Fußball-BayernligaDie Jeremies-Doktrin

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Der FC Unterföhring glänzt auch bei seinem Heimspiel gegen die SpVgg Hankofen-Hailing nicht, reiht aber trotzdem verlässlich Sieg an Sieg.

Von Max Ferstl, Unterföhring

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Vorbereiter: Alexander Hollering gab den Pass zum 1:0-Siegtor des FCU.
Vorbereiter: Alexander Hollering gab den Pass zum 1:0-Siegtor des FCU.
Claus Schunk

An dieser Stelle lohnt es sich, an den ehemaligen Fußballspieler und -philosophen Jens Jeremies zu erinnern. Beim FC Bayern nannten sie Jeremies intern "Kartoffel", was nahelag, schließlich hatte Jeremies Zeit seines Fußballerlebens einen Spielstil praktiziert, der dem Ackern beinahe gleichkam. Doch Jeremies wusste natürlich, dass es im Fußball nicht darauf ankommt, wie etwas aussieht, sondern was am Ende dabei herauskommt: "Gewinnen, abhaken und wieder gewinnen. Nur das zählt."

In diesen Tagen scheint sich der Bayernligist FC Unterföhring jenes Credo ins Gedächtnis gerufen zu haben. Zumindest halten sich die Unterföhringer strikt dran: Sie gewinnen ein Spiel nach dem anderen, haken es ab und gewinnen wieder. Das 1:0 am Freitagabend gegen den TSV Bogen war schon der fünfte Sieg in Serie. Schön spielte der FCU dabei nicht immer, es waren schon einige zähe Partien dabei. Wie auch jene gegen die abstiegsbedrohten Niederbayern. Ein "schmutziger Sieg" sei das gewesen, fand Unterföhrings Trainer Andreas Pummer. Allzu verärgert klang er dabei nicht, Pummer weiß: "Danach fragt morgen niemand mehr." Schon am Samstag würde sich also keiner mehr für die vielen Ballverluste, Stockfehler, Fehlpässe interessieren, die seine Mannschaft produziert hatte. Weil sie eben doch einen Weg fand. Nur das zählt.

Es gehört derzeit zum Unterföhringer Selbstverständnis, eine solche Partie wie die gegen Bogen mit einer entscheidenden Aktion in die eigene Richtung zu lenken. In der 61. Minute fing Arthur Kubica im Spielaufbau des TSV einen Ball ab, passte schnell hinaus zu Alexander Hollering auf den rechten Flügel. Hollering flankte in die Mitte und Kubica beförderte den Ball per Grätsche über die Linie. "Ein Tor des Willens", sagte Pummer.

Mehr brachte der Tabellenzweite nicht zustande. Doch es genügte, um zu erklären, weshalb Unterföhring in der Tabelle oben, Bogen hingegen unten steht: "Unterföhring hat gezeigt, dass sie eine richtig gute Mannschaft haben, die ihre Chance clever verwertet", fand Bogens Trainer Markus Rainer. Die Gäste hatten auch eine große Chance gehabt, diese aber vergeben. In der Nachspielzeit, nach einem Freistoß, musste Unterföhrings Torhüter Daniel Sturm in höchster Not parieren. Pummer gab zu: "Wir hatten auch eine Menge Glück." Gewinnen, abhaken.

Der FCU hat als Zweiter nun 50 Punkte auf dem Konto. 62 sollten es in der Endabrechnung mindestens werden, so hat es Vorstand Franz Faber berechnet. Dann hätte man gute Karten, um in die Regionalliga aufzusteigen. Faber ist sich sicher: "Das schaffen wir." Auch, weil sich die Mannschaft in der Rückrunde eine bemerkenswerte Konstanz erarbeitet hat. Seit acht Ligaspielen hat Unterföhring nicht verloren. "Wir spielen ein wenig wie eine Seniorenmannschaft", findet Faber, will das aber positiv verstanden wissen. Man verfüge eben über viele erfahrene Spieler, die "reifen, kontrollierten Fußball" spielten.

Derzeit spult der FCU routiniert sein Programm ab. Nächste Woche kommt mit dem TSV Kottern der nächste Abstiegskandidat. In Unterföhring messen sie diesem Heimspiel-Double gegen die Kellerkinder Bogen und Kottern große Bedeutung zu. Mit zwei Siegen könnte man den Druck auf die Verfolger mächtig erhöhen und sich der selbst gesetzten Punktemarke annähern. Nur das zählt.

Zwar ist der erste Teil dieses Unterfangens geglückt, doch Außenseiter Bogen zeigte auch, wie man die routinierten Abläufe der Föhringer stören kann: Indem man sich kämpfend und grätschend zur Wehr setzt. Pummer wünscht sich deshalb mehr Kampfgeist von seinem Team, also mehr Jeremies-Tugenden. "Dann können wir vielleicht beginnen, wieder schön Fußball zu spielen."

© SZ vom 20.03.2017 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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