Süddeutsche Zeitung

Fußgängerzone in München:Innenstadt im Wandel

In der Münchner Fußgängerzone wird so viel gebaut wie selten. Neben dem Modehaus C&A klafft eine große Lücke. Das Haus, in dem die Buchhandlung Hugendubel untergebracht ist, soll umgebaut werden. Und schon am Donnerstag eröffnet das Joseph-Pschorr-Haus - und mit ihm der neue Sport Scheck.

Gut drei Jahre nachdem die Pläne für einen der größten innerstädtischen Neubaukomplexe der letzten Zeit vorgestellt wurden, eröffnet an diesem Donnerstag das Joseph-Pschorr-Haus in der Neuhauser Straße. Das fünfgeschossige Gebäudeensemble auf dem Areal des früheren "Karstadt am Dom", das vom Berliner Büro Kuehn Malvezzi Architekten entworfen wurde, fällt nicht nur durch seine großflächige Glasfassade auf, in der sich die gegenüberliegende Sankt-Michaels-Kirche spiegelt. Mit einem klassischen Kaufhaus hat dieser Bau nämlich nichts mehr zu tun.

Es gibt in diesem Projekt von Schörghubers Bayerischer Hausbau drei individuelle Shop-Lösungen mit klar umrissenen Verkaufsflächen. Alle drei Läden, die dort eingezogen sind, haben direkte Zugänge von der Fußgängerzone - was verkaufspsychologisch als besonders wichtig gilt. Größter Mieter ist Sport Scheck mit einer Fläche von 10.000 Quadratmetern, die sich über mehrere Etagen verteilen.

Unter dem Motto "Filiale dahoam" wirbt das Unternehmen, das zur Hamburger Otto-Gruppe gehört, seit Mitte September für sein neues Hauptgeschäft. Es löst das enge und verwinkelte Stammhaus in der Sendlinger Straße ab. Mit dem Werbespruch will das Unternehmen seinen Flagship-Store zu einem Münchner Original ausbauen und den eigenen Anspruch behaupten, die erste Verkaufsadresse der Stadt in Sachen Sport zu sein.

Täglich wechselnde Auslage bei "Forever 21"

Allerdings ist die Konkurrenz in der Umgebung groß. Sport Schuster eröffnete 2006 sein modernes "Sporthaus des Südens" in der Rosenstraße. Ein paar Jahre später mischte ein weiterer Gegenspieler am Isartorplatz mit seinem großflächigen Laden auf diesem Markt mit: der Outdoor-Ausrüster Globetrotter.

Das neue Gebäude in der Neuhauser Straße, zu dem in den obersten Stockwerken auch 25 Mietwohnungen gehören, ist ein sehr begehrtes Objekt. Zum Beispiel suchen große Textilketten, die bisher nicht in der City vertreten sind, händeringend große zusammenhängende Flächen in Bestlagen, wie etwa in der Fußgängerzone.

Den Zuschlag haben im Joseph-Pschorr-Haus neben Sport Scheck das kalifornische Modelabel Forever 21 und der katalanische Bekleidungskonzern Mango bekommen. Forever 21 eröffnet den zweiten Shop in Deutschland nach Berlin am Donnerstag mitten in der bayerischen Landeshauptstadt. Das Unternehmen bezeichnet sich selbst als den Inbegriff von "Fast Fashion". Täglich wechselt die Auslage - so will man aktuelle Modetrends immer sofort und bei einem günstigen Preis-Leistungsverhältnis anbieten. Mango ist in München bereits mit mehreren Filialen vertreten.

Wie die Innenstadt ihr Gesicht verändert

Mit dem Joseph-Pschorr-Haus verändert die Fußgängerzone erneut deutlich ihr Gesicht. Bereits in den vergangenen Jahren gab es immer wieder Bauaktivitäten auf Münchens wichtigster Einkaufsmeile. Doch selten sind so viele neue Objekte entstanden wie momentan.

Direkt neben dem Haus des Modeunternehmens C&A klafft inzwischen eine riesige Lücke. Dort baut die Familie Inselkammer (Augustiner-Brauerei) ein neues Geschäftshaus. Ins Erdgeschoss und in die erste Etage wird die Juwelierkette Christ einziehen. In den oberen Stockwerken sind Büros und Wohnungen vorgesehen.

Gegenüber, zwischen Fußgängerzone und Dom-Platz, ist der Neubau der Münchner Bank fast fertig. Das Haus soll Mitte November eröffnet werden. Die Augustiner-Gaststätte Klosterwirt, die zu dem Komplex gehört, ist bereits seit einigen Wochen in Betrieb. Schörghubers Bayerische Hausbau hat gerade noch zwei weitere Objekte mitten in der Stadt in Arbeit.

Zum einen handelt es sich um die Traditionsgaststätte Donisl an der Weinstraße gegenüber vom Rathaus. Außer der Fassade bleibt von diesem Gebäude nichts mehr übrig. Das Haus ist bereits abgerissen. Der neue Donisl soll in zwei Jahren fertig sein.

Auch am Marienplatz tut sich etwas. Gerade hat die Stadtgestaltungskommission den Umbau-Entwurf für das Haus, in dem sich die Buchhandlung Hugendubel befindet, gebilligt. Die wenig geliebte postmoderne Fassade soll durch eine ruhig wirkende Front ersetzt werden, die sich gut in die Häuserzeile mit den Nachkriegsbauten einfügt. Über den geplanten Umbau der Ladenflächen der Buchhandlung gibt es noch keine Auskunft. Unsicher ist auch, wie die Zukunft der anderen Mieter aussieht: die des Presse Clubs nämlich und die der Gaststätte im Erdgeschoss.

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SZ vom 07.10.2013/tba
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