Im langen Zugaben-Block ihres Konzerts in der Isarphilharmonie spielte Candy Dulfer eine Hommage an James Brown und seine JB Horns, ein Medley seiner größten Hits. Zuvor hatte sie schon ein Tower of Power-Medley dazwischengeschoben. Bis vor ein paar Monaten war Dulfer sogar mit einem kompletten Hommage-Programm unterwegs: Mit „The Purple Jam“ hatte sie sich vor ihrem Mentor Prince verbeugt, neben Dave Steward der Star, der sie vor 35 Jahren ins Rampenlicht der Musikwelt katapultiert hatte.
Damit sind auch die Eckpfeiler von Dulfers musikalischem Programm benannt, das sich im Wesentlichen nicht verändert hat, seit sie mit 14 ihre erste Band Funky Stuff gründete: Funk-Pop mit leichtem Jazz-Einschlag. Neben Maceo Parker und Sonny Rollins muss man als instrumental größten Einfluss noch David Sanborn dazunehmen, von dem Dulfers Altsaxofon-Spiel technisch-stilistisch am meisten abgeschaut hat.
Genau diese Mischung machte ihr in der Isarphilharmonie präsentiertes Programm „Funkalicious“ aus. Neben den Medleys, Dave Stewards „Lily was here“ (Dulfers Durchbruch anno 1989) und „Musicology“ aus der Feder von Prince bestand es aus eigenen Hits der Neunziger- und Zweitausenderjahre von „Sax-A-Gogo“ bis „Yeah Yeah Yeah“ („der positivste Song, den ich je geschrieben habe“). Plus „Pick Up The Pieces“ als Schlussnummer, dem Ur-Funk-Stück der Average White Band.

Modern oder gar futuristisch kann man das sicher nicht nennen, in der Isarphilharmonie war eher ein musikalisches „Weißt du noch“ angesagt. Ein Hauch von „Miami Vice“, Rüschenhemden (passend zu Dulfers Glitzer-Blazer) und Muscle Cars schwebte durch den Saal. Mit nur zehn Stücken kam Dulfer aus, entsprechend lange waren manche die meisten ausgespielt. Im Tik-Tok-Zeitalter ein atemberaubender Anachronismus.
Ein wohltuender freilich. Zumal Dulfer kein bisschen Druck vom Kessel genommen hat seit damals. Alles kommt mit viel Power, großer Spielfreude und überzeugend authentischem Gestus daher. Dafür sorgt auch Dulfers achtköpfige Band, in der ihr Gitarrist seit frühesten Zeiten Ulco Bed und Sänger Ivan Perroti, der wirklich wie Prince klingen kann, herausragen. Gerne wird ja übersehen, dass auch Dulfer selbst keine schlechte Sängerin und Oldschool-Rapperin ist.
War das im Schnitt auch schon in die Jahre gekommene Publikum anfangs noch ein bisschen steif, so erhob es sich nach den ersten Aufforderungen doch zur großen Party, bei der sich alles in Bewegung auflöste.

