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Rathauskoalition:SPD sieht Gasteig-Sanierung gefährdet

Gasteig in München, 2015

Der Gasteig soll saniert und umgestaltet werden, doch nun gibt es angeblich Streit mit den Architekten des Kulturzentrums.

(Foto: Lukas Barth)
  • Die SPD wirft Bürgermeister Josef Schmid (CSU) und Max Wagner, dem Geschäftsführer des Kulturzentrums, vor, die bis zu einer halben Milliarde Euro teure Sanierung des Gasteig zu gefährden.
  • Es gebe massive Probleme mit zumindest einem der Architekten, die den Gasteig erbauten und auch heute noch die Urheberrechte besitzen, heißt es in einer Mitteilung der SPD-Fraktion.
  • Bürgermeister Schmid, Aufsichtsratschef des Gasteigs, wies den Vorwurf als "billige Wahlkampfklamotte in der Woche vor der Landtagswahl" zurück.

Von Heiner Effern und Florian Fuchs

In der Rathauskoalition ist ein massiver Streit über die Sanierung des Gasteigs ausgebrochen. Die SPD wirft Bürgermeister Josef Schmid (CSU) und Max Wagner, dem Geschäftsführer des Kulturzentrums, vor, die bis zu einer halben Milliarde Euro teure Sanierung zu gefährden. Es gebe massive Probleme mit zumindest einem der Architekten, die den Gasteig erbauten und auch heute noch die Urheberrechte besitzen, heißt es in einer Mitteilung der SPD-Fraktion. Dieser Architekt habe nach Kenntnis der Sozialdemokraten Einspruch gegen die Pläne für die Sanierung eingelegt. Ein "eindeutiges" Gutachten dazu gebe es auch. Bürgermeister Schmid, Aufsichtsratschef des Gasteigs, wies den Vorwurf als "billige Wahlkampfklamotte in der Woche vor der Landtagswahl" zurück.

Schmid kandidiert im Münchner Westen. Um ihm zu schaden, gehe die SPD mit Interna aus dem Aufsichtsrat an die Öffentlichkeit, sagte Schmid. "Das wird ein Nachspiel haben." Auch Gasteig-Chef Wagner wehrte die Attacke der SPD ab. "Das kann nur ein Missverständnis sein. Ich bin heute am Morgen noch mit dem Architekten zusammengesessen. Uns liegt kein Einspruch vor. Und auch kein eindeutiges Gutachten", sagte er auf Anfrage. Man tausche sich seit Monaten ständig mit dem Inhaber der Urheberrechte aus. Dieser habe die Sanierungspläne stets wohlwollend begleitet. Nach dem Architektenwettbewerb für den Umbau habe er in einem Schriftstück aber tatsächlich festgehalten, worauf er besonders Wert lege.

Der Gasteig-Architekt selbst war am Montagabend für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Laut Bürgermeister Schmid ging dessen "Denkschrift" in den vergangenen Wochen ein. Auf diese Anzeichen für einen möglichen "Verhaltenswechsel" hin sei eine Fachkanzlei eingeschaltet worden. Zur Erläuterung habe er zudem eine außerordentliche Aufsichtsratssitzung des Gasteigs für diesen Mittwoch einberufen. Den SPD-Kulturreferenten Hans-Georg Küppers habe er vorab informiert.

Das Schreiben der Kanzlei sei am Montag gekommen, aber keinesfalls eindeutig negativ. Die SPD-Fraktion sieht dagegen Anzeichen für persönliche Fehler von Aufsichtsratschef Schmid und Geschäftsführer Wagner. "Wir sind irritiert, dass derart entscheidende Fragen nicht rechtzeitig geklärt worden sind", sagte SPD-Fraktionschef Alexander Reissl. "Sollte sich dadurch ein Konflikt mit den Urheberrechtsinhabern ergeben, gefährdet dies möglicherweise das gesamte Projekt der Gasteig-Sanierung und kostet wohl bereits im günstigsten Fall eine Millionensumme", wurde Reissl in der Mitteilung zitiert. Die SPD-Vertreter im Aufsichtsrat hätten nicht nur einmal nachgefragt, ob alle Inhaber von Urheberrechten ihr Einverständnis mit der Sanierung erklärt hätten. "Schließlich ist durch Beispiele wie das Olympiastadion bekannt, wie wichtig diese Abstimmung ist", schreibt Reissl. Doch die Reaktion sei immer beruhigend gewesen. "Die Geschäftsführung hat mehrmals die Auskunft erteilt, dass dies auf einem einvernehmlichen Weg sei. Offenbar war allerdings das Gegenteil der Fall."

Der Gasteig wurde nach Plänen der Architektengemeinschaft Raue Rollenhagen Lindemann Grossmann gebaut und 1985 eröffnet. Die Volkshochschule, die Stadtbibliothek, die Philharmoniker und auch die Hochschule für Musik und Theater sind hier unter anderem untergebracht. Wegen seiner Fassade ist das Bauwerk oft als "Klotz am Berg" kritisiert worden. Für den Umbau gab es einen Architektenwettbewerb. Dessen Sieger schlagen für die Sanierung deshalb allesamt einladende Fassaden vor. Allen drei Büros wurde aber aufgetragen, die Entwürfe noch einmal zu überarbeiten. Ein endgültiger Sieger sollte an diesem Freitag gekürt werden.

Für die Zeit der Sanierung soll der Gasteig in ein Interimsquartier in die Hans-Preißinger-Straße in Sendling umziehen, auf ein altes Stadtwerke-Areal: Von 2021 an sollen hier auch die Philharmoniker spielen. Allein das Interimsquartier kostet nach Schätzungen von Anfang 2018 etwa 90 Millionen Euro.

© SZ vom 09.10.2018/huy
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