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Zweckverband angestrebt:Vier für den Fliegerhorst

Fürstenfeldbruck, Maisach, Emmering und Olching einigen sich auf eine gemeinsame Planungsarbeit

Von Heike A. Batzer, Fürstenfeldbruck

Wie geht es auf dem Brucker Fliegerhorst weiter? Ein städteplanerisches Moratorium, das die vier Anliegerkommunen vereinbart hatten, lief bereits vorigen Sommer aus. Allerdings sind sich die Städte Fürstenfeldbruck und Olching und die Gemeinden Maisach und Emmering einig, dass der Planungsaufschub in Teilen noch andauern soll, bis "eine gemeinsame Struktur erarbeitet ist", wie Emmerings Bürgermeister Michael Schanderl (FW) am Montag in aller Kürze im Kreisausschuss erläuterte. Die vier Kommunen haben vor, sich zu einem Zweckverband zusammenzuschließen, der dann auch die Planungshoheit über das Areal übernehmen würde. Die Gründung des Zweckverbands soll Schanderl zufolge noch in diesem Jahr erfolgen.

Das Moratorium gilt für 600 Hektar Fläche und umfasst die bisher militärisch genutzten Flächen auf Brucker und Maisacher Flur sowie angrenzende Flächen, die zu Emmering und Olching zählen. Die beiden Nachbarkommunen sind vor allem durch die Verkehrserschließung des Gebiets als auch dessen künftige Nutzungsform betroffen. Der Bundeswehrstandort auf dem Fliegerhorst wird vermutlich bis zum Jahr 2023 aufgegeben werden. Weil die große zusammenhängende Fläche die große Chance bietet, im dicht besiedelten Landkreis Fürstenfeldbruck Bauflächen zu entwickeln, ist auch der Landkreis in die Planungen involviert. Landrat Thomas Karmasin (CSU) hat die Rolle des Moderators übernommen. Er lässt keine Gelegenheit aus, die Wichtigkeit dieses Gebietes für die Zukunft des Landkreises zu betonen.

Den ersten Konflikt konnten die Anrainer bereits zu einem Kompromiss führen: Der Erweiterungswunsch der auf Maisacher Flur angesiedelten BMW Driving Academy passte nämlich wegen der immanenten Lärmbelastung nicht zu den auf Fürstenfeldbrucker Seite geplanten gemischten Bauflächen. Ausgerechnet jene Einrichtung, die seinerzeit willkommen war, um einen regulären Flugplatz für Kleinflieger in Fursty zu verhindern, erweist sich nun städtebaulich als problematisch. Seit 2012 ist das Fahrsicherheitszentrum von BMW dort auf 130 Hektar untergebracht. Nun einigte man sich auf maximale Lärmimmissionswerte für dessen Erweiterung. Damit kann ein sogenanntes "urbanes Gebiet" geschaffen werden aus Wohnen, Gewerbe sowie sozialen, kulturellen und anderen Einrichtungen, die die Wohnnutzung nicht wesentlich stören.

Obwohl die Mitglieder des Kreisausschusses die Diskussion in die große Sitzung des Kreistags am Donnerstag verlegen wollten, hub Grünen-Kreisrat Martin Runge schon einmal zu mehreren Kritikpunkten an. Zwar sei eine abgestimmte Planung "im Interesse von Beteiligten und Bürgern", sagte Runge, doch eine qualitativ hochwertige städtebauliche Entwicklung sei allein schon durch die Driving Academy in Frage gestellt. Auch hält er einen Zweckverband der vier Kommunen für nicht zielführend, sondern für eine "Demokratieverkürzung". Die Kommunen würden sich dadurch "entleiben, weil sie teilweise Hoheiten abgeben werden", prophezeite Runge. Er hält eine Arbeitsgemeinschaft der Kommunen für die bessere Lösung. Die Stadt Fürstenfeldbruck würde mit ihren sechs Sitzen in der Verbandsversammlung - die übrigen Kommunen haben jeweils drei - überdies eine "Sperrminorität" besitzen und könne manches verhindern, beispielsweise auch, wenn eine Kommune wieder austreten wolle.

Runge sieht auch Probleme bei der geplanten Finanzierung des Zweckverbandes: Fürstenfeldbruck würde 40 Prozent übernehmen, die übrigen Kommunen jeweils 20 Prozent. Aber fast alles finde auf Brucker Gebiet statt, "und ist dann von Olching und Emmering mitzufinanzieren". Und was mögliche Altlasten auf dem Areal angehe, gebe es noch nicht einmal eine historische Untersuchung.

CSU-Kreisrat Frederik Röder beantragte schließlich das Ende der Debatte, den Runge verbreite Informationen, die bislang nur den Mitgliedern der potenziellen Zweckverbandskommunen vorbehalten seien. Es sei daher "törricht, jetzt solche Dinge in den Raum zu stellen", schimpfte Röder. Auch Michael Schanderl nannte es "schädlich, Dinge zu zerlegen, bevor in den Gremien diskutiert wird, Herr Runge!". Der Gescholtene wies darauf hin, dass das Thema in der Kreisausschusssitzung auf der Tagesordnung stand. Die Debatte soll am Donnerstag im Kreistag (von 15 Uhr an) fortgeführt w erden.

© SZ vom 15.05.2019
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