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Fürstenried:Ärger ist programmiert

Die Lokalpolitiker im Münchner Süden stellen sich auf Proteste gegen 5G-Sendemasten ein

Von Jürgen Wolfram, Fürstenried

Wegen des Ausbaus der 5G-Mobilfunktechnik machen sich die Lokalpolitiker aus den südlichen Münchner Stadtvierteln auf Ungemach gefasst. Unvergessen sind die Auseinandersetzungen vor 30 Jahren, als es losging mit der Aufstellung von Sendemasten. Zusätzliche Anlagen dieser Art werden nun in großer Zahl gebraucht, um die neue Technik zu stabilisieren. Erste Widerstände dagegen, ob aus gesundheitlichen oder optischen Gründen, sind bereits zu verspüren. Der Bezirksausschuss (BA) Thalkirchen-Obersendling-Forstenried-Fürstenried-Solln will sich deshalb sputen, "zu diesem Reizthema eine Linie zu finden". Zunächst soll der BA-Unterausschuss Umwelt die Diskussion vertiefen und Meinungen aus den Fraktionen einholen.

Die SPD im Bezirksausschuss 19 hat bereits einen Antrag in dieser Sache eingebracht. Darin wird die Stadtverwaltung gebeten, "die Bürgerinnen und Bürger über die neue 5G-Technik ausführlich und allgemeinverständlich zu informieren". Besonders gesundheitliche Aspekte sollten dabei berücksichtigt werden und anerkannte Wissenschaftler zu Wort kommen.

Dargestellt werden müsse ferner die Funktionsweise der verwendeten Techniken, fordern die Sozialdemokraten. Falls öffentliche Veranstaltungen wegen Corona weiterhin nicht möglich sein sollten, böten sich "Flyer, Videos oder Ähnliches" als Alternativen an. "Mit dem Thema muss man offen umgehen und nicht heimlich Sendemasten errichten", sagte SPD-Fraktionssprecherin Dorle Baumann in der jüngsten BA-Sitzung.

Baumann vermutet, dass den Kommunalpolitikern "noch Hören und Sehen vergehen" werde, wenn man an die Vielzahl benötigter Standorte für 5G-Sendemasten denke. Auch Hannelore Prechtel (SPD) glaubt, "dass bald ständig was auf uns zukommt, wenn die Suche danach richtig beginnt". Insofern habe die Stadt eine "Bringschuld", was die Information der Bevölkerung angeht. Nicht zuletzt über "Gefahren" sei gründlich aufzuklären.

Einen Vorgeschmack auf künftige Konflikte um die zusätzlichen Sendemasten haben die Stadtteilvertreter bereits erhalten. Anwohner des Silvrettawegs in Fürstenried kämpfen seit Monaten energisch gegen die Errichtung einer Sendeanlage vor ihrer Haustür. Wobei das Referat für Stadtplanung und Bauordnung das Vorhaben der Deutschen Funkturm GmbH bereits genehmigt hat. Die Projektgegner aber finden: "Es gibt zahlreiche andere Plätze für den Bau eines Mastes." Sie hatten einen Standort an der Garmischer Autobahn beim Schloss Fürstenried ins Gespräch gebracht. Die Stadt lehnte den Vorschlag jedoch aus Gründen des Denkmalschutzes ab - zu befürchten sei eine Beeinträchtigung der historischen Sichtachse zwischen dem Schloss und der Münchner Frauenkirche.

Ohnehin vertritt die Stadtverwaltung eine positive Haltung zur Modernisierung der Mobilfunktechnik. Denn ein gutes Handy-Netz sei ein wertvoller Standortfaktor, erklärte unlängst Cornelius Mager, Chef der Lokalbaukommission. Im Vergleich mit anderen Regionen habe München da eher Nachholbedarf.

© SZ vom 15.09.2020

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