Gasteig HP8:Jetzt kommt die Jugend

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Gasteig HP8: In der "Fuge": Studierende der Musikhochschule haben auf einer der Himmelsleitern Platz genommen, die den historischen Altbau der Halle E mit der Isarphilharmonie verbinden. Vom Oktober an werden sie auf dem Areal des Gasteig HP8 zu Hause sein.

In der "Fuge": Studierende der Musikhochschule haben auf einer der Himmelsleitern Platz genommen, die den historischen Altbau der Halle E mit der Isarphilharmonie verbinden. Vom Oktober an werden sie auf dem Areal des Gasteig HP8 zu Hause sein.

(Foto: Benedikt Feiten/Gasteig)

Der Umzug der Münchner Musikhochschule in den Sendlinger Gasteig verzögert sich bis Oktober. Gefeiert wird der neue Standort trotzdem schon einmal mit einem Festwochenende in der Isarphilharmonie und im Saal X.

Von Susanne Hermanski, München

Die Isarphilharmonie wird seit Oktober 2021 schon fleißig bespielt, nun sollte sich mit dem Beginn des Jahres 2022 die "Eröffnungsstaffel" des Gasteig-Interims-Geländes in Sendling munter fortsetzen. Und ein Festwochenende der Musikhochschule wird es auch geben in diesen Tagen, bloß nicht den dazugehörigen Umzug. Denn schließlich müssen nicht nur die Philharmoniker und die Stadtbibliothek, sondern auch die VHS und die Musikhochschule (HMTM) zur Sanierung und Erneuerung des Koloss' an der Rosenheimer Straße weichen.

Lieferengpässe infolge der Coronakrise machten dem schönen Plan einen Strich durch die Rechnung. Weil wichtige Elektroteile wohl irgendwo in der Welt im dritten Container unten links festhängen, kommt die bisherige Just-in-Time-Erfolgsgeschichte des HP8 nun ins Stottern. Bekannt ist das seit Dezember. Die Gebäude K und G stehen zwar äußerlich fertig auf dem Areal, doch in ihren Bäuchen knurren die Handwerker. Auch wenn die Planer jetzt davon ausgehen, dass im Mai beide Häuser komplett fertig sein werden, wollen die Musikhochschule und die VHS erst zum Beginn ihrer Wintersemester umziehen. Genauer gesagt, in den Sommerferien davor. Ein Umzug im laufenden Kursbetrieb während des Sommersemesters, erscheint beiden Institutionen zu kompliziert beziehungsweise unnötig aufwändig.

Gasteig HP8: Schon im November 2021 sahen die Gebäude G und K (links im Bild, mit erleuchteten Fenstern) äußerlich relativ fertig aus. Doch im Inneren muss noch bis Mai gearbeitet werden.

Schon im November 2021 sahen die Gebäude G und K (links im Bild, mit erleuchteten Fenstern) äußerlich relativ fertig aus. Doch im Inneren muss noch bis Mai gearbeitet werden.

(Foto: HGEsch/GMP Architekten/Gasteig)

Die Musikhochschule will ihr Wintersemester am 17. Oktober im Haus G aufnehmen. Deren Direktor Bernd Redmann freut sich trotz der aktuellen Verzögerung schon darauf. "Die Isarphilharmonie und der neue Standort Gasteig HP8 sind faszinierende Orte", sagt er. "Ein Ortswechsel birgt auch für unsere Studierenden und Lehrenden den Reiz des Neuen: Welche Netzwerke können wir in Sendling entwickeln? Welche neuen Perspektiven entstehen für unsere Arbeit? Gerade die Verbindung der denkmalgeschützten Halle E mit dem neuen Konzertsaal lässt eine ganz eigene Atmosphäre entstehen. Die Akustik der Isarphilharmonie wird auch unseren Ensembles große Freude bereiten."

