Sport in München Wie der SV Weißblau-Allianz um seine Zukunft kämpft

Vorbei: Lange konnte der SV das Areal an der Osterwaldstraße alleine nutzen. Nun muss er das Gelände mit dem Schulsport und anderen Vereinen teilen.

(Foto: Robert Haas)

Früher spielten sie beim einstigen Firmenverein nur nach Feierabend. Nach dem Ausstieg der Allianz muss man auf eigenen Beinen stehen und Jugendarbeit etablieren. Wie schafft der Verein das?

Von Stefan Mühleisen, Schwabing

Der Vorsitzende hat sich entschieden, die Unwägbarkeiten nicht einmal im Ansatz zu beschönigen. "Wir wissen nicht, wie wir all das meistern", sagt Helmut Jaschkowitz ins Mikrofon vor knapp 400 Besuchern in der Turnhalle, ein jeder mit einem Packen Papier auf dem Schoß. Es ist ein Kurzdossier für die Mitgliederversammlung, das den Weg in die Zukunft für den Schwabinger Sportverein SV Weißblau-Allianz skizziert, "in eine vorher nie gedachte Welt", wie es der SV-Vorsitzende Helmut Jaschkowitz formuliert.

Es ist für die Mitglieder innerhalb von sechs Monaten der zweite Notstandskonvent. Im März stand der SV noch vor dem Abgrund, keiner wusste, wie es weitergeht. Nun ist klar: Der Verein wird nicht sterben, doch es ist unklar, wie er langfristig überleben kann. "Bitte vertrauen Sie uns", sagt Jaschkowitz zu den Fährnissen des Konzeptpapiers. Und die Mitglieder tun es: Sie votieren dafür, dass der Vorstand den Verein nun in die "nie gedachte Welt" führt. Es ist die Welt der Eigenständigkeit, keine "verwöhnte Paradieswelt" mehr, wie es Jaschkowitz ausdrückt.

Allianz für den Sport

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Die Vertreibung aus dem Paradies begann im Dezember 2017, als die Allianz als Eigentümer dem Verein das Areal kündigte. Der Konzern war auf die Idee gekommen, Subventions-, Betriebs- und Sanierungskosten einzusparen - und das Gelände zu verwerten. Eine Fitnesskette sollte einen Premiumclub etablieren. Doch die Stadtspitze erklärte die Pläne für nicht genehmigungsfähig. Jetzt soll die Stadt das Gelände in Erbpacht für 35 Jahre übernehmen; sie gewinnt dadurch Flächen für den Schulsport inklusive eines Hallenbades sowie Kapazitäten für andere Vereine.

Beraten wird der Beschlussentwurf an diesem Mittwoch in der Sitzung des Sport- und Bildungsausschusses des Stadtrats, danach muss die Vollversammlung entscheiden. Wichtiger Aspekt des Deals: Der Verein muss nicht weichen, er wird zunächst zum privilegierten Mieter, hat die ersten fünf Jahre Zugriff auf 70 Prozent der Nutzungszeit während der Abendstunden in Halle und Außenanlagen; danach wird der Anteil reduziert. Überdies sind die Sauna, zwei Fitnessräume, vier Umkleiden, die Geschäftsstelle und auch die Gaststätte exklusiv für den Verein reserviert. Den Tennisbereich bleibt mittels gesondertem Pachtvertrag unter der Ägide des Vereins.