Zum Winterfahrplan 2018:Gerechter und etwas billiger

Lesezeit: 2 min

Kreisräte verbinden MVV-Tarifreform mit Verbesserungen für die Landkreisbewohner. Mit acht Ringen könnte das eintreten

Von Gerhard Eisenkolb, Fürstenfeldbruck

Zur Einführung des Winterfahrplans 2018 könnte es eine neue MVV-Tarifstruktur mit nur noch acht anstelle der bisher 16 Tarifringe und deshalb leicht veränderten Fahrpreisen geben. Vor allem die Tarifsprünge für die Fahrgäste, die im Randbereich eines solchen Rings wohnen, würden kleiner ausfallen. Einstimmig hat der Kreistag jüngst beschlossen, darauf zu drängen, dass bei der anstehenden Reform vereinfachte, preisgünstige Tariflösungen für die Nutzer aus dem Landkreis Fürstenfeldbruck angestrebt werden. Ein MVV-Vertreter stellte sich den Fragen zu den Reformüberlegungen und sagte dem Kreistag in diesem Punkt eine leichte Verbesserung zu.

Als Problembereiche im Landkreis gelten die S-Bahnhöfe Puchheim und Gröbenzell mit den im Vergleich zu den Münchner Nachbarbahnhöfen Aubing und Lochhausen extrem hohen Tarifsprüngen. Die SPD-Fraktion, die die Debatte zur Tarifstrukturreform beantragt und zudem Informationen zu den internen Tarifsitzungen gefordert hatte, konnte sich nicht mit dem Wunsch nicht durchsetzen, sowohl für den Landkreis Fürstenfeldbruck als auch für München einen jeweils einheitlichen MVV-Tarif anzustreben. Auch von einem wiederholt von der SPD-Fraktion geforderten Sozialticket riet ein MVV-Vertreter wegen der hohen Kosten für den Landkreis ab.

Laut MVV müssen die Landeshauptstadt und der Landkreis München bei steigender Tendenz für Sozialtickets im Jahr sieben Millionen Euro bezahlen. Sollte der Brucker Landkreis nach dem Münchner Vorbild ebenfalls die Einführung eines Sozialtickets beschließen, müsste er für die dem MVV entgangenen Einnahmen aufkommen und einen Ausgleich zahlen.

Klaus Wollenberg (FPD) bezeichnete die Behauptung, der MVV sei ein Defizitbetrieb als "Mär". Wollenberg ging von Überschüssen aus und wies darauf hin, dass die "Jahresabschlüsse mit Überschüssen" nicht publik gemacht, sondern geheim gehalten würden. Zudem befinde sich der MVV in einer Monopolsituation mit einer für die Nutzer unbefriedigenden Preisfindung. Zum Vorwurf der Mär von schwarzen Zahlen wies der MVV-Vertreter zuerst darauf hin, dass die Kostendeckung der vom Landkreis Fürstenfeldbruck betriebenen MVV-Buslinien bei 60 Prozent liege und der Landkreis für das jährliches Defizit in Höhe von etwa sechs Millionen Euro aufkomme. Die Kostendeckung beim MVV liege insgesamt bei etwa 70 Prozent. Allerdings sei die Geschäftsführung bemüht, das Defizit auf diesem Niveau zu halten und einen Ansteig zu verhindern. Die Modernisierung der Tarifstruktur soll vor allem strukturelle Defizite und Ungerechtigkeiten zumindest abmildern, aber erlösneutral erfolgen.

Peter Falk (SPD) räumte ein, er hätte nicht mit einer so hohen Kostendeckung beim MVV gerechnet. Um dann trotzdem darauf hinzuweisen, dass das attraktivste Nahverkehrssystem für ihn das System sei, das überhaupt gar keinen Fahrpreise erhebe. Laut dem Sozialdemokraten wären mehr Menschen dazu bereit, auf den MVV umzusteigen, wenn er attraktiver wäre, aber dann bräche der Personennahverkehr zusammen. Das sei der eigentliche Skandal. Nun gehe es darum, wenigstens das Beste aus dem System zu machen.

Die Mittelposition zwischen Wollenberg und dem MVV-Vertreter nahm Martin Runge ein. Der Grüne gab beiden etwas Recht. Runge riet dem Freistaat als Auftraggeber dazu, mit der Bahn künftig härter über die Betriebskosten für die S-Bahn zu verhandeln. Angeblich soll die Bahn, was im Kreistag nicht zur Sprache kam, mit der Münchner S-Bahn hohe Gewinne machen. Der Versuch, aus 16 Tarifzonen 8 zu machen, könnte laut Runge die Situation für die Landkreisbewohner etwas verbessern. Den großen Wurf werde die Tarifreform nicht bringen, aber es scheine ein guter Weg zu sein. Der Fraktionssprecher der Grünen verhehlte nicht, dass auch seiner Fraktion ein Nulltarif für den Öffentlichen Personennahverkehr die "liebste Lösung" wäre.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema