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Autofreie Straßen:Von der Weißenburger Straße bis zur Ehrengutstraße

Einfach verlängern

(Foto: Robert Haas)

In der Weißenburger Straße ist der Anfang schon gemacht. Seit 1975 ist der Abschnitt zwischen Rosenheimer Platz und Weißenburger Platz Fußgängerzone, die erste in München "außerhalb des City-Bereichs", wie OB Georg Kronawitter zur Eröffnung sagte. Morgens sitzen die Leute vor den Cafés bei Espresso und Croissant. Abends tagen sie vor dem Italiener bei Wein und Pasta. Die streunenden Kinder brauchen sie nur mit einem Auge im Blick zu haben. Ab und zu fährt ein Radler verbotenerweise und etwas zu forsch vorbei. Aber das regt hier keinen auf. Der weitere Verlauf der Weißenburger Straße über den Pariser Platz bis zum Orleansplatz hingegen nervt. Weil die Straße beliebt zum Einkaufen ist, sind die Bürgersteige oft zu eng. In der Mitte wiederum kurven Pkw, Lieferwagen und Radler ständig im Zickzack umher, weil einer in der zweiten Reihe steht. Wenn die Autos aus der Straße verschwinden und der Lieferverkehr auf den Morgen beschränkt ist, dann wird das schöne Haidhausen noch menschenfreundlicher.

Flanieren im Ortskern

(Foto: Robert Haas)

Das Scheppern der Masskrüge, das Stimmengewirr der Gäste in den Bier- und Wirtsgärten: Mehr wäre nicht zu hören beim Flanieren durch den alten Ortskern von Großhadern - wenn die Heiglhofstraße auf ihrem letzten Abschnitt, zwischen Marchionistraße und der Kreuzung zur Würmtalstraße, für den Autoverkehr gesperrt wäre. Dass so etwas funktioniert, ist jeden Samstag in der Guardinistraße zu besichtigen. Die wird dann vormittags auf einem Teilabschnitt gesperrt, weil am Haderner Stern der Wochenmarkt stattfindet. Mittwochs hingegen, wenn von 13 bis 18 Wochenmarkt in der Heiglhofstraße ist, quält sich die Autokolonne daran entlang. Ohne die Karossen könnten die Fußgänger gefahrlos von einer Seite zur anderen wechseln, von St. Peter, der alten Ortskirche mit dem kleinen Friedhof, hin zum Biergarten des Erdinger Weißbräus, vorbei an ehemaligen Bauernhöfen. Dann noch schnell in der Konditorei Widmann sündigen, zum Schluss beim Haderner Augustiner vorbeischauen - und mit der U-Bahn oder dem Rad nach Hause fahren.

Viel zu gewinnen

(Foto: Robert Haas)

Manche Geschäfte stehen schon seit Ewigkeiten leer, manche immer wieder. Verrückt eigentlich, schließlich ist die Tegernseer Landstraße zwischen Ostfriedhof und Mittlerem Ring eine wunderbare Stadtviertelmeile. Diesen Abschnitt komplett zur Fußgängerzone mit Trambahnverkehr zu erklären, wäre verwegen. Aber zumindest das Stück zwischen Tegernseer Platz und Wirtstraße samt Grünspitz autofrei zu machen, damit wäre für die Giesinger schon einiges gewonnen - zumal die Straße dort ohnehin nur einspurig stadteinwärts führt. Derzeit nämlich ist die Tela, wie manche sie liebevoll abkürzen, auf diesem engen Stück für Fußgänger wenig attraktiv, weil für sie zwischen Tramgleisen, Fahrbahn und Parkplätzen kaum Raum bleibt. Wenn der Autoverkehr hier aber wegfiele, dann könnten Lokale Tische und Stühle vor die Tür stellen. Und man bekäme Lust, einmal vorbeizubummeln und in das eine oder andere Geschäft zu schauen, das dann hoffentlich dazukäme.

Knifflige Aufgabe

(Foto: Robert Haas)

Zugegeben: Man müsste sich etwas einfallen lassen. Für die Mieter der vollautomatischen Anwohnergarage etwa, die man ja nicht einfach rausschmeißen kann, um das kostspielige Technikmonster mit Erde aufzufüllen. Und in der Mitte gibt es einige Bereiche, die gastronomisch wie einkaufsmäßig eher als Wüstenei zu bezeichnen sind. Diese Probleme sind aber sicher lösbar, denn in der von stattlichen Altbauten gesäumten Schneise zwischen Arnulfstraße und Rotkreuzplatz ist richtig viel Platz. So viel Platz, dass man die paar Anwohnerautos wohl noch durchschleusen könnte, und außerdem mitten auf der heutigen Fahrbahn nach Vorbild von Städten wie Barcelona kleine Kioske und Café-Hütten aufstellen könnte. Nebst Tischen und Stühlen natürlich. Die Breite ist der ganz große Vorteil der Donnersbergerstraße, deren Namensgleichheit mit einer benachbarten Brücke verrät, dass hier jemand an Bedeutung verloren hat. Und zur Sackgasse wurde, die sich ideal als Fußgängerzone eignet.

Sicherer Spielen

(Foto: Robert Haas)

In der Ehrengutstraße zwischen Roecklplatz und Dreimühlenstraße gilt auf einem kleinen Abschnitt Tempo 10. Das entspannt die Eltern der Kinder, die sich auf dem Spielplatz tummeln, sowie die Gäste des Eiscafés Italia gegenüber vom Spielplatz. Was die Freude ein wenig trübt, sind die Autos, die trotzdem durch die Straße rollen. Schon vor fünf Jahren hatten die Grünen beantragt, im Sommer den Abschnitt an Sonntagen tagsüber für den Verkehr zu sperren. Doch die Verwaltung lehnte dies ab. Die Straße habe eine Erschließungsfunktion, zudem sei Kindern nicht vermittelbar, dass sie diese nur an Sonntagen gefahrlos queren können, an anderen Tagen nicht. Da die Dreimühlenstraße noch vier weitere Zufahrten hat und somit durchaus erschlossen ist, könnte man die Idee noch einmal aufgreifen und die Straße bis zur Dreimühlenkreuzung gleich den ganzen Sommer über als Fußgängerzone widmen. So bliebe auch der Schleichverkehr durchs Viertel fern, wenn die Isartalstraße mal wieder verstopft ist.

© SZ vom 25.04.2019 / dh, ratz, mest, sekr, bn, schub /axi
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