Das Corona-Päuschen ist vorüber, zumindest das erste in der Geschichte des Amateurfußballs - wer weiß, ob weitere folgen. An diesem Samstag jedenfalls wird in der Bayernliga Süd jene Saison fortgesetzt, die am 12. Juli 2019 begann (ja, auch damals war Trump schon US-Präsident, in Großbritannien dagegen regierte Theresa May), die nach dem 8. März 2020 unterbrochen wurde und im Mai 2021 womöglich vollendet wird - aktuell sogar mit Zuschauern. Die Fußballregeln zum Nachlesen für Vergessliche finden sich zum Beispiel auf Wikipedia; ein Überblick über die Bayernligisten der Region findet sich hier.
FC Pipinsried
Beide Trainer, eine Handvoll Schlüsselspieler, der Sportliche Leiter und die beiden Geschäftsführer: Der Aderlass des Bayernliga-Spitzenreiters FC Pipinsried liest sich, als würde da gerade ein Verein abgewickelt. Das ist nicht der Fall, die meisten Lücken sind wieder gefüllt, das verbliebene Personal hat allemal die Klasse, um die Spielzeit erfolgreich ins Ziel zu führen. Die größte Beruhigungspille sind 21 Punkte Vorsprung, was angesichts elf aussehender Spiele nur rechnerisch noch nicht ganz reicht. Zwar sind Spieler wie Muriz Salemovic, Amar Cekic oder Fabian Müller kaum zu ersetzen, aber in Marian Knecht oder Nikola Jelisic sind regionalligataugliche Kräfte gekommen. Der neue A-Lizenz-Trainer Andreas Thomas ordnet die Möglichkeiten seiner Mannschaft weiter als "sehr hoch" ein, was alleine am "sehr guten Stammkader" liege. Nun gelte es, den Job seriös zu Ende zu bringen.
Angesichts der "komfortablen Situation" könne man zudem bereits etwas nach vorne blicken. Denn einige Verträge jener Schlüsselspieler laufen kommende Saison, die der Verein wieder in der Regionalliga verbringen wird, aus. Die Vorbereitung lief gut, so Thomas, "wir sind froh, dass es endlich los geht". Am Samstag gastiert die SpVgg Hankofen-Hailing, 400 Zuschauer dürfen dabei sein und sich auf einen gut präparierten FCP freuen, der unter anderem sein Testspiel gegen Regionalligist Garching 1:0 gewann. Der Gegner allerdings hinterließ den Eindruck eines Teams, das gerade abgewickelt wird.
FC Deisenhofen
In mehrerlei Hinsicht ist der FC Deisenhofen eine Art Gegenentwurf zum FC Pipinsried. Er setzt konsequent auf Jugendarbeit, und auch die Personalpolitik während der Corona-Pause unterschied sich grundlegend: "Wir hatten keinen Weggang und keinen Zugang, haben praktisch den gleichen Kader wie im Frühjahr", meldet der Sportliche Leiter Franz Perneker, der angesichts des dritten Tabellenplatzes einen entspannten Eindruck macht: "Bei uns herrscht lockere Stimmung. Wir schauen, ob nach vorne noch etwas geht, und wenn es tatsächlich mit dem Relegationsplatz klappen sollte, werden wir uns auch mit den Regularien für die Regionalliga befassen." In der Vorbereitung haben sie schon Viertligaluft geschnuppert, mit unterschiedlichen Erfahrungen: Einem 3:0 gegen Heimstetten folgten Niederlagen gegen 1860 Rosenheim (3:4) und Buchbach (0:4). "Wir sind mit der Vorbereitung zufrieden, aber der Wert von Testspielen ist bekanntlich umstritten", sagt Perneker. Trainer Hannes Sigurdsson kann fast auf den ganzen Kader zurückgreifen, nur Florian Schmid (Leistenprobleme) und Evrad Ngeukeu (Knieprobleme) fallen am Samstag (14 Uhr) in Dachau aus.
TSV 1860 München II
"Kompliziert" nennt Frank Schmöller die Vorbereitung auf diese merkwürdige Restsaison, die auf ihn eher wirkt wie eine komplett neue, verkürzte Spielzeit. Gut 40 Prozent seines Kaders wurde ausgetauscht, weil A-Junioren nachrückten und routiniertere Kicker den Klub verließen. Weshalb seiner "Krabbelgruppe", wie der Trainer des TSV 1860 II sagt, "eine Operation am offenen Herzen" droht: Die Teenager müssten sich schnell an den Männerfußball gewöhnen, der Vorsprung des Siebten auf die Relegationsränge beträgt nur neun Punkte. Zum Auftakt am Sonntag (14 Uhr) gegen Ingolstadt II ist der Kader fast komplett, nur Sascha Hingerls Einsatz ist fraglich. "Das wird eine Wundertüte, keiner weiß, wie der Gegner spielt", so Schmöller, der auch gespannt ist, wie sich die Hygienevorgaben durchsetzen lassen: "Spieler, die von den Profis zu uns stoßen, dürfen sich nicht mit den anderen umziehen und nicht bei der Besprechung dabei sein. Eine außergewöhnliche Spielvorbereitung."
