Fußballweltmeisterschaft 2022 in Katar Public Freezing

Die Leopoldstraße in München nach dem WM-Sieg der deutschen Nationalmannschaft 2014. Hätte es eine solche Stimmung auch mit Schnee und Temperaturen unter null Grad gegeben?

(Foto: dpa)

Tröten in Fleecejacken, ein Schluck Glühwein zum Tor: Während der Fußball-WM 2022 wird der Public-Viewing-Fan wohl zum Überlebenskünstler. Was es bedeutet, wenn die Spiele im Winter stattfinden und in der Verlängerung die Zehen einfrieren.

Von Axinja Weyrauch

München ist während Fußballgroßereignissen eine andere Stadt: Es gibt dann oft kein Durchkommen auf den Straßen, Biergärten und Cafés mit Leinwänden sind schon Stunden vor Anpfiff überfüllt, die Bierregale der Supermärkte leer.

Aber wie wird die Fußball-Stadt ohne blauen Himmel und Temperaturen über 20 Grad sein? Bei Schnee, Graupel und glatten Straßen? Statt Vuvuzelas, Tröten und Trommeln wird sich der hartgesottene Fan dann wohl eher mit Mützen, Fleecejacken und dicken Winterstiefeln ausstatten. Denn die Fifa hat die WM in Katar verschoben - auf den Winter. Kurz vor Weihnachten soll der Sieger feststehen.

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Fußball-WM 2022 in Katar - ein Wintermärchen?

Aufgrund der großen Hitze im Sommer suchte die Fifa nach einem Termin für die Fußball-WM 2022 in Katar - und hat ihn nun gefunden. Eine Arbeitsgruppe empfiehlt, die WM im November/Dezember stattfinden zu lassen. Was halten Sie davon?   Diskutieren Sie mit uns.

Manch ein Jubelschrei könnte dann untergehen im Klang der Kirchenglocken, die zum Adventsgottesdienst rufen. Nach dem Weihnachtsgeschenkeeinkauf wird man mit prallen Einkaufstaschen und einer dicken Jacke irgendwo ein warmes Plätzchen suchen, um das nächste Spiel der deutschen Elf zu verfolgen; einige werden mit ihrer Beute vermutlich eher nach Hause gehen.

Glühwein statt Caipirinha

Andererseits: Es fanden auch schon bei Minusgraden Fußballspiele statt - die Stadien waren dann auch voll. "Wenn die deutsche Nationalmannschaft gut spielt, werden die Leute trotzdem kommen", sagt Arno Hartung, Pressesprecher des Olympiaparks, einem der größten Public Viewing Veranstalter Münchens. Er sieht die Entscheidung der Fifa gelassen. Konkrete Gedanken habe man sich zwar noch nicht gemacht, aber es sei wohl möglich, eine große Leinwand aufzustellen - und zwar so, dass die Zuschauer auf der Haupttribüne sitzen, die ist überdacht. Nach Hartungs Einschätzung reicht der Platz aus. Er sei nicht weniger als bei der letzten WM benötigt wurde. Vielleicht kommen die Besucher bei Schneesturm nicht, aber das wäre im Sommer bei Regen ja nicht anders. Man werde aber eher Glühwein statt Caipirinhas servieren.

Fifa Fußball-WM in Katar soll im Winter stattfinden
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Ob die Münchner so hartgesottene Fußballfans sind, dass sie auch ohne Heizung im Winter vor einer Leinwand ausharren, anstatt das Spiel einfach zu Hause zu sehen? "Ich glaube nicht, dass die Leute im Winter in den Biergarten gehen", sagt Cornelia Bartz, Leiterin des Hirschgarten, dem größten Biergarten der Stadt. Man habe zwar die Möglichkeit, auch drinnen Public Viewing zu veranstalten, allerdings haben im Restaurant nur 500 Menschen Platz, draußen sind es 8000. Viele Wirte haben in der Vorweihnachtszeit anderes zu tun. Restaurants und Lokale sind mit Weihnachtsfeiern schon schwer beschäftigt.

Neue Formen des Public-Viewing

Die Fußball-Fans sind eher nicht begeistert von der Entscheidung der Fifa. Auf Facebook kommentieren einige SZ-Leser, dass sie die WM boykottieren würden, die Vergabe an sich sei "Schwachsinn", der Zeitraum auch. Andere schlagen vor, dass der Weltmeister statt eines Pokals einen goldenen Weihnachtsmann bekommt. Auch auf Twitter beschweren sich Fans.

Eine naheliegende Möglichkeit wäre, auf den Weihnachtsmärkten Leinwände aufzustellen. Schließlich gibt es dort oft Heizstrahler, für Glühwein und Bratwurst ist sowieso gesorgt. Aber dort ein komplettes Spiel mit Verlängerung und Elfmeterschießen anzusehen, lässt vermutlich die Zehen einfrieren. Vielleicht gibt es dafür im DFB-Shop demnächst Schneeanzüge im Look der deutschen Nationalmannschaft zu bestellen. Mit integrierten Glühweinbehältern, ein Schlauch erleichtert das Trinken - schließlich ist Hüpfen, Jubeln und Trinken mit Schneeanzug und zehn Lagen darunter schwer möglich.

Vielleicht könnte man sich noch ein paar Ratschläge bei denen holen, die Erfahrung mit WM-Feiern in der Kälte haben: den argentinischen Fans in Feuerland etwa. Genügend Zeit, sich Alternativen zu überlegen, bleibt ja noch. Und falls die deutsche Nationalmannschaft wieder so weit kommt, können auch die Minusgrade die Münchner wohl nicht davon abhalten, auf der Straße zu tanzen. Statt Wasserschlachten und einem Bad im Brunnen am Geschwister-Scholl-Platz wird man sich dann eben mit Schneebällen bewerfen.