Beeinträchtigungen im Verkehr G-7-Gipfel legt München teilweise lahm

(Foto: SZ-Grafik)
  • Der G-7-Gipfel in Elmau hat erhebliche Auswirkungen auf München: Straßensperren, geschlossene Parkplätze, Baustellen, auf denen die Arbeit ruht.
  • Ein Großteil der Entourage der Politiker wird in München wohnen und nach Elmau pendeln.
Von Martin Bernstein

Die Rekordzahl von 1300 zusätzlich aufgestellten Halteverbotsschildern, dazu Straßensperren, geschlossene Parkplätze, Baustellen, auf denen die Arbeit ruht: Den Münchnern wird allmählich klar, dass der G 7-Gipfel zwar offiziell in Elmau ausgetragen wird, tatsächlich aber ein Ereignis mit erheblichen Auswirkungen auf die Landeshauptstadt ist.

Schloss Elmau

Der G-7-Gipfel in Zahlen

Denn ein Großteil der 7000 Köpfe zählenden Entourage der Großen der Welt wird nicht im idyllisch gelegenen Schlosshotel bei Garmisch wohnen, sondern in München. Und von dort bei Bedarf zum Tagungsort pendeln. Wer, wann, wo: Das ist noch weitgehend offen - und stellt Stadt und Polizei vor logistische Herausforderungen.

Was passiert, wenn die Helikopter nicht fliegen können

"In Elmau schlafen die G7 und die Polizei - alle anderen schlafen in München", sagt Wilfried Blume-Beyerle, der Chef des Kreisverwaltungsreferats und Leiter des für den Gipfel eingerichteten Stabs für außergewöhnliche Ereignisse. Dort arbeiten Stadt, Polizeipräsidium und MVG eng zusammen, "um ad hoc auftretende Ereignisse gemeinsam besprechen und lösen zu können", wie es aus dem KVR heißt.

Ein solches plötzliches Ereignis ist zum Beispiel das Wetter: Wenn an den Gipfeltagen die Hubschrauber nicht starten und landen können, müssen die Staatsgäste mit dem Auto vom Flughafen nach Elmau gebracht werden, über den Mittleren Ring. An dessen Ende wartet ein Nadelöhr: die Tunnelbaustelle am Luise-Kiesselbach-Platz, ein sicherheitstechnischer Alptraum für Personenschützer.

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G-7-Gipfel in Elmau

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Deshalb ist von offizieller Seite nur so viel zu erfahren: Die Baustelle bleibt auch während der Gipfeltage bestehen, es finden dann aber keine Bauarbeiten statt. Einfacher wäre es möglicherweise, könnte man die Staatsgäste und ihre vielköpfige Begleitung bereits durch den neuen Tunnel auf die Garmischer Autobahn fahren lassen. Doch dessen Inbetriebnahme ist erst für Ende Juli vorgesehen.

Baustellen werden geschlossen und abgedeckt

Andere Baustellen im Innenstadtbereich werden größtenteils provisorisch geschlossen, abgedeckt oder gesichert, beispielsweise der Umbau der Schleißheimer Straße. Ähnliche Vorsichtsmaßnahmen gab es auch in der Vergangenheit schon - etwa beim Papstbesuch 2006 oder bei der alljährlichen Sicherheitskonferenz im Februar. Damit will die Polizei potenzielle Gefahrenstellen beseitigen - und zugleich verhindern, dass etwa herumliegende Steine bei gewalttätigen Protesten als Wurfgeschosse zweckentfremdet werden.

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Elmau

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Gesperrt ist vom 6. bis 9. Juni aus Sicherheitsgründen auch der Anwohnerparkplatz unter der Donnersbergerbrücke. Münchner, die in die Pfingstferien gefahren sind und vergessen haben, ihr Auto aus einer der Halteverbotszonen wegzufahren, werden bei ihrer Rückkehr ihr Fahrzeug in der zentralen Verwahrstelle an der Thomas-Hauser-Straße abholen müssen.

Die Münchner reagieren in sozialen Netzwerken gereizt auf die Maßnahmen. "Da kommen paar Politiker angefahren und schon wird die halbe Stadt lahm gelegt - echt nervig", schreibt ein Münchner auf der Facebook-Seite des Polizeipräsidiums. Ein anderer fragt, "weshalb die nicht alle in einem Konvoi fahren - wäre günstiger für die Staatskasse, entlastender für den Verkehr und zudem muss nur ein Mal gesichert werden". Flugzeugträger statt Hotel als Tagungsort, schlägt ein User vor. Ein Münchner fragt die Polizei, warum während des Elmau-Gipfels "Teile der Münchner Innenstadt mit Halteverboten drangsaliert werden, wo wir Anwohner doch schon genügend Probleme haben, ordnungsgemäße Parkplätze zu finden?!"

Mehr als 20 000 Polizisten sollen im Einsatz sein

Die Antwort aus dem Präsidium: Aufgrund von Versammlungen im Zusammenhang mit dem G7-Gipfel seien auch hier Verkehrsmaßnahmen notwendig. Doch es sind nicht die beiden Großkundgebungen von mehr als 50 000 Gipfel-Kritikern an Fronleichnam am Stachus und Odeonsplatz und am darauf folgenden Samstag auf dem Königsplatz, die die Eingriffe in den Münchner Straßenverkehr erfordern. Es geht um die Sicherheit der Gipfelteilnehmer und ihres Gefolges. Allein 800 Mitarbeiter bringt US-Präsident Barack Obama mit.

Wie viele Polizisten in München während der Gipfeltage im Einsatz sein werden, wollte Polizeivizepräsident Robert Kopp nicht verraten. Insgesamt sollen mehr als 20 000 Polizisten den Gipfel und seine Teilnehmer schützen. Bei der Sicherheitskonferenz im Februar, die als Generalprobe für die G 7-Tage galt, waren in München knapp 4000 Landes- und Bundespolizisten im Einsatz. An der Sicherheitskonferenz nahmen 400 Politiker, Militärs und Wirtschaftsvertreter teil, 2500 Kritiker demonstrierten damals gegen das Treffen. Den Papstbesuch vor neun Jahren schützten 5000 Polizisten.