Fußball-Bayernliga:Bereit für die Krönung

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So schön war's beim letzten Mal: Fußballer und Freunde des FC Deisenhofen bejubeln 2019 den Aufstieg in die Bayernliga. (Foto: Claus Schunk)

Der FC Deisenhofen sammelt Geld und hübscht seinen Fußballplatz mit mobilen Tribünen auf. Und doch ist es alles andere als sicher, dass der kleine Klub von diesem Sommer an in der Regionalliga spielen darf.

Von Stefan Galler, Oberhaching

Heimelig geht es zu am Vereinsgelände des FC Deisenhofen. Jeder kennt jeden, die Atmosphäre im Klub ist freundschaftlich, die Bindung zur Gemeinde Oberhaching tief und herzlich. Und doch strebt dieser kleine Fußballverein mit seinen etwa 700 Mitgliedern, von denen 500 aktiv kicken, nach oben, in die höchste bayerische Spielklasse, die Regionalliga. Für den Tabellenzweiten der Bayernliga Süd scheint Spitzenreiter Pipinsried zwar außer Reichweite zu sein. Sollte die Saison aber doch noch einmal fortgesetzt werden, wollen die Deisenhofner alles daran setzen, ihren Vier-Punkte-Vorsprung auf den Rest des Feldes zu verteidigen - und dann über die Relegation den Traum vom Aufstieg zu realisieren.

Die Verantwortlichen sind mit Feuereifer dabei, die Hausaufgaben dafür zu erfüllen. Und da gilt es zunächst, die Spielstätte so aufzuhübschen und auszubauen, dass sie den Ansprüchen genügt, die der Bayerische Fußball-Verband (BFV) an die Mitstreiter in seiner Eliteliga stellt. Da der Verein nicht über ausreichende Mittel verfügt, um die Auflagen zu erfüllen, startete man im Dezember 2020 eine Crowdfunding-Aktion speziell für die Anschaffung von mobilen Tribünen und begann, Spenden und Zuwendungen einzusammeln. "Es lief besser als erwartet", berichtet Stefan Hofberger, ehemaliger Torwart des FCD und nun im Vorstand für den Bereich Marketing zuständig. Das Ziel, 30 000 Euro einzusammeln, war schon deutlich vor dem Ablauf der knapp dreimonatigen Frist erreicht, die sich der Verein gegeben hatte. "Es war der Plan, mit dieser Finanzierung nicht jene Leute zu belasten, die uns sowieso immer unterstützen. Wir wollten Zuspruch aus der Bevölkerung - und genau das ist aufgegangen", so Hofberger.

Insgesamt 142 Spender geben Geld - auf den neuen Tribünen sollen 150 Sitzplätze zur Verfügung stehen

Sogar Leute von außerhalb der Gemeinde hätten Geld überwiesen, so seien Spenden aus Unterhaching, Taufkirchen, aber auch aus dem Münchner Norden eingegangen. Insgesamt 142 Personen, Familien und Firmen haben sich beteiligt, eine ortsansässige Genossenschaftsbank übernahm die Organisation des Crowdfundings und steuerte selbst noch 1340 Euro bei. Mittlerweile sind die drei Tribünen bestellt, sie werden an der Stirnseite des Hauptplatzes aufgebaut und bieten insgesamt 150 Personen einen Sitzplatz. "Theoretisch wären sie sogar verschiebbar", sagt Hofberger.

Der Sportliche Leiter Franz Perneker kann sich etwa vorstellen, dass die Tribünen während der kalten Jahreszeit an den neuen, zweiten Kunstrasen gerückt werden, dessen Errichtung nach einer komplizierten Entscheidungsfindung zuletzt vom Gemeinderat final beschlossen wurde. Brauchen könne man diese Apparaturen auf alle Fälle, ganz unabhängig von der Ligazugehörigkeit, so Perneker.

Erfolgstrainer: Der frühere isländische Nationalspieler Hannes Sigurdsson. (Foto: Claus Schunk)

Und doch ist die Aktion natürlich vor allem geplant, weil man sich beim FC Deisenhofen bereit machen will für eine neue Ära in der Regionalliga. Dabei ist alles andere als klar, ob es dazu überhaupt kommen wird vor dem Hintergrund der keineswegs abflauenden Pandemie. Mitte der Woche hatte der Verband einen vagen Zeitplan aufgestellt, demnach sei ein "nahezu uneingeschränkter Trainingsbetrieb ab spätestens 3. Mai 2021" notwendig, um noch "möglichst viele oder alle der ausstehenden Spiele der Punktrunden zu Ende zu bringen", schreibt der BFV. Sollte das nicht gehen, müsse mit den Vereinen über einen Abbruch gesprochen werden. In einem solchen Fall würde die Relegation ausfallen, nur die Meister steigen dann auf.

Klingt nach einem klaren Zeitplan und einer einheitlichen Lösung. Noch am vergangenen Freitag hatte Spielleiter Josef Janker in einer Videokonferenz der Bayern und Landesligisten die Option in die Diskussion gebracht, eine Liga könne dann abgebrochen werden, wenn alle Vereine dieser Spielklasse einig wären und schriftlich bestätigen, dass sie keine Rechtsansprüche gegen den BFV geltend machen. "Damit würde man letztendlich die Klubs gegeneinander aufbringen, mit der Solidarität ist es spätestens dann vorbei, wenn das Transferfenster wieder öffnet", sagte Perneker.

Für seinen Verein wäre das nun vom Verband in Aussicht gestellte Szenario fatal: "Sollten tatsächlich nur die aktuell Erstplatzierten aufsteigen und die Zweiten nicht, wäre das für uns eine Katastrophe, aber wir werden es hinnehmen müssen", erklärt Perneker. Dass der Verband auch die Vizemeister der Bayernligen kampflos nach oben hieven könnte, glaubt er nicht: Eine Aufstockung der Regionalliga auf 19 oder gar 20 Vereine würde bedeuten, dass die Saison sehr lange wäre und womöglich ebenfalls nicht ohne Unterbrechung durchlaufen könnte: "Selbst wenn das Impfen vorankommt, heißt das ja nicht, dass nicht immer wieder mal Ausbrüche vorkommen."

Kreative Lösungen sollen her, etwa die Liga in zwei Neuner- oder Zehnergruppen teilen

Perneker plädiert für kreative Lösungen, etwa die Ligen in zwei Neuner- oder Zehnergruppen zu unterteilen und dann in Playoffs über Meister und Absteiger zu entscheiden. "Wir müssen vielleicht in den nächsten ein bis zwei Jahren von den herkömmlichen Dingen weg, um den Amateurfußball am Laufen zu halten."

Die Entwicklung des eigenen Vereins ist trotz der nun schon wieder fünfmonatigen Spielpause auch neben der Crowdfunding-Aktion überhaupt nicht zum Erliegen gekommen. Die Personalplanungen für das nächste Spieljahr seien nahezu abgeschlossen, auch das Trainerteam um den isländischen Chefcoach Hannes Sigurdsson hat für die kommende Saison zugesagt. Und zwar ligaunabhängig, dennoch hat der frühere Nationalspieler eine klare Priorität: "Wäre schon toll, wenn die in die Regionalliga kommen, Bayernliga ist natürlich nicht ganz so reizvoll", sagt Sigurdsson, dessen Ambitionen groß sind, auch die persönlichen. Das ist den Klubverantwortlichen klar, wie Perneker bestätigt: "Eines Tages wird Hannes wohl zu einem Profiverein wechseln, dann müssen wir eben in den sauren Apfel beißen. Aber es liegt auch an uns, ihn möglichst lange zu halten."

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