Wirtschaftsempfang Ein bisschen Rockstar sein

Was können Führungskräfte von musikalischen Rampensauen lernen? Die quirlige Moderatorin Sabine Altena gibt beim Wirtschaftsempfang des Landkreises Tipps, und 200 Gäste hören ganz gespannt zu

Von Heike A. Batzer, Fürstenfeldbruck

Das Leben hat die meisten, die am Freitagabend ins Brucker Landratsamt gekommen sind, in ehrbare Berufe geführt. Wollte eigentlich mal jemand unter ihnen Rockstar werden? Drei, vier Hände gehen hoch. Eine Hand hebt Christian Götz. Sabine Altena kommt auf den Zweiten Bürgermeister von Fürstenfeldbruck zu, der in einer der vorderen Reihen sitzt, sein Sakko, meint sie, würde schon mal zu einem Rockstar passen. Sie wird den 200 Gästen des Wirtschaftsempfangs an diesem Abend erklären, was Führungskräfte von Rockstars lernen können. Und sie macht das mit so viel Energie, Entertainment und Wortwitz, dass die Zuhörer gebannt lauschen und Landrat Thomas Karmasin (CSU) als Gastgeber hinterher begeistert sagen wird: "War toll."

200 Gäste werden beim Wirtschaftsempfang von Landrat Thomas Karmasin im Sitzungssaal begrüßt.

(Foto: Matthias Döring)

Ganz in Schwarz (enge Hose, Blazer, Highheel-Stiefeletten) und die blonden Haare zu einem hohen Dutt gebändigt, steht sie auf der kleinen Bühne, die eigens in den großen Sitzungssaal gebaut wurde für diesen Abend. Dahinter ist ihre Präsentation groß an der Wand zu sehen. Dort tauchen auf: Helene Fischer, Thomas Müller, Richard Branson, der Dalai Lama, die Band Metallica, die Scorpions, Alice Cooper, Udo Lindenberg, Arnold Schwarzenegger, Bryan Adams. Alles Rockstars, sagt Altena, denen eines gemein ist: Sie haben viele Jahre und Jahrzehnte durchgehalten, auch im Team. Wie geht das?

"Rock your business", empfiehlt Sabine Altena, die Radiomoderatorin.

(Foto: Matthias Döring)

Für Rockstars und Führungspersönlichkeiten gibt es demnach fünf Erfolgsfaktoren: Erstens: Glaubwürdig sein, menschlich sein. Zweitens: Visionen haben. "Haben Sie noch Träume?", fragt Sabine Altena in die Runde: "Dann erzählen Sie Ihren Leuten davon." Drittens: Mutig sein, auch mal schräg sein - und nicht wie alle anderen. "Der Rockstar liebt die Veränderung." Man müsse die "Change" mal in einem anderen Licht betrachten. Beispiel gefällig? Alice Cooper sei erst richtig erfolgreich geworden, als er mit einer Guillotine auf die Bühne kam. "Geisterbahn-Style". Oder Udo Lindenberg. Singen auf Deutsch sei damals nicht so cool gewesen, sagt Altena: "Aber er hat das durchgezogen, und es gibt sogar eine eigene Udo-Sprache." Oder Arnold Schwarzenegger und sein Einsatz für die Umwelt als republikanischer Gouverneur von Kalifornien - bis dahin undenkbar, doch: "Der Mann liebt Gegenwind." Öfter mal über den Tellerrand schauen, rät deshalb Sabine Altena den Führungskräften in den Betrieben, auch mal die jungen Leute fragen. Die seien bei Instagram und Youtube und damit "sauweitweg" von traditionellen Kommunikationskanälen. Also, sich dorthin begeben, empfiehlt Altena. Oder mal die Kunden anrufen und sich bedanken und fragen, was gegebenenfalls noch auf der Wunschliste stehe - einfach mal "eine andere Herangehensweise".

Ehrenkreishandwerksmeister Franz Höfelsauer (links) und Robert Burkard, ehemaliger Leiter der Brucker Arbeitsgentur, amüsieren sich.

(Foto: Matthias Döring)

Die Besucher hören gebannt zu, ist auch nicht schwer. Sabine Altena kann reden. Sie weiß, wie sie die Aufmerksamkeit ihrer Zuhörer bekommt. Mehr als 18 Jahre Erfahrung als Radiomoderatorin und -reporterin (unter anderem für Antenne Bayern) bringt sie mit, dazu macht sie seit mehr als zwei Jahrzehnten Eventmoderation und leitet mittlerweile ihr eigenes Coaching-Institut in Inning am Ammersee. Mehr als 1000 Interviews, so gibt sie in ihrer Vita an, habe sie geführt mit Weltstars wie Lionel Ritchie, Lenny Kravitz, Bryan Adams. Letzterer habe "supercoole Tricks" in seinen Konzerten auf Lager: Holt Leute aus dem Publikum auf die Bühne und rockt mit ihnen einen seiner Songs. Mache andere stark! - Prinzip Nummer vier. Deshalb: "Das Mitarbeitergespräch einmal im Jahr war 1980", sagt Altena: "Die Jungen wollen das jede Woche." Und fünftens: Vertrauen und wertschätzen. Wie es die Punkrockband Die Toten Hosen tun, die sie besonders mag. Hinter ihr an der Wand ist ein Foto einer übergroßen Grabstelle zu sehen. Auf dem Friedhof von Düsseldorf. Die haben die Toten Hosen schon mal für sich und ihre persönlichen und musikalischen Familien gekauft, dort liegt unter anderem der Busfahrer der Band begraben. Wertschätzen! Echtes Interesse zeigen!

Der Inspiration und Kooperation solle dieser Abend dienen, ruft Landrat Karmasin den Anwesenden zu, ehe die sich dann zu Gesprächen an die Stehtische und zur Stärkung ans Büffet begeben. Auf zwei Ebenen werden im Foyer geschmorte Rinderbäckchen an Wurzelgemüse, Ragout vom bayerischen Weiderind in Dunkelbiersoße, Leberkäs und kleine Fleischpflanzerl angeboten, alles zeitgeistgerecht serviert in Müslischalen ähnlichen Bowls, zu essen mit der Gabel, ohne Messer. Dazu Wein, Bier, Cola, Wasser und Dessert. Gekommen sind Unternehmer, Selbständige, Behördenvertreter, Bankvorstände und Politiker aus dem ganzen Landkreis. Michael Hagemann, Inhaber einer Werbemittelagentur in Eichenau, wird noch für sein ehrenamtliches Wirken geehrt. Guido Amendt, Chef der Olchinger Braumanufaktur, nennt es später beim Smalltalk schon eine rockstarmäßig verrückte Idee, in Bayern Bier zu brauen. Manch andere haben mit einem Dasein als Rockstar noch nie was am Hut gehabt. Er habe schon mit vier Jahren gewusst, was er werden wolle, bekundet Metzgerinnungsobermeister Engelbert Jais: nämlich Metzger.