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Fußball-EM 2021:Streit um Zuschauer bei Münchner EM-Spielen

FC Bayern München - Paris Saint-Germain

München ist als Spielort bei der Europameisterschaft dabei. Nur: Wie das mit den von der Uefa erwarteten Fans in den Stadien angesichts der Pandemielage funktionieren soll, das weiß noch keiner so genau.

(Foto: dpa)

Nach Plänen der Uefa sollen im Juni bis zu 14 500 Menschen die vier Partien der Fußball-EM verfolgen dürfen. Der Polizeigewerkschafter Jürgen Ascherl und SPD-Oberbürgermeister Dieter Reiter lehnen eine Sonderregelung ab.

Von René Hofmann

Unentschlossene müssen jetzt schnell sein. Wer Karten für die vier Spiele der Fußball-EM im Juni und Juli in München erstanden hat, angesichts der Pandemielage jedoch unsicher ist, ob er sie einlösen will, kann die Tickets über das Internetportal der Europäischen Fußball-Union (Uefa) zurückgeben. Die Frist dafür endet an diesem Montag um 14 Uhr.

Dass in München gespielt wird, ist seit Freitag sicher. Da bestätigte das Exekutivkomitee der Uefa die Landeshauptstadt als Spielort - obwohl diese keinerlei Garantien abgegeben hatte, dass tatsächlich Fans ins Stadion dürfen. Die Entscheidungsträger hatten lediglich unterstrichen, dass sie aktuell ein Szenario für möglich halten, das 14 500 Augenzeugen vorsieht, was bei rund 70 000 Plätzen ungefähr einer Auslastung von 20 Prozent entspricht. Die Uefa hatte dies in ihren Aussendungen jedoch als "Garantie" gewertet, was umgehend Irritationen und Kritik ausgelöst hatte.

"Wie soll ich denn den Bürgerinnen und Bürgern erklären, wenn wir jetzt garantieren, dass im Juni Zigtausende zu einem Fußballspiel gehen und gleichzeitig Schulen, Kitas, Gastronomie und Einzelhandel zu sind? Das passt nicht zusammen", sagte Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) dem Deutschlandfunk. Jürgen Ascherl, der stellvertretende Landesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, nannte das Auftreten der Uefa im Gespräch mit dem Bayerischen Rundfunk "unverantwortlich": "Da scheint Geld eine größere Rolle zu spielen als der Gesundheitsschutz." Die Beamten müssten jedes Wochenende zu Corona-Demonstrationen ausrücken, "die Leute dürfen nicht raus und hier diskutieren Verantwortliche über 15 000 Zuschauer", schimpfte Ascherl. Polizisten, die Menschen erklären sollten, dass sie sich nicht zu zehnt versammeln dürfen, brächte das in Erklärungsnot.

In dieser wähnte sich nach den Wogen dann aber offenbar auch die Uefa. Zunächst ließ ein Sprecher wissen: Nein, es sei nicht geplant, München die EM vielleicht doch noch zu entziehen. Dann versicherte der Uefa-Präsident persönlich, Geisterspiele blieben weiter eine Option: "Die Behörden vor Ort entscheiden vor den Spielen, ob Zuschauer zugelassen werden oder nicht", sagte Aleksander Čeferin der Welt am Sonntag. "Sie glauben doch nicht, dass wir auf Zuschauer bestehen, wenn die Situation vor Ort es im Sommer nicht zulässt." Nun, weil die Situation dies in Bilbao und in Dublin wohl nicht zulassen wird, hatte die Uefa den beiden Städten am Freitag das Gastgeberrecht entzogen.

