre Eltern hatten das vorzügliche Cordon bleu inzwischen aufgegessen. Es flossen Tränen, und der Wirt wusste auch, warum. Schnitzel und deren gefüllte Verwandte sind eine absolute Stärke der Küche.

Wobei wir das so nicht unterschreiben mögen. Beinahe alles Gereichte zeichnete sich durch besondere Qualität aus. Das galt schon für die Suppen - eine feine Rinderbrühe, mal mit Pfannkuchenstreifen (3,90) und mal mit Bratnockerl (4,50) bestückt. Beide sehr solide und schmackhaft. Besonders die Bratnockerl hatten die richtige Konsistenz, leicht fluffig und trotzdem fest genug, so dass sie mit dem Löffel zerteilt nicht gleich auseinanderfielen.

Als Exot auf der Karte fiel das Thai-Curry mit Weidehähnchen aus der Region (13,90) auf. Der Reis war auf den Punkt gegart, das Gemüse schön knackig und das Hühnerfleisch zart und saftig. Das Ganze lag in einer leicht scharfen und fein abgeschmeckten Kokos-Curry-Sauce, wie man sie sich bei manch einem Thailänder auch wünschen würde. Natürlich steht dieses Gericht nicht zufällig auf der Karte. Es bietet sich trefflich an, als vegane Variante (10,90) angeboten zu werden, was die ansonsten sehr traditionelle Speisekarte auch für Gäste annehmbar macht, die kein Fleisch essen.

Für diese Gruppe bieten sich noch die tadellosen Käsespätzle (9,50) oder die Rahmpfifferlinge mit Semmelknödel (13,90) an. Wer auf Rindfleisch setzt, ist im Roming sicher nicht falsch. Die Steaks sind trocken gealtert (dry aged) und zeichnen sich durch einen angenehmen Eigengeschmack und besondere Zartheit aus. Wir probierten ein Stück Lende mit krossen Bratkartoffeln und Salat (18,90), der leider etwas süß abgeschmeckt daher kam. Das Fleisch war butterweich, nur etwas mehr durchgebraten als gewünscht.

In einer anderen Variante mit Cognac-Rahm-Sauce, Rösti und Bohnen (19,90) indes gab es nichts zu mäkeln. Die Rösti schön kross, die Bohnen nicht übergart und das Pfeffersteak medium ein einziger Genuss. Ein Viertel vom kräftigen Crianza (5,90) dazu - die Weine im Roming sind mit Verstand ausgewählt - und der Gast ist zufrieden.

Zum Abschluss konnten wir uns einem mit Preiselbeeren und Vanilleeis gefüllten Palatschinken (6,90) nicht erwehren, der die Runde ein weiteres Mal ins Schwelgen brachte. Der etwas trocken und krümelig geratenen Kaiserschmarrn mit Apfelmus (8,90) verblasste dagegen etwas.

© SZ vom 21.07.2016/axi
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