Kultur Die Bauherren machen die Gasteig-Sanierung zunehmend zur Lachnummer

So sollte der Gasteig nach der Sanierung aussehen.

(Foto: Auer Weber Assoziierte GmbH)

Der Rückzug des Architekturbüros Auer Weber aus dem Wettbewerb ist verständlich. Dass die Architekten das Urheberrechts-Problem anstelle der Auftraggeber lösen sollen, ist ein Skandal.

Kommentar von Gerhard Matzig

Die Pressemitteilung, mit der das angesehene Architekturbüro Auer Weber einen großen Auftrag von sich weist, besteht aus vier eng bedruckten Seiten. Nun sind Architekten üblicherweise eher für ihre Verdienste um den Hochbau als für den Satzbau bekannt. Ein solch detailliertes Schreiben zur Erklärung der eigenen Motivlage ist ziemlich verblüffend. Wer aber in diesem Fall die Architekten, ihr beglaubigtes Berufsethos und die verfahrene Situation rund um die Gasteig-Sanierung kennt, sowie die weiteren Fallstricke ahnt, der begreift, dass sich das Büro Auer Weber diesen Schritt gut überlegt haben muss. Den Architekten fällt er gewiss schwer. Aber: Man kann sie gut verstehen.

Die Architekten steigen aus einem Projekt aus, das aus viel Ambition und gutem Willen seitens der Gasteig GmbH, aus Erwartungen (und Befürchtungen) der Öffentlichkeit, aus unfassbar fahrlässigen Polit-Scharaden und enormen baukulturellen Ressourcen besteht. Die zwei Architekturbüros Henn sowie Wulf - die aus nicht minder nachvollziehbaren Gründen im Rennen bleiben - dürfen noch auf einen guten Ausgang hoffen. Sie müssen sich aber überlegen, was es bedeutet, die Urheberrechtsfrage anstelle des Bauherrn lösen zu dürfen. Und was es heißt, die schon längst verlorene Zeit planerisch und baulich aufholen zu müssen. Kostenneutral bitte.

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Genau darin liegt das eigentliche Skandalon. Seit bekannt wurde, dass sich das Urheberrecht der Entwurfsverfasser von einst (es ist die Architektengemeinschaft Raue, Rollenhagen und Lindemann) viel problematischer auf das ganze Verfahren auswirken würde als gedacht, seit Monaten also, hätte man diesen strittigen Punkt klären oder aber eindeutig problematisieren müssen. Beides ist nicht geschehen. Man hat das Problem nur auf die Ebene der Architektenschaft verschoben. Der Auslober des Verfahrens hofft, dass die beteiligten Architekturbüros schon so "herausragend" sein möchten, um "ihre Entwürfe mit dem bestehenden Urheberrecht zu vereinbaren".

Das ist der Normalfall am Bau, wenn es um einen Umbau geht, der urheberrechtlich von Belang ist. In diesem Fall aber ist solch Optimismus strafbar naiv. Es ist klar, dass das Verfahren verfahren ist. Unklar bleibt: Wie es rechtlich weitergeht, was das für die Termine bedeutet - und was für die Kosten. Das Ganze ist jedoch unkalkulierbar geworden. Daher der Auer-Weber-Ausstieg.

Es sind die öffentlichen Bauherren, nicht die Bauenden, die aus dem Bauen zunehmend eine Lachnummer machen. Wenn die Gasteig-Posse für etwas gut ist: Dann als Beweis dieser These, die längst Wahrheit ist am Bau. Architekten haben mittlerweile keine Zeit mehr für das Entwerfen - sie haben nämlich Termine mit ihren Rechtsanwälten.

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