Fußball-Fans in München WM-Stimmung, wo bist du?

Die Stimmung beim Public Viewing im Glockenbachviertel ist gut - aber sie könnte noch besser sein.

(Foto: Stephan Rumpf)

Bisher hält sich die WM-Begeisterung der Münchner noch in Grenzen, auf der Leopoldstraße hat die Polizei nach dem Portugal-Spiel gerade mal 5000 Fans gezählt. Ob der Funke wohl noch überspringt?

Von Stephan Handel

Vor dem zweiten Gruppenspiel der deutschen Nationalmannschaft am Samstagabend hält sich die WM-Begeisterung der Münchner noch in Grenzen. "2010 war schon eine ganz andere Euphorie", sagt ein Sprecher der Polizei, die bislang weder nach dem ersten Deutschland-Spiel noch mit Anhängern anderer Nationalmannschaften irgendwelche Probleme hatte. Auch die zahllosen Public-Viewing-Schauplätze verursachten so gut wie keine Schwierigkeiten - mit einer Ausnahme: Im Hirschgarten hat die Stadt eine bestehende Genehmigung eingeschränkt.

"Wir haben im Hirschgarten exorbitant hohe Überschreitungen der Lärm-Grenzwerte festgestellt", sagt Claudia Vollmer vom Kreisverwaltungsreferat (KVR). Das betreffe vor allem den stadtauswärts gelegenen Teil des größten Münchner Biergartens. Dort schließt sich direkt Wohnbebauung an. Und deshalb darf der Wirt dort nur mehr die Spiele mit deutscher Beteiligung, solche, die um 18 Uhr beginnen sowie das Halbfinale und das Finale zeigen. Das bedeutet, dass mindestens 15 Spiele weniger im ganzen Hirschgarten gezeigt werden dürfen. "Die Anwohner haben trotzdem noch einiges auszuhalten", sagt Vollmer.

Das gilt auch für Menschen, die in der und um die Leopoldstraße wohnen - dort finden seit einigen Jahren traditionell die Straßenpartys nach den Spielen statt. Nach dem Portugal-Spiel allerdings war trotz des grandios herausgemüllerten Sieges die Feierlaune nicht so wahnsinnig hoch: Gerade mal 5000 Fans zählte die Polizei, wo doch während der letzten WM regelmäßig mehr als 100 000 Menschen zwischen Siegestor und Münchner Freiheit feierten.

"Es gab keinerlei Zwischenfälle"

Die Polizei ist darüber zumindest aus ordnungsrechtlicher Sicht nicht unfroh: "Es gab keinerlei Zwischenfälle", sagt der Sprecher - und nur eine einzige polizeilich erfasste Ordnungswidrigkeit, die allerdings auch weniger von Rowdytum als von fehlgeleitetem Geschäftssinn zeugt: Ein Mann hatte Fahnen verkauft, ohne dafür eine Genehmigung zu haben.

Für das Ghana-Spiel am Samstag hat die Polizei die normalen Vorkehrungen getroffen - erwartet aber auch keinen größeren Andrang als am vergangenen Montag: "Wenn die Bürgersteige voll sind, werden wir nach einer Gefahrenabwägung die Straße für den Autoverkehr sperren", sagt der Sprecher. Dass das Spiel an einem Samstag statt unter der Woche stattfindet und um 21 statt um 18 Uhr, könnte den Andrang verstärken. "Kann schon sein", sagt der Polizeisprecher, "dass dann mehr Leute noch Lust und Zeit zum Feiern haben."

Warum die WM-Begeisterung noch nicht so richtig überschwappt, kann sich auch Arno Hartung nicht erklären. Er ist Pressesprecher und stellvertretender Geschäftsführer der Olympiapark-GmbH. Dort, im Olympiastadion, haben sich zum ersten Public-Viewing gegen Portugal etwas mehr als 10 000 Menschen eingefunden - einerseits nicht sehr viel angesichts des Angebots von 32 000 Plätzen. Andererseits sagt Hartung, dass sie für die Vorrundenspiele sowieso nur mit 10 000 bis 15 000 Besuchern kalkuliert hatten. Für das Ghana-Spiel immerhin sind bis Freitagmittag mehr als doppelt so viele Eintrittskarten im Vorverkauf weggegangen wie gegen Portugal: 7000 statt 3000.

So richtig los geht der Hype nach Hartungs Erwartung erst mit den K.-o.-Spielen ab dem Achtelfinale - eine Erwartung, die er selbst gleich wieder relativiert: "Aber da könnten ja Russland oder Belgien gegen Deutschland kommen. Auch nicht so der Brüller." Für eines allerdings kann er garantieren, dass so oder so die Feiern auf der Leopoldstraße von den Fans aus dem Olympiastadion verstärkt werden: "Unser Stammpublikum ist eher jünger, für die ist es ausgemacht, dass sie nach dem Spiel stante pede dorthin gehen." Mehr noch, wenn der Tipp des Pressesprechers eintritt: Hartung schätzt, dass nach einem schwierigen Spiel ein 3:1 herauskommt, für Deutschland, versteht sich.