Zeitgeschichte:Einblicke ins Regime der DDR

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Zeitgeschichte: Lucia Mayer (von links), Miriam Grunert, Marie Stang und Julia Heiduschat sind Teil des P-Seminars, das die Ausstellung entwickelt hat.

Lucia Mayer (von links), Miriam Grunert, Marie Stang und Julia Heiduschat sind Teil des P-Seminars, das die Ausstellung entwickelt hat.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Schüler des Graf-Rasso-Gymnasiums in Fürstenfeldbruck gestalten mit Zeitzeugen eine sehenswerte Ausstellung

Von Florian J. Haamann, Fürstenfeldbruck

Es sind berührende und erschütternde Geschichten von Menschen, die in der DDR gelebt und vor allem die Schrecken des SED-Regimes erlebt haben, die an den beiden kommenden Wochenenden in einer Ausstellung in der Hauesler-Villa in Fürstenfeldbruck zu sehen ist. Entwickelt hat sie ein P-Seminar des Graf-Rasso-Gymnasiums. Dafür haben die Schülerinnen und Schüler fünf Zeitzeugen zur ihren Geschichten befragt und diese anschließend aufgearbeitet.

"Wir dachten erst, dass man einen strikten Fragenkatalog abarbeitet. Aber dann hat es sich so ergeben, dass einfach angenehme Gespräche ins Rollen gekommen sind", sagt Miriam Grunert, eine der Schülerinnen. Wegen der Pandemie konnten sie die Gespräche nicht persönlich führen. Also haben sich die 13 Teilnehmer des Seminars online mit ihren Zeitzeugen verabredet, meistens hätten alle an den Gesprächen teilgenommen, unterstützt von einer Lehrerin. Mit jedem Zeitzeugen haben die Schüler mehrere Stunden gesprochen. Gefunden haben sie den Großteil ihrer Gesprächspartner über ein Zeitzeugenportal im Internet.

Für die Ausstellung haben die Schüler die Geschichten der Menschen auf Rollup-Bannern aufgeschrieben. Aber der Besucher hat auch die Möglichkeit, die Protagonisten quasi persönlich kennenzulernen: Auf Laptops haben die Schüler Ausschnitte aus den Interviews vorbereitet und nach bestimmten Themen sortiert. Pro Zeitzeuge gibt es dafür jeweils einen Laptop. Ergänzt werden diese persönlichen Schicksale durch Texttafeln mit allgemeinen Informationen zu bestimmten Themen der DDR, etwa dem Ministerium für Staatssicherheit.

Eine der Geschichten, die die Ausstellung erzählt, ist die von Michael Brack. 1949 geboren, begann er sich nach seinem Abitur 1967 für die Rock-Kultur zu interessieren, durch Radio, Westfernsehen, eingeschmuggelte Bücher und Diskussionen mit seinen Freunden lernte er die Demokratie kennen und schätzen. Nach der Niederschlagung des Prager Frühlings 1968 schlich sich Brack eines Nachts aus dem Haus, um die Parole "Es lebe Dubček" - der Anführer der tschechoslowakischen Kommunistischen Partei - an Hauswände in der Umgebung zu schreiben. Die Aktion blieb allerdings nicht unbemerkt, eines Tages wurde er von zwei Stasi-Mitarbeitern abgeholt und zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Sein Interesse an Politik hat er dort nicht verloren und so wurde er bei den ersten freien Kommunalwahlen 1989 zum Bürgermeister gewählt. 2016 wurde er dann Berufsreferent in der Gedenkstätte Hohenschönhausen.

Jedem Zeitzeugen ist dabei ein Schwerpunktthema zugeordnet, von Flucht über den Mauerbau bis zur Planwirtschaft. Der Besucher bekommt so nicht nur ein Gefühl für die Schicksale der Menschen, sondern auch einen Einblick in das System, in dem sie gelebt haben. Und so ist die Ausstellung informativ, aber nicht überladen und durchaus einen Besuch wert.

Ergänzt wird die Ausstellung durch ein vielfältiges Begleitprogramm. Am ersten Wochenende, 23./24. Oktober, gibt es jeweils um 12.30 Uhr ein Liveinterview mit einem Zeitzeugen und um 14.30 Uhr liest der Autor Christian Ahnsehl aus seinem DDR- und Stasi-Roman "Der Ofensetzer". Am 30./31. Oktober hält jeweils von 14 Uhr an Ralph Gründer einen Vortrag zum Thema Mauerkunst. Wegen der begrenzten Plätze ist eine Anmeldung per E-Mail an office@kester-haeusler-stiftung.de erforderlich.

Ausstellung "Zeitzeugen des SED-Regimes", Haeusler Villa, Dachauer Straße 61, Fürstenfeldbruck, geöffnet Samstag und Sonntag, 23. und 24 Oktober, jeweils von 11 bis 16.30 Uhr, Samstag, 30. Oktober, 11 bis 16.30 Uhr und Sonntag, 31. Oktober, 11 bis 16 Uhr.

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