Wirtschaft Sahnejoghurt im Zehn-Liter-Eimer

Die Firma Transgourmet beliefert von Eichenau aus gastronomische Betriebe und Großhandel mit Lebensmitteln. Zu einer Führung kommen so viele Leute, dass die Hälfte wieder weggeschickt werden muss

Von Erich C. Setzwein, Eichenau

Es ist fast so, als würde ein nordskandinavischer Winterwind blasen, der beim Einatmen sofort zu Gehirnfrost führt. Kalt ist es schon in der auf minus 22 Grad heruntergekühlten, 6000 Quadratmeter großen Halle, in der die Firma Transgourmet ihre Tiefkühlprodukte lagert. Fünf Minuten in dieser Kälte reichen aus, dass sich die 67 Eichenauer in normaler Winter- oder Übergangskleidung freuen, als sie in die Halle mit vier Grad Dauertemperatur zurückkehren dürfen. Dort stellen sie sich erneut die Frage, wie es die Angestellte aushalten, in diesen Hallen den ganzen Tag über zu arbeiten.

Es ist kurz vor 19 Uhr am Mittwoch, als der Betriebsleiter des Lebensmittelgroßhandels Transgourmet, Markus Hennig, den Haupteingang schließt und die für ihn überraschend große Gruppe in einem viel zu kleinen Büro begrüßt. Man habe ihm noch am Nachmittag mitgeteilt, dass so etwa 20 Leute kämen. Mit so vielen habe er nicht gerechnet. Was Hennig zu diesem Zeitpunkt noch nicht weiß: Die "Eichenauer Runde", zu der der CSU-Ortsverband eingeladen hatte, ist eigentlich noch gar nicht komplett. Vor der Tür fängt CSU-Gemeinderat und Gewerbereferent Peter Zeiler noch etwa 70 Nachzügler ab und schickt sie wieder nach Hause. Ein solch großes Interesse der Bevölkerung hat man weder bei Transgourmet noch bei der CSU erwartet.

Was die, die pünktlich waren, dann erwartet, ist eine Führung durch fast alle Bereiche der 28 000 Quadratmeter großen Lagerfläche und eine Einführung in die Prinzipien moderner Lebenmittellogistik. Die große Besuchergruppe erfährt auch sofort, dass es sich um einen Großhandel für Gastronomie und Kantinen handelt und auf dem Gelände kein Detailverkauf für Jedermann betrieben wird. Doch wer könnte auch mit Gebindegrößen von 4100 Gramm für eine Dose stückige Pizzatomaten oder einem zehn Kilogramm schweren Eimer mit Salatmayonnaise etwas anfangen in seiner kleinen Privatküche?

Bei minus 22 Grad werden die Tiefkühlprodukte in einer 6000 Quadratmeter großen Halle von Transgourmet gelagert.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

10 000 Artikel seien ständig greifbar, referiert Hennig, 24 000 seien gelistet und vom Kunden bestellbar. Kunden sind Hotels und Gaststätten, Sozialeinrichtungen und Betriebsküchen, die bis abends um 18 Uhr ihre Ware für den folgenden Tag ordern und sie am Morgen erwarten können. 80 Lieferanten bringen die Produkte von Karotten und Kohlköpfen in riesigen Netzen bis hin zu Sahnejoghurt in Zehn-Liter-Eimern oder ganzen in Folie geschweißten, argentinischen Rinderlenden ins Transgourmetlager an der Holzkirchner Straße in Eichenau, wo die Ware entweder eingelagert oder, umgehend kommissioniert, sofort wieder auf den Lkw kommt und rasch beim Kunden landet. 213 Mitarbeiter achten darauf, dass alles reibungslos klappt und vor allem, dass die Kühlkette nahtlos ist und die Ware frisch bleibt.

2017 war Transgourmet auf der Suche nach einem neuen Standort in Eichenau fündig geworden. Zuvor hatte das zum Schweizer Coop-Konzern gehörende Unternehmen unter dem Druck des Bürgerprotests Pläne aufgegeben, im neuen Freisinger Gewerbegebiet Clemensänger einen Neubau hinzustellen. Eichenau bot sich an, weil dort bereits ein Logistikzentrum steht, das Aldi aufgegeben hatte. Da Transgourmet im Unterschied zu Aldi vorwiegend kühle Räume benötigt, wurde die Halle innen vollständig isoliert, so dass ein 3000 Quadratmeter großer Frischebereich mit Kühlschranktemperatur geschaffen wurde. Auf 10000 Quadratmetern sind laut Hennig Trockenprodukte untergebracht, dort ist es ebenfalls kühl, aber so richtig unter Null geht es auf den 6000 Quadratmetern Tiefkühlbereich.

Der aber ist Transgourmet doch zu klein, und deshalb beantragte die Firma eine Erweiterung um noch mal 5000 Quadratmeter. Der Protest der Anwohner des Gewerbegebiets ließ nicht lange auf sich warten, die Gemeinde genehmigte die Pläne dennoch. Eine gesonderte Lärmschutzplanung ist laut Drittem Bürgermeister Josef Spiess (CSU) von Transgourmet eingereicht worden. Eine Lärmschutzwand und eine Einhausung sollen sicherstellen, dass die Geräuschbelastung nicht zu groß wird. Unmittelbare Nachbarn des insgesamt 80000 Quadratmeter großen Firmengeländes sind Feuerwehr und der gemeindliche Bauhof.

Die Firma beliefert mit 42 eigenen Lastwagen ihre Kunden in Südbayern.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Auch wenn die Eichenauer nicht von einer weiteren Einkaufsmöglichkeit profitieren können, so rechnet zumindest die Gemeinde mit erklecklichen Gewerbesteuerzahlungen.

Der Großhandel ist nach einem Bericht der Neuen Zürcher Zeitung vom Januar dieses Jahres auch der Wachstumstreiber der Coop-Gruppe. Die in mehreren europäischen Ländern tätige Transgourmet steigerte dem Bericht zufolge 2019 den Nettoerlös auch dank Akquisitionen um 6,9 Prozent auf 9,7 Milliarden Schweizer Franken. Das sind etwa 8,54 Milliarden Euro. Laut Betriebsleiter Hennig kam man allein in Deutschland auf 5,3 Milliarden Euro. Transgourmet und der Oetker-Konzern bauen darüber hinaus einen neuen Getränkegroßhandel auf, wie das Handelsblatt berichtet, in dem unter anderem die Paulaner-Brauerei mitwirken wird.

Wie eng die erst so kurz im Ort ansässige Firma bereits mit der Gemeinde verbunden ist, zeigt das Kooperationsangebot. So hat sich Transgourmet bereit erklärt, im Katastrophenfall Lebensmittel für die Einsatzkräfte zur Verfügung zu stellen. Zuletzt seien die Rettungskräfte beim Schneeeinsatz in Bad Tölz von Transgourmet beliefert worden. Auch die Eichenauer-Puchheimer Tafel bekommt Ware aus Eichenau, ebenso die Olchinger Tafel. Für Betriebsleiter Hennig ist das "selbstverständlich", wie die Besucher beim Rundgang durch die Hallen erfuhren.

Für die 70 Eichenauer, die am Mittwoch keine Gelegenheit mehr hatten, die Betriebsführung mitzumachen, kündigte Peter Zeiler noch am Abend an, einen weiteren Besuchstermin zu vereinbaren.