FC Ismaning
Die Vorbereitung zeigte mal wieder etwas, was Trainer Mijo Stijepic ohnehin seit Jahren klar war: dass die Elf des FC Ismaning "an einem guten Tag auch einen guten Regionalligisten schlagen kann". In diesem Fall war es der Regionalligist 1860 Rosenheim, der im Test 1:3 unterlag und damit gut bedient war. Stijepic weiß um die Qualität seiner vielen höherklassig erprobten Spieler, er weiß aber auch, dass sein Team manch schlechteren Tag hat. Wüsste er es nicht, er könnte es der Tabelle entnehmen. Dort steht der FCI im Mittelfeld. Stijepic hofft, nach turbulenten Jahren mal möglichst früh "in ruhige Gewässer" zu finden. Allzu viel Ruhe ist in der Restrunde indes generell nicht zu erwarten, der Auftakt in Nördlingen etwa wurde kurzfristig abgesagt. Ismanings Kader ist derselbe wie vor der Pandemie. "Ich bin da etwas romantisch, oder sagen wir: old school" erklärt Stijepic. Er pflege sich an Verabredungen zu halten, daher sei es für ihn nie zur Debatte gestanden, "die restlichen elf Spiele mit zehn neuen Leuten anzugehen. Es ist doch noch dieselbe Saison". Mancher Gegner habe das ganz anders gehandhabt. So kann der FCI weiter auf sein Torjägerduo Orhan Akkurt und Angelo Hauk bauen, auch wenn beiden diese Saison eine niedrigere Ausbeute brachte als vielleicht erwartet (4 bzw. 5 Tore). Dafür zeigte sich, dass im Kader weitere gute Schützen stecken.
TSV 1865 Dachau
Mittelfeldplatz? Fabian Lamotte will sich nicht täuschen lassen: "Wir sind ganz nah an der Abstiegsrelegation", warnt der Spielertrainer des TSV 1865 Dachau. Manch schlechter platzierter Konkurrent habe weniger Spiele ausgetragen. Oberstes Ziel sei, "direkt in der Liga zu bleiben". Heißt: Rang 14 oder besser. Die Weggänge der Angreifer Ryosuke Kikuchi (zum Regionalligisten Garching) und Christian Doll (Pullach) sowie Verteidiger Felix Breuer (TSV Buchbach) schmerzen. Lamotte hätte sie gerne gehalten, "aber wir wollten ihnen keine Steine in den Weg legen". Immerhin konnten in Florian Mayer und Orkun Tugbay von Ligakonkurrent Landsberg zwei Akteure mit Regionalligaerfahrung geholt werden, die "uns qualitativ weiterbringen". Nach einem holprigen Vorbereitungsbeginn mit zwei 1:2-Niederlagen gegen die Landesligisten Karlsfeld und Freising "haben wir uns gesteigert", so Lamotte, wie das 3:2 gegen Landesligist ASV Dachau im letzten Test gezeigt habe. Am Samstag gegen Deisenhofen bedürfe es aber einer weiteren Steigerung.
SV Pullach
Bisher war es nicht so doll, was der SV Pullach zuwege brachte, seit Abwehrroutinier Alexander Benede das Erbe des Erfolgstrainers Frank Schmöller antrat und auch Manager Theo Liedl den Verein verließ. Doch das (mit diesem Wortspiel wird ihr neuer Stürmer leben müssen) soll sich nun ändern: Der Verein hat Christian Doll verpflichtet. Der 33-jährige Torgarant hat seine ersten sechs Saisontreffer für den TSV 1865 Dachau erzielt, für den er in den Vorjahren stets zweistellig traf. Nun soll er Benede assistieren. Mit der spielenden Trainerachse will sich das einstige Spitzenteam der Liga von den Abstiegsrängen entfernen, sich "über den Strich retten in dieser vermaledeiten Saison", wie Spartenleiter Peter Koppermann sagt. Zugang Doll sei eine "tolle Lösung", am Torabschluss habe es bisher gehapert. Die Spieler seien alle unruhig nach der Pause, weiß Koppermann. Zuletzt gab es einen Corona-Fall im Team. Trotz aller Widrigkeiten: "Wir sind froh, dass es überhaupt weitergeht."