München:Ohne Maske im Stadion: Druck auf EM-Veranstalter wächst

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Fußball EM - Portugal - Deutschland

Beim Spiel Portugal gegen Deutschland trugen nicht alle Fans wie vorgeschrieben Masken.

(Foto: Guelland/EPA Pool/dpa)

Vor dem Spiel gegen Ungarn verspricht der DFB nochmals verschärfte Kontrollen, um Zuschauer zum Tragen von Masken zu bewegen. Falls es schief geht, könnte der Modellversuch für den Profifußball schlecht enden.

Von Heiner Effern und Anna Hoben

Die deutsche Mannschaft verliert, die deutsche Mannschaft gewinnt, die Diskussion um die Maskenpflicht im Stadion bleibt. Auch im zweiten Spiel der Fußball-Europameisterschaft in München hatten viele Zuschauer auf ihren Sitzplätzen in der Fröttmaninger Arena Mund und Nase nicht wie vorgeschrieben bedeckt. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) als Veranstalter verweist darauf, dass in der Partie gegen Portugal die Bemühungen um das Einhalten der Maskenpflicht schon deutlich verstärkt worden seien.

Es habe eine "intensive Kommunikation im Vorfeld des Spiels über Social Media gemeinsam mit unseren Partnern in der Stadt München, verstärkte Kommunikationsmaßnahmen wie Anzeigen und Durchsagen im Stadion" gegeben, sagte ein Sprecher des DFB. Dazu habe man "durch erhöhten personellen Einsatz von Ordnungs- und Sicherheitskräften, Covid-Stewards und Volunteers" immer wieder auf die Maskenpflicht auch am Platz hingewiesen.

Doch nicht wenige Zuschauer haben kein oder nur ein kurzzeitiges Verständnis dafür gezeigt. Dazu gab es viel Frust bei den Fans über unklare Vorgaben. Die Uefa hatte noch vor dem ersten Match eine Mail verschickt, in der sie fälschlicherweise darauf hinwies, dass am Platz keine Maske getragen werden müsse. Dazu gab es technische Probleme beim Hochladen der Corona-Testergebnisse in die beiden vorgeschlagenen Apps, sodass viele vor dem Stadion noch ihre negativen Bescheide digital oder auf Papier vorzeigen mussten, um hineinzukommen. Im ersten Spiel durften die Fans am Platz nichts essen und trinken, im zweiten dagegen wohl auch wegen der großen Hitze und der sich kaum erschließenden Logik dahinter schon.

Der bayerische Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) hatte den DFB am Wochenende deutlich gerüffelt. Es müsse nun plausibel dargelegt werden, wie die Maskenpflicht bei den letzten beiden Spielen in München eingehalten werden könne. Und Holetschek hat der Fußballwelt auch gedroht. Die Staatsregierung fasse die EM-Spiele als Modellversuch auf, ob im Herbst auch in der Bundesliga wieder Fans zugelassen werden, sagte er. "Wenn der Modellversuch schief läuft, dann sehe ich ehrlich gesagt schwarz, dass der Profifußball in Zukunft vor vielen Zuschauern spielen kann."

Holetscheks Chef, Ministerpräsident Markus Söder (CSU), scheint das Problem nicht ganz so eng zu sehen. Er bot trotz der Maskendiskussion München als Spielort für weitere EM-Partien an, falls England wegen der sich ausbreitenden Virusvariante Matches abgeben müsse.

Das Spiel gegen Ungarn am Mittwoch wird auch deshalb von manchen mit Unwohlsein betrachtet, weil die Bilder von den Partien in Budapest Fans zeigen, die offensichtlich keinen Gedanken an die Pandemie verschwenden. Der DFB verweist darauf, dass ohnehin nur negativ Getestete, Geimpfte und Genesene ins Stadion dürften. Vor dem Spiel gegen Ungarn verspricht der Verband zudem nochmals Nachbesserung: "Selbstverständlich werden im Nachgang der Spiele alle Maßnahmen geprüft und - wo nötig - zum Zweck der Optimierung angepasst."

Die Masken-Disziplin sei "noch nicht befriedigend" gewesen, erklärte auch die Münchner Gesundheitsreferentin Beatrix Zurek. Allerdings sei auch erkennbar gewesen, dass der DFB - als Reaktion auf die Kritik nach dem ersten Spiel gegen Frankreich am vergangenen Dienstag - einiges getan habe, um die Einhaltung der Maskenpflicht zu verbessern. Die Ordner hätten sogar Bilder gehabt; so hätten selbst jene, die nicht der portugiesischen, deutschen oder englischen Sprache mächtig sind, erkennen können, was zu tun ist. Am Einlass seien zusätzlich Masken verteilt worden. Viel mehr könne man auch nicht mehr tun, hieß es aus Veranstalter-Kreisen.

Die Münchner Virologin Ulrike Protzer hält es für vertretbar, die EM mit der begrenzten Zahl an Fans im Stadion auszutragen und auch Public Viewing zuzulassen. Die Direktorin des Instituts für Virologie am Helmholtz-Zentrum München und an der Technischen Universität München identifiziert nur ein größeres Problem: "Ein Risiko sehe ich allerdings für die Ausbreitung von Virus-Varianten, ob der vielen internationalen Gäste, wenn der Abstand beim Schreien nicht eingehalten wird beziehungsweise beim Ein- und Auslass, und dabei keine Masken getragen werden", sagte sie.

Wenig Verständnis für die Maskenverweigerer zeigt die grün-rote Rathauskoalition. Die Ansteckungsgefahr im Freien sei zwar gering, sagt Florian Roth, Fraktionschef der Grünen, und nicht immer seien alle Regeln logisch. Dennoch sei es "schwierig", wenn manche sie einfach missachteten. Es sei klar gewesen, dass es während der EM Sommer ist und heiß sein könnte, sagt Anne Hübner, Fraktionsvorsitzende der SPD. "Jeder Fan weiß, dass die Maske zu tragen ist." Die Schülerinnen und Schüler, die jeden Tag "in heißen Schulgebäuden" säßen, hätten auch keine Wahl.

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