bedeckt München 16°

Preisverleihung:"Mein Hirschleder ist dick, die Lederhosn hält das aus"

Verleihung des Karl-Valentin-Ordens an Andraes Gabalier im Deutschen Theater

Im Deutschen Theater wird Andreas Gabalier der Karl-Valentin-Ordens verliehen.

(Foto: Florian Peljak)

Andreas Gabalier bekommt den Karl-Valentin-Orden verliehen und äußert sich dabei auch zu der Kritik an seiner Person. Das gerät vor allem zu einem Selbstlob.

Feenstaub, warum denn nicht? Bevor die große Sause im Deutschen Theater beginnt, rennt Moderator Richard Wiedl noch mal geschwind durch den Ballsaal und pustet Glitzer ins Publikum. Damit könne man alles Böse von dem Abend abwenden, erklärt der Ex-Faschingsprinz. Braucht's das für einen ausgelassenen Faschingsball? Natürlich nicht, aber die "Soiree Münchner Leben", der Große Narrhalla-Ball, ist heuer mehr als der Mix aus Funkenmariechen, Tambourmajoren und Prinzengarde - und das liegt am Preisträger des Karl-Valentin-Ordens.

Dass dies Andreas Gabalier sein würde, ist seit Monaten bekannt, doch in den vergangenen Tagen erwachte Protest. Tenor: Was hat Gabalier mit Valentin zu tun? Und ist der nicht rechts, homophob und frauenfeindlich? Sabine Rinberger, Leiterin des Valentin-Karlstadt-Musäum, schimpfte: "Hulapalu hat nichts mit Karl Valentin zu tun!" Ottfried Fischer ätzte: "Valentin würde sich mehrmals am Tag im Grab umdrehen." Und das waren gemäßigte Stimmen.

Kultur in München Streit um Verleihung des Karl-Valentin-Ordens für Andreas Gabalier
Auszeichnung

Streit um Verleihung des Karl-Valentin-Ordens für Andreas Gabalier

Die Narrhalla will ihn in diesem Jahr dem österreichischen Musiker umhängen - doch viele halten Gabalier für rechtsnational und frauenfeindlich.   Von Michael Zirnstein

Schuld an der Aufregung ist die Faschingsgesellschaft Narrhalla, die den Orden seit 1973 verleiht, an eine Persönlichkeit aus Politik, Kunst, Wissenschaft, Literatur oder Sport, für die "humorvollste oder hintergründigste Bemerkung im Sinne von Karl Valentin". Zu den Preisträgern gehören Edmund Stoiber, Philipp Lahm, Helmut Kohl, Til Schweiger, Heino, die Klitschkos und Papst Benedikt - eine gewisse Beliebigkeit ist da nicht zu leugnen. Narrhalla-Präsident Günther Grauer, der Gabalier in der Tradition Valentins als "Volkssänger 2.0" sieht, meint: "Was in den letzten Tagen passiert ist, hat mich persönlich traurig gemacht. Die Entscheidung für Gabalier würde ich genauso wieder treffen." Einer, der lange bei der Narrhalla mitgearbeitet hat, sagt über die Auswahlkriterien: "Es muss einer sein, der den Saal voll macht. So ein Ball kostet ja Geld. Und ein Preisträger wie Oberbürgermeister Dieter Reiter vor zwei Jahren zieht halt doch nicht so."

Gabalier zieht - und wie! Als er abends vorfährt, bricht vor dem Theater wildes Gedränge los: Aufgeregte TV-Teams, mehr als doppelt so viele wie üblich, beharken sich mit Autogrammjägern - der Protagonist des Abends bedient beide gern. Er sagt: "Es wäre schön, wenn sich manche Kritiker intensiver mit mir beschäftigen würden. Dann wüssten sie, dass an den Vorwürfen aber so gar nichts dran ist." Wenn man Erfolg habe, müsse man mit Kritik leben. Doch die sollte fair bleiben. Und schon schnarrt er zwei Selfie-Jägerinnen zu: "Kommt's eina, ihr zwei Ballköniginnen!"

Der Steirer genießt den Rummel. Das selige Lächeln verlässt ihn nicht mehr. Ovationen, wohin er den bergschuhbewehrten Fuß setzt. "Andi, wir lieben dich!", schallt es im Foyer. Im Saal sitzt er dann an Tisch 13 mit der einstigen Narrhalla-Prinzessin Carolin Reiber und seinem Laudator, Peter "Sugar-Sugar-Baby" Kraus. Der 79-Jährige schafft es in seiner Lobrede, mehr über sich als über Gabalier zu reden, erinnert daran, dass er damals die Jeans und den Rock'n'Roll salonfähig gemacht habe.