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"G'schichten":Originale aus München

Münchner Gschichten, ein Video Blog von 
Olivia Hagemann & Vanessa Weber von Schmoller

Hauptsache München: Filmemacherinnen Vanessa Weber von Schmoller (links) und Olivia Hagemann.

(Foto: Privat)

Vanessa Weber von Schmoller und Olivia Hagemann drehen Kurzfilme

Eine gute Geschichte funktioniert normalerweise so, dass auf einen Anfang eine Krise folgt, die es zu überwinden gilt, bevor alle zum Happy End übergehen können. Bei den "Münchner G'schichten" ist die Krise bereits überwunden. Die Protagonisten sind da angekommen, wo sie hin wollten. Das gehört zu den "Münchner G'schichten" der Filmemacherinnen Vanessa Weber von Schmoller und Olivia Hagemann, die seit ein paar Monaten auf Youtube und Facebook zu sehen sind. Es sind Kurzfilme über Münchner Persönlichkeiten, die etwas Besonderes geschafft oder geschaffen haben. Was, das ist erst mal egal, Hauptsache, jemand tut etwas mit Freude.

Seit ein paar Monaten arbeiten Vanessa Weber von Schmoller und Olivia Hagemann zusammen, drei "G'schichten" haben sie schon veröffentlicht, die man also noch einzeln aufzählen kann: eine über den Autor Su Turhan, eine über das kleine Unternehmen "Kuchentratsch", einen über den Kiosk "Fräulein Grüneis" im Englischen Garten. Gerade haben sie einen Film über eine Galeristin beendet. Die Filme sind zwischen fünf und zehn Minuten lang, auf Youtube gibt es schließlich keinen Chef, der streng auf die Uhr schaut, kein Sendeplatz, der nun mal diese und jene Länge hat.

Vanessa Weber von Schmoller und Olivia Hagemann, beide um die 40 Jahre alt, lernten sich auf einem Netzwerktreffen für selbständige Unternehmerinnen kennen. Sie drehen vor allem Imagefilme für Unternehmen und arbeiteten beim Fernsehen als Redakteurinnen. Richtig froh machte sie das nicht. "Das Schöne lässt sich nicht zwangsläufig mit dem verbinden, mit dem man Geld verdienen kann", sagt Hagemann. "Aber wir hatten beide das Bedürfnis, schöne Geschichten zu erzählen." Dann schiebt sie nach: "obwohl wir Mütter sind." Das Elternsein, das wissen viele Berufstätige, das kommt der Selbstverwirklichung oft in die Quere. Der Kinder zuliebe treffen Eltern pragmatischere Jobentscheidungen. So verzichten Hagemann und Weber von Schmoller etwa auf weite Recherchereisen und unberechenbare Projekte. Jetzt könnten sie darüber jammern, oder eben mit dem arbeiten, was immer und unkompliziert verfügbar ist: mit ihrer Heimatstadt. "Wir müssen uns nicht nur fragen, was wollen wir realisieren, sondern vor allem: Was können wir überhaupt umsetzen?" Die Geschichte sollte an einem Tag gedreht und an einem anderen Tag geschnitten werden können. "In der Beschränkung liegt die Kunst", sagt Hagemann. Ihr Muttersein hat geholfen, das Profil der "Münchner G'schichten" zu schärfen.

Ausschlusskriterien für eine Münchner G'schichte gibt es kaum. Sie soll eben was mit der Stadt zu tun haben, es soll eine Leidenschaft darin vorkommen und eben einfach zu realisieren sein. Mal kommt ihnen eine Idee beim Spazieren durch die Stadt, mal schleppt der Ehemann eine potenzielle Geschichte an. Dass die bisher abgeschlossenen Filme ausschließlich Geschichten mit Happy End sind, das wollen die beiden so. "Wir sind einfach fröhlich und optimistisch", sagt Weber von Schmoller. "Daher wollen wir keine Geschichten erzählen, die traurig enden." Ein bisschen Krise darf zwar vorkommen, ist ja auch gut für die Dramaturgie, aber am Ende soll sie überwunden sein.

Die beiden Frauen übernehmen die Regie und die Redaktion für eine Geschichte, einen Kameramann, einen Setfotografen und einen Cutter bitten sie jeweils dazu. Wobei sie da von ihren guten Verbindungen in die Branche profitieren, denn zahlen können sie nichts. Noch sind die "Münchner G'schichten" komplett eigenfinanziert, die Regisseurinnen suchen Sponsoren und Kooperationspartner. Das Münchner Kino Gloria Palast zeigt ihre Filme schon im Vorprogramm, aber das reicht ihnen noch lang nicht. Sie wollen Werbung für ihre Arbeit, auf Facebook, auf Youtube machen und auf jeden Fall soll sie künftig jemand unterstützen, der sich mit Marketing auskennt. Denn davon, geben die beiden zu, hätten sie wenig Ahnung.

Das erklärt auch, wie sie sich in Zeiten von Google für einen Namen entscheiden konnten, der zwar nett klingt, aber ziemlich blöd im Internet zu Recherchieren ist. Denn wer "Münchner G'schichten" eingibt, landet erst mal bei seitenlangen Einträgen über Helmut Dietls gleichnamige Serie - und nicht bei ihren Filmen. Das haben sie nicht bedacht. "Ich denke immer an die Figur des Tscharlie, wenn ich Münchner Geschichten höre", sagt Hagemann. "Das Lausbübische, das Gscherte, das Leben nicht so schwer nehmen, das gefällt uns. Und das ist für uns auch Münchnerisch." Sei's drum, jetzt heißen auch ihre Filme "Münchner G'schichten" und so bleibt es auch.