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Gärtnerplatzt­heater:Kreative Lösungen für die neue Spielzeit

Josef E. Köpplinger am Tag der offenen Tür am Gärtnerplatztheater in München, 2017

Josef E. Köpplinger, hier beim Tag der offenen Tür 2017, muss in der kommenden Saison - wie alle Kulturschaffenden - Kompromisse machen.

(Foto: Robert Haas)

Josef E. Köpplinger und die Pläne des Gärtnerplatzt­heaters

Von Egbert Tholl

Daniel Gutmann und Maximilian Mayer singen ein Wienerlied. Gutmann spielt auch Gitarre, Mayer hat eine Flasche Wein dabei, Bühnenwein natürlich, aber egal, um Wein geht es, hallo. Ein etwas indirekter Vorgriff auf eine Premiere in der kommenden Spielzeit, den "Vetter aus Dingsda", welcher nicht unbedingt ein Wienerlied singt, aber ein Wein schadet bei diesem sehr ulkigen Stück auch nichts.

Josef E. Köpplinger, Intendant des Staatstheaters am Gärtnerplatz, stellt die Pläne für die kommende Saison vor, und mehr als bei jeder Spielzeitpräsentation, die er je vollführte, stimmt das Wort Pläne hier. Natürlich, die Spielzeit ist durchgeplant, anders geht es auch gar nicht. Und die aktuelle wäre hervorragend gelaufen. Aber nun läuft halt wenig, und die Ungewissheit frisst sich bis in die Struktur, bis ins Abo, die Preisgestaltung, vom eigentlichen Spielplan ganz zu schweigen. Immerhin: Die Premierentermine stehen fest. Von manchen der Stücke existieren ohnehin Kammerfassungen, für die man weniger Musiker braucht, für andere werden Arrangements erstellt. 20 Musiker passen mit Abstand in den Graben - da muss man kreative Lösungen finden.

Einer, der das Erfinden von kreativen Lösungen quasi erfunden hat, ist nächste Saison leider nicht mehr dabei: Kapellmeister Andreas Kowalewitz, in den vergangenen Wochen der musikalische Meister experimenteller Corona-Formate, macht sich als Dirigent selbständig. Als Gast soll er dem Haus verbunden bleiben, von den elf Premieren - Ballett, Oper, Operette, Musical - dirigiert er jedenfalls keine.

Die Premieren: Tschaikowskys "Eugen Onegin" am 8. Oktober, die beiden Ballette "Undine" und "Der Sturm", Donizettis "Anna Bolena" konzertant mit Jennifer O'Loughlin in der Titelpartie, "Der Vetter aus Dingsda", Gian Carlo Menottis "Das Medium", Kreneks rasante Oper "Jonny spielt auf", die bei ihrer Münchner Erstaufführung 1928 am Gärtnerplatztheater für Randale der Nazianhänger sorgte, das Musical "Non(n)sens", die ursprünglich für die noch laufende Saison geplante Uraufführung von Johanna Doderers "Schuberts Reise nach Atzenbrugg", "Der Barbier von Sevilla" und die deutschsprachige Erstaufführung des "komischen Oratoriums" "Das Leben des Brian" nach dem Monty-Python-Film. Dazu kommen zahlreiche Über- und Wiederaufnahmen, von denen, neben Konzerten, Chefdirigent Anthony Bramall einige dirigieren wird, weshalb er nur Zeit für zwei der Neuproduktionen hat. Kapellmeister Michael Brandstätter leitet vier Premieren.

Wie man sich Üben in Coronazeiten auch vorstellen kann, zeigt dann auf der großen Bühne, vor der hundert Abonnenten und Pressemenschen sitzen und die Masken im Sitzen abnehmen dürfen, Camille Schnoor. Sie singt im "Onegin" die Tatjana, jetzt singt sie die Briefszene und begleitet sich selbst am Klavier. Und man weiß nicht, was sie toller macht, singen oder spielen.

© SZ vom 10.07.2020

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