G 7 München wird zum Zentrum der Proteste

Die Stadt rechnet mit mehr als 50 000 Teilnehmern mehrerer Demonstrationen. Was genau passieren wird, weiß aber keiner

Von Martin Bernstein

Das Gipfeltreffen der Staatschefs findet zwar 100 Kilometer entfernt in den Bergen statt. Doch die Auswirkungen auf die Landeshauptstadt werden massiv sein. Mehr noch: München dürfte ein Hauptschauplatz der Proteste gegen den G-7-Gipfel in Elmau sein. Fünf Kundgebungen sind in der Stadt bereits angemeldet, weitere werden erwartet. Die Polizei rechnet mit insgesamt mehr als 50 000 Demonstranten. Die größte Demo soll an Fronleichnam mit geschätzt 35 000 Teilnehmern stattfinden; am Samstag, 6. Juni, rechnet das Kreisverwaltungsreferat (KVR) dann noch einmal mit 17 000 Demonstranten auf dem Königsplatz. Angemeldet wurde die Veranstaltung von der früheren Journalistin Beate Wedekind für die Organisation "The One Campaign" des U2-Sängers Bono. Bei der Kundgebung sollen laut KVR prominente Redner und Musiker auftreten.

Münchens Polizeivizepräsident Robert Kopp rechnet derzeit damit, dass sich die gewaltbereite Szene eher Richtung Garmisch-Partenkirchen und Elmau orientieren werde. Aufrufe im Internet und im Ausland deuteten darauf hin. "Krawallbrüder wollen wir in München nicht. Wir sind zwar tolerant, aber nicht deppert", sagte Kopp auf einer Pressekonferenz mit KVR-Chef Wilfried Blume-Beyerle und kündigte an, gewaltbereite Demonstranten möglichst schon am Fronleichnams-Donnerstag in München "aus dem Verkehr" zu ziehen; der Gipfel selbst findet dann am Sonntag, 7. Juni, und Montag, 8. Juni, statt. Aus den jüngsten Krawallen während der Einweihung der EZB-Zentrale in Frankfurt habe man gelernt, sagte Kopp. Man werde sich genau anschauen, welche Gegendemonstranten wohin unterwegs seien, und habe ein "Maßnahmenbündel" vorbereitet. Das heißt aber auch: Momentan wissen Stadt und Polizei noch nicht genau, worauf sie sich vom 4. bis zum 7. Juni einstellen sollen. Wohin werden gewalttätige Demonstranten gehen? Werden sie wie in Frankfurt in Kleingruppen weitab vom eigentlichen Tagungsgeschehen agieren? Was wird die mehrere tausend Köpfe zählende Entourage der G-7-Teilnehmer an den Gipfeltagen wollen? Wie wird das Wetter werden, muss also die Anreise nach Elmau über die Autobahn abgewickelt werden oder können Hubschrauber starten?

In München wird es aus Sicherheitsgründen großflächig Halteverbote und Straßensperrungen geben. So werden vom 6. bis zum 9. Juni die Parkplätze unter der Donnersbergerbrücke geräumt. Konkrete Terrorwarnungen gebe es derzeit nicht, sagte Kopp. Aber: "Die Bedrohungslage durch den islamistischen Terrorismus müssen wir immer auf dem Schirm haben." Auch Schüler müssen mit Schwierigkeiten rechnen: Das Luisengymnasium und das Wittelsbachergymnasium werden von den Verkehrssperrungen betroffen sein - genau zum Beginn der mündlichen Abiturnachprüfungen am 8. Juni. "Das ist unverständlich, aber es ist nun einmal so", sagte Blume-Beyerle.

In der Woche vor dem Gipfel haben Stadt und Polizei alle Hände voll zu tun, weil in München auch das Rockavaria-Festival mit 60 000 Besuchern und die Fronleichnamsprozession stattfinden. Immerhin ist nicht mit Autokorsos enthusiasmierter Fußballfans zu rechnen, der FC Bayern hat weder das Pokal- noch das Champions-League-Finale erreicht. Blume-Beyerle sagt: "Die Bayern haben's uns ein bisschen leichter gemacht." Die Zahl der eingesetzten Polizisten will Kopp nicht beziffern. Bei der Münchner Sicherheitskonferenz im Februar - gegen die nicht einmal ein Zehntel der jetzt erwarteten Teilnehmer demonstrierten - waren knapp 4000 Beamte im Einsatz.