Fürstenried "Ein sehr ungutes Gefühl"

Die Bayerische Versorgungskammer will ein Haus an der Forst-Kasten-Allee abreißen, um Platz für einen 15 Stock hohen Wohnturm zu schaffen. Die Bewohner befürchten, dass bei der Nachverdichtung der Siedlung Fürstenried-West das Grün und die Lebensqualität schwinden

Von Thomas Kronewiter, Fürstenried

Neubauten, Aufstockungen, Baumfällungen, Neupflanzungen: Das Nachverdichtungsprojekt der Bayerischen Versorgungskammer (BVK) in ihrer Siedlung in Fürstenried-West ist seit Monaten Ursache für reichlich Verdruss bei den Betroffenen, wie auch jüngst beim SZ-Lesercafé deutlich wurde. Nun dürfte eine Planänderung bei einem Teil der Anwohner auch noch schlaflose Nächte zur Folge haben. Denn wie jetzt bekannt wurde, soll im Zuge der Schaffung von bis zu 600 zusätzlichen Wohnungen ein Bestandsgebäude abgerissen werden. Anstelle des Komplexes Forst-Kasten-Allee 125 plant die BVK ein 15-geschossiges Hochhaus.

Die Änderung, die den Betroffenen wenige Tage vor der öffentlichen Auslegung des Nachverdichtungskonzepts in einem Schreiben angekündigt wurde, soll nicht zu Mietervertreibung führen. Vielmehr bietet die Versorgungskammer allen Betroffenen vor dem Abriss, der nach Angaben des Eigentümers in frühestens fünf Jahren ansteht, den Umzug in eine gleichwertige Ersatzwohnung innerhalb der Siedlung an, ohne dass sich an der Miethöhe etwas ändert. Während der Neubau dann entsteht, sollen die Mieter entscheiden, ob sie dauerhaft in ihrer Ersatzwohnung bleiben oder nach Fertigstellung des Wohnturms an der Forst-Kasten-Allee in diesen zurückziehen. Das entsprechende Schreiben bietet den Betroffenen an, "gemeinsam mit Ihnen Lösungsmöglichkeiten zu finden".

Das Gebäude an der Forst-Kasten-Allee soll durch ein Hochhaus ersetzt werden.

(Foto: Catherina Hess)

"Das nun geplante Gebäude ersetzt ein anderes ursprünglich im Architektenwettbewerb vorgesehenes Gebäude im Osten der Bellinzonastraße, das vom Preisgericht als schlecht platziert bewertet wurde", erläutert die Versorgungskammer die Änderung. Das Preisgericht habe deshalb darum gebeten, einen alternativen Standort zu finden. "Die Lage des Bestandsgebäudes Forst-Kasten-Allee 125 ist aus städtebaulicher Sicht ein konsequenter und idealer Standort für die Unterbringung der zu verschiebenden Baumasse", so Antje Tetenborg, Referentin für Unternehmenskommunikation bei der BVK. Weitere Änderungen seien nach aktuellem Planungsstand nicht vorgesehen, heißt es auf SZ-Anfrage.

Die Versorgungskammer wirbt für ihr Wohnbau-Vorhaben, das die Lin Labor Integrativ Gesellschaft von Architekten mbH nach dem Sieg im Ideenwettbewerb konzipiert, mit der Konzentration von Hochhäusern entlang der Forst-Kasten-Allee. Dafür sollen die "vorhandenen großzügigen Freiräume" von einer Bebauung weitgehend frei gehalten werden.

Gerade dazu aber bleibt bei vielen Anwohnern "ein sehr ungutes Gefühl". Gisela Krupski-Brennstuhl etwa fragt sich auf der eigens eingerichteten Homepage der Bürgerinitiative Pro-Fürstenried, "was für Umplanungen noch auf uns zukommen, beispielsweise, wenn Aufstockungen doch nicht durchgeführt werden können?" Äußerst unklar sei ja auch, was von der sogenannten Aufwertung der Grünanlagen bleibe, wenn alle Interessen berücksichtigt würden. "Immer ist von vielen Fußwegen und der Durchwegung durch den westlichen Grüngürtel nach Neuried die Rede; die neuesten Planungen wollen jetzt noch Abenteuer- und Waldspielplätze in diesen westlichen Wall hineinbauen." Außerdem solle der Baumbestand nur "überwiegend" erhalten bleiben.

Der Plan bezeichnet das zu schaffende Hochhaus als "Hochpunkt neu".

(Foto: Labor Integrativ Gesellschaft von Architekten mbH)

Nach dem Planungskonzept sollen 15 bestehende Gebäude um ein bis zwei Geschosse aufgestockt, zwei Gebäude durch Anbauten erweitert und zehn Wohnhäuser neu errichtet werden. Die circa 63 000 Quadratmeter zusätzlicher Wohnfläche ergeben an die 600 neue Appartements - wobei die meisten Wohnungen in vier 14- bis 16-geschossigen Hochhäusern an der Forst-Kasten-Allee konzentriert werden. An der Appenzeller Straße ist ein zentraler Quartiersplatz vorgesehen - von dem die Alteingesessenen ebenso wie die neuen Bewohner profitieren.

Die Erörterung des Bauvorhabens am Dienstag, 11. Juli, von 19 Uhr an im Bürgersaal Fürstenried-Ost an der Züricher Straße 35 verspricht viel Zündstoff. Zumindest mobilisiert die Bürgerinitiative "Pro-Fürstenried", die auch einen eigenen Infostand vor der Veranstaltung ankündigt, jetzt schon kräftig.