Im Landkreis Fürstenfeldbruck könnten einmal um die 25 Windräder einen deutlich spürbaren Beitrag zur Stromversorgung leisten und die Klimabilanz verbessern. Werner Zauser (Freie Wähler), Mammendorfer Energiereferent, setzt sich seit vielen Jahren für die Abkehr von Öl und Gas ein. Dass der Landkreis nun mit fünf weiteren baugleichen Enercon-Anlagen in den Gemeinden Mammendorf und Maisach dem selbst gesteckten Ziel der bilanziellen Unabhängigkeit von fossilen Energieträgern bis 2040 näherkommen wird, stimmt den „Windkümmerer“ sichtlich zufrieden.
In einem der Sitzungssäle des Mammendorfer Rathauses geht es um diese Projekte der Fürstenfeldbrucker Stadtwerke, die jüngst den Segen des Landratsamts als zuständiger Genehmigungsbehörde erhalten haben. Bürgerinnen und Bürger sollen sich daran beteiligen können. Mit dem Bau soll noch in diesem Jahr begonnen werden, von 2028 an sollen sie ans Stromnetz angeschlossen werden.

Dem Anlass entsprechend schaut auch ein bestens gelaunter Landrat Thomas Karmasin (CSU) kurz vorbei, um seiner Freude über das windige Quintett Ausdruck zu verleihen. Schon klar, es ist Wahlkampf. Aber die Begeisterung des Politikers über die Fortschritte bei der Energiewende wirkt echt. Der Landkreis habe im Bereich der Windräder an geeigneten Stellen „noch Nachholbedarf“, sagt der CSU-Politiker – und erntet dafür ein Nicken von Bürgermeister Josef Heckl (Bürgergemeinschaft Mammendorf). Auch der Gemeinderat stehe einstimmig hinter den Projekten, organisierten Widerstand aus der Bürgerschaft gibt es nicht.
Die vergangenen zehn Jahre ist der Landkreis bei der Windkraft denn auch auf der Stelle getreten: Zwei Windräder haben die Stadtwerke 2014 und 2015 in Betrieb genommen – eines bei Mammendorf, ein weiteres in der Gemeinde Maisach, bei Malching. Die Pläne für ein drittes, das bei Puch gebaut werden sollte, hatte das Verwaltungsgericht kassiert, weil es den Blick auf die denkmalgeschützte Kirche beeinträchtigt hätte.

Was folgte, war die 10-H-Flaute: Neue Windräder wurden nur noch genehmigt, wenn sie mindestens einen Abstand zu Siedlungen einhielten, der dem Zehnfachen ihrer Höhe entsprach. Da kamen schnell zwei Kilometer Entfernung zusammen. Die von der Landes-CSU vorangetriebene Regelung brachte den Ausbau der Windkraft in Bayern praktisch zum Erliegen. 2023 wurde sie gelockert. Seitdem gibt es vor allem in Wäldern und an Autobahnen geringere Hürden für den Bau von Windrädern. Bis zum Jahr 2032 sollen die Regionalen Planungsverbände bundesweit 1,8 Prozent der Flächen für die Windkraftnutzung ausweisen.
Die nun genehmigten Anlagen vom Typ Enercon E-175 EP5 – zwei weitere in Maisach-Malching und drei weitere in Mammendorf – werden vom Boden bis zur obersten Flügelspitze 250 Meter messen, bei einer Nabenhöhe von 162 Metern (zum Vergleich: 135 Meter haben die beiden bestehenden Anlagen). Sie werden je sechs Megawatt leisten. Kalkuliert wird inklusive Infrastruktur und Bau mit Kosten von etwa zehn Millionen Euro pro Anlage.
Jan Hoppenstedt, Geschäftsführer der Stadtwerke Fürstenfeldbruck, streicht die Vorteile für die Gemeinde und ihre Anwohner heraus: Der kleine Windpark markiere einen Schritt hin zu größerer Energieautonomie, stärke wirtschaftliche Perspektiven vor Ort und leiste einen konkreten Beitrag zum Klimaschutz. 50 Millionen Euro investieren Stadtwerke, Gemeinden, Grundstückseigentümer und eine Genossenschaft.
An den Betreibergesellschaften kann sich jeder Einwohner beteiligen
Erklärtes Ziel ist nach Worten von Daniel Herz, Projektleiter der Stadtwerke, den Einwohnern von Mammendorf und Maisach mehr als lediglich eine indirekte Beteiligung an den Erträgen über ihre Gemeinden zu ermöglichen, wie das bei den beiden bestehenden Windrädern der Fall ist. In den kommenden Monaten werden in einem ersten Schritt Betreibergesellschaften gegründet. Wenn die noch offenen Details geklärt sind, sollen Informationsveranstaltungen angesetzt werden.
Bewohner Mammendorfs dürften künftig ohne Umwege Anteilseigner der Windkraftanlagen werden können. Als Kommanditisten könnten bis zu etwa 200 Personen investieren. Dabei geht es voraussichtlich um Beträge von mindestens 5000 bis 10 000 Euro. Diskutiert wird über zusätzliche Beteiligungsmöglichkeiten wie Bürgerstrommodelle oder Nachrangdarlehen. Bei den zwei geplanten Windkraftanlagen in Maisach-Malching dient die Bürgerenergiegenossenschaft Maisacher Land als Scharnier zwischen Gemeinde sowie Stadtwerken auf der einen Seite und den Einwohnern, die dort Mitglied werden können.
Die fünf neuen Windräder zwischen Fürstenfeldbruck und Mammendorf sind auf eine Betriebsdauer von 25 Jahren ausgelegt. Nach Berechnung der Stadtwerke werden sie genug Strom für die Versorgung von 13 000 durchschnittlichen Vierpersonen-Haushalten erzeugen. Langfristig planen allein die Stadtwerke 19 Anlagen im Landkreis mit einem Gesamt-Output von 215 Millionen Kilowattstunden, was dann dem Stromverbrauch von gut 61 000 Haushalten entspräche.

