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Fürstenried:Verdruss auf ganzer Linie

Lange Linie, viel Verdruss: Auf dem Südabschnitt der U3 nach Fürstenried-West lässt die Pünktlichkeit zu wünschen übrig.

(Foto: Stephan Rumpf)

Lokalpolitiker stellen kritische Fragen wegen Verspätungen auf der U-Bahn-Linie 3

Verspätungen sind kein exklusives Problem der Deutschen Bahn, sie drohen sich vielmehr auch bei der Münchner U-Bahn dauerhaft einzuschleichen. Wer dazu kritische Fragen stellt, erhält von der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) und dem Referat für Arbeit und Wirtschaft knappe Antworten. "Dass es Verbesserungsbedarf gibt, ist uns bewusst", lauten die etwa, oder: "Der Pünktlichkeitswert ist 2018 mit 90,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr gleichgeblieben." Der Bezirksausschuss (BA) Thalkirchen-Obersendling-Forstenried-Fürstenried-Solln will sich mit derlei lapidaren Auskünften nicht länger abspeisen lassen, schon gar nicht die Fraktionen der Grünen und der FDP.

Diese beantragten, in Stellungnahmen und mit "Rückfragen" an MVG und Referat tiefer zu bohren in Sachen "Zuverlässigkeit der U-Bahn-Linie 3". Dass die Sache zunächst in den Verkehrsausschuss zurücküberwiesen wurde, liegt nur daran, dass sich das Gremium auf den Wortlaut des Papiers noch nicht einigen konnte.

Die U 3 mit ihrer Endstation in Fürstenried-West ist das wichtigste öffentliche Verkehrsmittel im Stadtbezirk. Insofern sei es nicht hinnehmbar, dass man sich an die ständigen Verspätungen gewöhne, finden die Grünen. In ihrem Fragenkatalog an die MVG heißt es deshalb unter anderem: "Ist es akzeptabel, dass nahezu jeder zehnte Zug mit Verspätung zu kämpfen hat?" Immerhin sei das mit der Pünktlichkeit schon mal besser gewesen, etwa 2014, als die Quote bei 94,4 Prozent gelegen habe.

Den Hinweis des Referats für Arbeit und Wirtschaft, das Münchner U-Bahn-System sei "eines der kompliziertesten Netze weltweit" und die "enge Verzahnung von U 3 und U 6" könne sich in Ausnahmesituationen negativ auswirken, veranlasst die Grünen zur Frage, was das konkret für negative Einflüsse sein sollen, die 2018 auf der U 3 zu Verspätungen geführt haben. Überdies will die Fraktion um Henriette Holtz und Alexander Aichwalder wissen, welche Maßnahmen die MVG wann zu ergreifen gedenke, "um die aus Sicht des Bezirksausschusses nicht tragbaren Verschlechterungen bei der Pünktlichkeit" zu korrigieren.

Die FDP hält mit ihrem Frust über die Entwicklung bei der U-Bahn ihrerseits ebenfalls nicht hinterm Berg. Sie sieht "im Sinne der Fahrgäste Verbesserungspotenzial", wie es in ihrem Beschlussvorschlag heißt. Vom Wirtschaftsreferat wollen die Liberalen erfahren, ob man die U3 und die U 6 dort für "sensible Linien" hält und was das für Maßnahmen zur Verbesserung der Pünktlichkeit bedeute. Und vor allem, wann diese mit welchem Zielwert der Pünktlichkeit greifen sollen.

Dass all diese Fragen einstweilen nicht in Antragsform gegossen wurden, lag auch an der SPD. Deren Sprecherin Dorle Baumann warb um Verständnis für die Probleme der MVG. Großbaustellen, unvorhersehbare Betriebsstörungen sowie die zögerliche Freigabe neuer Waggons durch die Regierung von Oberbayern erschwerten erheblich einen pannenfreien U-Bahn-Verkehr. Daran gemessen seien die Probleme der U 3 fast noch überschaubar. Jedenfalls rechtfertigten sie keine Resolutionen mit provokantem, vorwurfsvollem Unterton. Nachsicht gegenüber der Stadtverwaltung wollten Grüne und FDP zwar nicht walten lassen, am Ende fand sich dennoch eine Mehrheit für die Vertagung.