Bis dahin genießen die jungen Musiker jetzt das Wohlbekannte: "Im Gasteig Rosenheimer Straße können wir den Kleinen Konzertsaal wie gewohnt nutzen - für Mittagsmusiken, Ladenschluss- und Studiokonzerte." Weil die Musikhochschule auf fünf Standorte in München verteilt ist, bedeutet der Auszug aus der Innenstadt ohnehin nur für einen Teil der Studierenden und Lehrenden eine elementare Veränderung. Ins HP8 übersiedeln: das Institut für Historische Aufführungspraxis, das Institut für Kulturmanagement und Medien, das Jazz Institut, die Bereiche Volksmusik, Liedgestaltung - oder die Blechblasinstrumente. Dass die Musikbibliothek bereits vor Monaten in die Halle E auf dem HP8-Gelände übersiedelt ist, hat ebenfalls keine negativen Effekte auf den Lehrbetrieb. "Unsere Studierenden nutzen das Angebot natürlich. Aber unser Unterrichts- und Übebetrieb wird vor allem durch unsere eigene Bibliothek versorgt. Diese hat nichts mit der Stadtbibliothek zu tun", erklärt die Hochschulleitung.

Auf die erwogene Zwischennutzung des alten Gasteigs hat dies auf alle Fälle Auswirkungen

Welche Trägheitsmomente dieses längere Bleiben von Musikhochschule und VHS in der Innenstadt an anderen Stellen auslösen wird - etwa in den Köpfen des Münchner Stadtrats - bleibt pure Spekulation. Aber für die erwogene Zwischennutzung des alten Gasteigs hat dies auf alle Fälle Implikationen. Wie so eine Zwischennutzung wiederum aussehen soll, wenn für bestimmte, bereits seit Oktober geräumte Bereiche des Gebäudes erstmal gar keine Versicherungen, Betriebserlaubnisse oder im Budget eingepreiste Gelder für die Heizung existieren, das wird wohl derzeit schon flink hochgerechnet.

Die Musikhochschule wollte ihr von langer Hand geplantes Festwochenende im HP8 aller veränderten Plänen zum Trotz jedenfalls nicht mehr auf die lange Bank schieben. "Wir geben dort schon mal unsere musikalische Visitenkarte ab und wollen Vorfreude schaffen", heißt es. Corona war für den Probenbetrieb und die Programmgestaltung dennoch eine Herausforderung. "Angesichts der Omikron-Welle haben wir kurzfristig umdisponiert und uns schweren Herzens entschieden, auf Mendelssohns Lobgesang und damit auf den Auftritt des Madrigalchores zu verzichten. Wir spielen nun ein rein orchestrales Programm", sagt die Hochschulsprecherin.

Wer am Selbermusizieren Interesse hat, der kann sich den Dirigierworkshop vormerken

Für das Festwochenende sind die meisten Plätze schon vergeben. Wegen der strengen Corona-Auflagen können in Bayern derzeit nur 25 Prozent der Säle gefüllt werden. Dennoch gibt es die Möglichkeit, die Auftaktveranstaltung unter dem Motto "Neuland" im Livestream zu verfolgen. An diesem Samstag, 15. Januar, 17 Uhr, beginnt die Diskussionsrunde zum Thema "Wo spielt die Musik? Zu Klang-Orten und Spiel-Räumen". Mit dabei sind der Dirigent Marcus Bosch, der ein Faible für ungewöhnliche Aufführungsorte hat, die Münchner Kulturmanagerin Anna Kleeblatt, der Intendant Benedikt von Peter, der das Foyer seines Theaters in Basel allen zugänglich macht, und der Komponist Johannes S. Sistermanns, der Räume selbst zum Klingen bringt. Die Musikjournalistin Michaela Fridrich moderiert die Gesprächsrunde aus der historischen Trafohalle, die nun das Foyer der Isarphilharmonie bildet. Die Veranstaltung wird kostenlos als Livestream auf dem Youtube-Kanal der HMTM übertragen.

Für das Festkonzert um 20 Uhr gibt es noch wenige Restkarten an der Abendkasse, die vier Konzerte im Saal X sind ausverkauft. Wer am Selbermusizieren Interesse hat, der kann sich den Dirigierworkshop vormerken, der gemeinsam mit dem Münchener Kammerorchester am 18. und 19. Januar veranstaltet wird. Studierende der Dirigierklasse der HMTM erarbeiten darin Arnold Schönbergs Streichquartett Nr. 2 (Sätze 1+2) sowie das Adagio aus Anton Bruckners Streichquintett F-Dur. Besonderes Highlight: Das Publikum ist geladen, nicht nur zuzuschauen, sondern beim gemeinsamen Austausch am Dienstag um 16 Uhr auch Fragen zu stellen. Der Eintritt ist frei, der Einlass wird vor Ort organisiert.

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