Die Buchhandlung am Ort ist oft viel mehr als nur ein Laden, in dem man Bücher kaufen kann. „Wir bringen auch in die kleinsten Orte ein Stück Kultur, veranstalten Lesungen, bieten Leseförderung. Das wird oft als Selbstverständlichkeit gesehen. Und wenn es das nicht mehr gibt, ist die Verwunderung groß“, sagt Katrin Schmidt, die gemeinsam mit Helen Hoff die Buchhandlung Lesezeichen in Germering betreibt und seit diesem Jahr dem Vorstand des Landesverbandes des Börsenvereins des deutschen Buchhandels angehört. Um auf genau diese Vielfalt aufmerksam zu machen, beteiligt sich die Germeringer Buchhandlung auch heuer wieder mit mehreren Veranstaltungen an der „Woche unabhängiger Buchhandlungen“. Ins Leben gerufen wurde die Aktionswoche vor zehn Jahren, inspiriert von ähnlichen Aktionen in England. Etwa 900 Buchhandlungen machen jedes Jahr mit.
„Ich finde es wichtig, zu zeigen, dass wir abseits der Bestseller, die wir auch rauf und runter verkaufen, auch unsere Lieblingsbücher rauspicken und im Laden zeigen. Man findet bei uns Titel, die man woanders nicht findet. Nicht jeder Buchhändler hat Zeit, alles zu lesen.“ Der persönliche Geschmack, die Interessen und die Persönlichkeit der Buchhändler, all das mache jeden inhabergeführten Laden einmalig. „Bei uns findet man sicher mehr Kochen, Reisen, Japan und Manga als bei anderen Kollegen, die dann wiederum ihr Steckenpferd haben. Das finde ich toll, dass wir über die Republik verteilt eine Vielfalt bieten – und kleinen Titeln die Chance, gesehen zu werden“, sagt Schmidt, die ihre Lieblingsbücher regelmäßig im Wechsel mit der Puchheimer Buchhändlerin Nicola Bräunling in der Fürstenfelderbrucker SZ vorstellt. Genau diese Vielfalt drohe verloren zu gehen, wenn die kleinen Buchhandlungen um die Ecke aussterben und nur noch die großen Ketten übrig bleiben.
Auf der anderen Seite, erzählt Schmidt, seien die unabhängigen Buchhandlungen auch für kleine Verlage und noch unbekannte Autoren wichtig. „Zu den Stärken inhabergeführter Läden gehört auch, dass wir nicht nur die marketingstarken Besteller vorstellen, sondern eben auch Bücher, die uns überzeugen. Bei uns verkaufen sich oft Bücher gut, von denen der Verlag sagt, dass sie es nicht hätten schaffen können. Oft sind Bestseller Bücher, die erst über den unabhängigen Buchhandel groß geworden sind“. Als Beispiel nennt sie den 2019 erschienen Roman „Der Gesang der Flusskrebse“, der bis dahin relativ unbekannten Autorin Delia Owens. „Auch das Genre war damals nicht so populär. Aber viele Buchhändler in den USA und Deutschland haben gesagt, das ist ein cooles Buch, das empfehlen wir.“ Auf solche besonderen Titel werde man meist im Austausch mit anderen Buchhändlern aufmerksam, die Unabhängigen seien untereinander gut vernetzt. „Ein gutes Buch liest sich von selbst und verkauft sich von selbst“, sagt Schmidt.
Dass kleine Verlage eine ähnliche Bedeutung für die Literaturszene haben, darauf will die Buchhandlung Lesezeichen nun zur Aktionswoche aufmerksam machen. Deshalb hat Schmidt an diesem Mittwoch, 6. November, von 15 bis 17 Uhr drei Indie-Verleger nach Gemering eingeladen: Bettina Deininger vom Austernbank-Verlag, Sophie Schillo vom Schillo-Verlag und Thomas Peters vom Morisken-Verlag. Die drei werden in der Buchhanldung Lesezeichen sein und den Besuchern Rede und Antwort zu allen Fragen rund um die Verlagsarbeit stehen.
Und einen besonderen Gemeringer können die Gäste der Buchhandlung am Freitag, 8. November, von 17 Uhr an erleben. Seit Sommer betreibt Jochen Quindel den Podcast „Endstation Germering“, in dem er erzählt, wie vor 30 Jahren ein kleines Germeringer Bandprojekt die Musikszene in Deutschland geprägt und welche Rolle er dabei gespielt hat. Außerdem wird Quindel einige seiner ersten Songs aus genau dieser Zeit spielen.