Auch im Deutschen Fußball-Bund (DFB) ist Nervosität zu spüren. Die Lobbyisten müssen fürchten, dass die Debatte, inwieweit dem Fußball eine Sonderrolle zugestanden wird, noch an Dynamik gewinnt. Wohl deshalb hatte DFB-Präsident Fritz Keller schon in seiner ersten Stellungnahme zum Uefa-Entscheid am Freitag betont, die Aussicht auf Spiele vor Fans in München bedeuteten "ein Signal, das über den Fußball hinausgeht": Aus Gesprächen mit Partnern aus der Kultur, dem Sport und der Gastronomie wüsste er, "dass wir alle ein gemeinsames Signal als eine Perspektive für die Zeit nach der Pandemie brauchen". Diese Argumentation unterstrich am Samstag noch einmal Philipp Lahm. Der einstige Nationalspieler ist der EM-Organisationschef des DFB, im ZDF-Sportstudio sagt er: "Jeder würde sich wünschen, dass Zuschauer im Stadion wieder möglich sind. Ich glaube, dass uns das eine Art Normalität geben würde und auch ein wichtiger Schritt sein wird für andere Bereiche wie Gastronomie und Kultur." Vorbildfunktion - auch so lässt sich eine Sonderrolle verkaufen.

Die erste EM-Partie in München ist am 15. Juni geplant: Dann trifft die deutsche Nationalelf in ihrem ersten Gruppenspiel auf Weltmeister Frankreich. Ob und wenn ja wie viele Fans dann ins Stadion dürfen, soll sich nach Darstellung von OB Dieter Reiter (SPD) spätestens Anfang Juni entscheiden. Drei Instanzen bestimmen darüber: Der Bund, der über das Bundesinfektionsschutzgesetz die Rahmenvorgaben setzt. Diese kann jedes Bundesland - im konkreten Fall also die Bayerische Staatsregierung - aber noch einmal enger fassen. Die Entscheidung, in welcher Form eine Veranstaltung in München genehmigt wird, liegt dann letztlich bei der Stadt - also beim Oberbürgermeister, der sich dafür mit dem Kreisverwaltungsreferat und dem Gesundheitsamt abstimmt. Aktuell verbietet die Bayerische Infektionsschutzmaßnahmenverordnung in ihrer zwölften Ausformung generell Veranstaltungen vor Publikum; sie gilt noch bis zum 9. Mai. Feste Marken, ab welchen Inzidenzwerten wie viele Zuschauern zu den EM-Spielen dürfen, gibt es nicht. So lange der Wert nicht unter 100 liegt, sind nach Aussagen der Entscheidungsträger jedoch generell nur Geisterspiele denkbar.

Aber falls es doch gelingt, die Inzidenzkurve zu biegen - wer darf dann ins Stadion? Laut Reiter werden es nur Fans sein, die neben einem gültigen Ticket auch einen kurz zuvor genommenen negativen PCR-Corona-Test vorweisen können, den sie mitbringen; Teststationen an der Arena sind nicht geplant. Was für Geimpfte gilt, soll generell geklärt werden; hier strebt der Fußball keine Sonderrolle an. Die Anreise der Fans soll zeitlich entzerrt werden. Über die Nummer auf den Tickets ist es möglich, jeder und jedem ein Zeitfenster und einen bestimmten Eingang zuzuweisen. Die Uefa ruft Kartenbesitzer schon jetzt dazu auf, ihr E-Mail-Postfach regelmäßig im Auge zu behalten.

In der Arena soll Maskenpflicht herrschen. "Die Maske muss Mund und Nase bedecken", führt die Uefa auf ihrer Homepage aus, aber: "Du darfst sie, wenn du an deinem Platz sitzt, zum Essen oder Trinken abnehmen." Ob es aber überhaupt etwas zu Essen gibt? Bei dem Thema gibt es offenbar unterschiedliche Vorstellungen. Während die Uefa verspricht: "Wir implementieren klare Systeme zum Anstellen an den Essensständen" und mit der Möglichkeit von kontaktlosem Bezahlen wirbt, kann Reiter sich nicht vorstellen, dass irgendwer im Stadion überhaupt etwas wird ausgeben können. "Es wird kein Catering und nichts außenrum geben", glaubt er.

© SZ/infu/sonn
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