Public ViewingWo Fans in München das EM-Halbfinale schauen können

Lesezeit: 3 Min.

Fans der deutschen Elf beim EM-Viertelfinale.
Fans der deutschen Elf beim EM-Viertelfinale. Alessandra Tarantino/AP

Die deutschen Fußballerinnen treffen auf Favorit Spanien. In welchen Lokalen man die Partie verfolgen kann und warum die Stadt bisher kein Public Viewing organisiert hat.

Von Toke Reimer

Das EM-Viertelfinale der deutschen Fußballerinnen gegen Frankreich war „ein Spiel fürs Fußballmuseum“. In Unterzahl kämpfte sich das Team gegen die Favoritinnen ins Elfmeterschießen, in dem Torhüterin Ann-Katrin Berger es in die nächste Runde parierte: Halbfinale gegen Titelfavorit Spanien. Anpfiff ist am Mittwoch um 21 Uhr in Zürich, die ARD überträgt die Partie im TV und via Livestream.

Während das Viertelfinale im ZDF erstmals die Marke von zehn Millionen Zuschauern knackte, merkt man auf Münchens Straßen noch wenig vom EM-Sommer. Fanmeilen wie im vergangenen Jahr bei der Heim-EM der Männer fehlen, und auch die großen Biergärten übertragen keine Spiele. Viele Wirte begründen das mit zu geringem Interesse, ein Public Viewing lohne sich nicht. Aber es gibt sie, die Orte zum „Rudelgucken“. Eine Auswahl:

Das Backstage Kulturzentrum ist die Adresse für die EM 2025: Seit Beginn des Turniers laufen alle Spiele im Biergarten auf dem Gelände nahe der S-Bahn-Station Hirschgarten. Zum Viertelfinale am Samstag kamen laut Betreiber 600 Gäste, am Mittwoch sind Innen- und Außenbereich für bis zu 2000 Fans offen. Der Eintritt ist frei, und für zwölf Euro gibt es Tickets, die einen Sitzplatz und zwei Getränke nach Wahl garantieren.

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In der australischen Sportsbar The Keg Bar unweit des Englischen Gartens ist viel Platz für alle, die Lust auf Fußball haben. Das Spiel läuft auf Leinwand und Fernsehern. Wie in den übrigen Lokalen auf dieser Liste rechnet man hier mit wesentlich weniger Andrang als im Backstage, aber Reservierungen sind möglich.

Im Paulaner Bräuhaus am Kapuzinerplatz öffnet der Wirt ein eigenes Stüberl, in dem Fans das Halbfinale auf einer Leinwand verfolgen können. Reservierungen sind möglich, Platz finden dort rund 40 Gäste.

Im Erdgeschoss des Kinos am Stachus zeigt das Restaurant 35mm die Partie. Auf 24 Fernsehern und zwei Großleinwänden verpasst man von keinem der bis zu 600 Plätze etwas.

In Kennedy's Bar & Restaurant bekommt man bei schlechtem Wetter ironischerweise mehr geboten: Wenn die Terrasse geschlossen ist, zeigt das Lokal am Sendlinger Tor das Spiel auf Großleinwand mit Ton im Innenbereich, sonst nur ohne.

In der Treffpunkt Sportsbar an der Schleißheimer Straße zeigt der Wirt das Spiel für bis zu 60 Gäste. Ton gebe es nur bei genug Interessierten. In den Giesinger-Stehausschänken (Hackenviertel, Maxvorstadt, Sendlinger Tor, Universität) läuft das Spiel auf Fernsehern.

Die australische Sportsbar Ned Kelly's am Frauenplatz zeigt so ziemlich jedes internationale Sportevent, so auch das deutsche Halbfinale gegen Spanien.

Das Gans Woanders in Giesing überträgt die Partie in der „Arena“ zwischen den Holzbauten im Innenhof, 50 Fans können mitfiebern. Reservieren ist nicht möglich.

Im Haxnbauer in  der Altstadt läuft das Spiel auf zwei Fernsehern im Salettl des Stehausschanks.

Drinnen und draußen schauen können Fans auch bei der Hopfendolde nahe der Münchner Freiheit. Sowohl drinnen in der Bar als auch im Schanigarten gibt es Bildschirme. Reservieren geht nicht.

Bis zu zwölf Beamer wirft das Champions Restaurant & Bar in Schwabing-Freimann für die Partie an, je nachdem, wie viele der 120 Sitze mit Fans belegt sind. Reservieren möglich.

In der 70er Bar unweit des Grünwalder Stadions schauen sonst Bayern- und Sechtzger-Fans ihre Spiele, am Mittwoch aber läuft Frauenfußball. 30 Plätze, reservieren geht nicht.  500 Meter die Straße runter öffnet auch die Bamboleo Bar ab 18 Uhr die Türen für das Halbfinale.

Im Glockenbachviertel macht das München 72 zwei Räume für das Spiel auf, mit Beamer und Großbildschirm. Eine Onlinereservierung lohnt sich, von den 100 Plätzen waren Mittwochmorgen schon rund 70 weg.

Gibt es ein städtisches Public Viewing?

Der vergangene Sommer war wegen der Heim-EM auch ein Fußball-Sommer, die Erinnerungen an Public Viewing im Olympiapark sind bei vielen noch frisch. Warum gibt es solche Veranstaltungen nicht auch jetzt? Es habe keinen Impuls aus der Stadtpolitik gegeben, hieß es zunächst bei den zuständigen Referaten. Als es noch genügend Vorlauf gab, wurde nichts geplant, jetzt wäre eine Organisation sehr spontan. Mögliche Flächen seien zudem nicht verfügbar: Im Olympiastadion spielt am Samstag Robbie Williams, auf der Theresienwiese stehen schon Wiesn-Zelte, und auch die Messe ist belegt.  Auch ein Public Viewing der Münchener Sportjugend, das in Moosach stattfinden sollte, ist gescheitert. Nach Angaben der Veranstalter kam die nötige Genehmigung der Stadt nicht rechtzeitig.

Nach einem Dringlichkeitsantrag der SPD-Fraktion im Stadtrat könnte es aber nun womöglich doch ein städtisches, öffentliches Fußballschauen geben. SPD-Stadträtin Barbara Likus schlug am Mittwoch vor, man könne doch auf dem Zamanand-Festival am Wochende eine vorhande Bühne mit einer Videowand ausstatten oder – bei schlechtem Wetter – im Maximilansforum ein Public Viewing veranstalten. Die Antwort von Wirtschaftsreferent Christian Scharpf lässt sich so zusammenfassen: Schau ma mal, ob noch irgendwie was geht. Künftig müsse man sich im Vorfeld schon Gedanken machen. Jetzt sei die Zeit, so Scharpf, „extremst knapp“.

Wenn sich also die Nationalelf am Mittwoch gegen Spanien behaupten kann und ins Finale einzieht, fiebert München in einem der aufgeführten Lokale mit, daheim auf dem Sofa – oder vielleicht doch auf einer öffentlichen Fläche.

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