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Fürstenried:Freie Fahrt für die Tram

Lokalpolitiker wollen Westtangente keinesfalls verzögern

Von Jürgen Wolfram, Fürstenried

"Der Bezirksausschuss begrüßt die Westtangente." Diesen schlichten Satz zu betonen und in Beschlussform zu gießen, ist der Mehrheit der Stadtteilvertretung für Thalkirchen-Obersendling-Forstenried-Fürstenried-Solln wichtig gewesen. Nach jahrelanger Diskussion über das Verkehrsprojekt wollten sich die meisten Lokalpolitiker weiterer Anträge und Kommentare im Rahmen der Planfeststellung lieber enthalten, um keine Verzögerungen zu riskieren. Nicht so die CSU-Fraktion. Sie fühlt sich durch das unlängst eröffnete Verfahren vielmehr animiert, erneut auf mögliche negative Auswirkungen der Tramstrecken-Planung für die Verkehrsströme im Münchner Südwesten hinzuweisen. Mit 18 zu 15 Stimmen verhinderte der Bezirksausschuss (BA) jedoch eine Aufnahme der CSU-"Bedenken" ins offizielle Meinungsbild des Bezirksausschusses.

Die CSU hatte anfangs generelle, später, nach der Einigung im Stadtrat auf die 8,25-Kilometer-Tramstrecke zwischen Romanplatz und Aidenbachstraße, nur noch detaillierte Kritik an der Planung. Aus der Sicht ihres BA-Verkehrsexperten Reinhold Wirthl sind die Alternativvorschläge der CSU zur Tram-Westtangente "stets gut angekommen". Von den aktuellen Zweifeln der Partei an der Tram-West-Planung lässt sich das nicht sagen. Diese beziehen sich auf die zwei durchgehenden Fahrspuren von der Boschetsrieder Straße unter der Garmischer Autobahn (A 95) hindurch zur Fürstenrieder Straße. Eine der Fahrspuren soll der neuen Tram geopfert werden, was laut CSU befürchten lässt, dass viele der dort täglich verkehrenden 41 000 Fahrzeuge auf andere Kreuzungsmöglichkeiten ausweichen. Der Luise-Kiesselbach-Platz und der Neurieder Kreisel wären die nächstgelegenen Varianten.

Eine Verlagerung von Verkehrsströmen auf die Achse Liesl-Karlstadt-Straße - Neurieder Kreisel - Neurieder Straße würde dem Ziel, den Dorfkern von Forstenried vom Verkehr zu entlasten, zuwider laufen, betonte Wirthl: "So holen wir den Verkehr nicht heraus aus Forstenried." Über eine Verringerung der Fahrspuren solle man also noch einmal gründlich nachdenken. CSU-Fraktionssprecher Dominik Kunkel mahnte seine Kollegen in diesem Zusammenhang, die Augen nicht vor einer einfachen Wahrheit zu verschließen: "Einschränkungen des Autoverkehrs führen stets zu mehr Staus und Abgasbelastung."

Auf einige BA-Mitglieder wirkten Wirthls und Kunkels Einlassungen eher wie ein Affront denn wie ein Verbesserungsvorschlag. Michael Kollatz (SPD) warf der CSU vor, "immer wieder Argumente hoch zu kochen", um die Planung der Trambahn-Westtangente zu behindern. Dabei sei man den Christsozialen mehrfach schon entgegengekommen, beispielsweise bei der "Abbiegesituation" im Bereich Boschetsrieder/Höglwörther Straße. Ohnehin seien die Auswirkungen der Planung im Stadtbezirk 19 "am unproblematischsten", sagte Kollatz. Auch die Fraktionssprecherin der Grünen, Henriette Holtz, warnte davor, ein weiteres "Hindernis" für die Tram West zu kreieren. Es müsse jetzt darum gehen, die Planung rasch umzusetzen.

Mit "Anmerkungen" grundsätzlicher Art warteten in der durchaus gereizten Debatte Umweltreferentin Inga Meincke (Grüne) und Hannelore Prechtel (SPD) auf. Die eine appellierte an die Verkehrsplaner, künftig Radler und Fußgänger besser im Blick zu behalten, nicht nur Autofahrer. Die andere forderte, sich von Kreuzungen, "die ausschauen wie Meere aus Asphalt", zu verabschieden. Und Sabine Gründlinger (CSU) mahnte alle Fraktionen aus gegebenem Anlass, bei Großprojekten wie der Tram-Westtangente die Positionen der jeweils anderen Seite besser zu respektieren.

© SZ vom 06.07.2020

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