EnergiewendeKampf gegen die Windräder

Lesezeit: 3 Min.

Windräder gelten als unverzichtbar für die Energiewende und als profitable Investition (hier eine Informationsveranstaltung in Jesenwang). Gleichwohl gefallen sie nicht jedem. In Gerichtsverfahren geht es immer wieder um Arten-, Natur- und Denkmalschutz.
Windräder gelten als unverzichtbar für die Energiewende und als profitable Investition (hier eine Informationsveranstaltung in Jesenwang). Gleichwohl gefallen sie nicht jedem. In Gerichtsverfahren geht es immer wieder um Arten-, Natur- und Denkmalschutz. Carmen Voxbrunner
  • Im Landkreis Fürstenfeldbruck planen die Stadtwerke bis zu 19 Windkraftanlagen, die rechnerisch fast 61 500 Haushalte mit Strom versorgen könnten.
  • Der Verwaltungsgerichtshof beschäftigt sich zurzeit in fast 50 Verfahren mit umstrittenen Windrädern. Der Verein für Landschaftspflege, Artenschutz und Biodiversität (VLAB) aus Erbendorf klagt gegen zehn von ihnen.
  • Die Stadtwerke Fürstenfeldbruck führen ihrerseits juristische Auseinandersetzungen gegen das Landratsamt wegen zu strenger Genehmigungsauflagen für ihre Windkraftprojekte.
Von der Redaktion überprüft

Dieser Text wurde mit der Unterstützung einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt. Lesen Sie mehr über unseren Umgang mit KI.

Fanden Sie diese Zusammenfassung hilfreich?
Mehr Feedback geben

Im Landkreis Fürstenfeldbruck sollen zahlreiche neue Anlagen Klimaschutz und Versorgungssicherheit verbessern. Immer wieder aber gelingt es einem Verein, Projekte zu verzögern oder ganz zu verhindern.

Von Stefan Salger, Fürstenfeldbruck

Den Siegeszug der Windkraft bremsen nicht nur die Lücken in den großen Stromtrassen von Nord nach Süd und die ungeklärte Speicherung des Stroms, sondern weiterhin auch die vielen juristischen Auseinandersetzungen zwischen Befürwortern und Gegnern. Dennoch will die Stadt Fürstenfeldbruck an dem Ziel festhalten, bis 2035 bilanziell klimaneutral zu werden, der Landkreis will fünf Jahre später so weit sein. Ob dies gelingt, hängt auch von einem Verein ab, der in der Windkraftbranche einen zweifelhaften Ruf genießt, sich selbst aber als Anwalt des Natur- und Artenschutzes sieht.

Die aktuelle Preisexplosion von Öl und Gas zeigt, wie wichtig die Energiewende auch jenseits des Klimaschutzes ist: Wer seinen Strom selbst erzeugt, macht sich unabhängig von globalen Lieferketten, ist nicht politisch erpressbar und kann langfristig kalkulieren. Windkraft gilt als günstige Energiequelle und im Vergleich zu Solarparks als platzsparend.

Viele Windkraftprojekte landen allerdings vor den Verwaltungsgerichten, so auch in der Münchner Region. Als einer der großen Akteure sind die Fürstenfeldbrucker Stadtwerke betroffen. Der Energiedienstleister und Wasserversorger hat 2014 und 2015 im Nordwesten der Stadt zwei große Windräder in Dienst gestellt und plant weitere Anlagen. Es gilt die Faustregel: Je höher, desto mehr Stromertrag. Nicht jedem gefallen mehr als 200 Meter messende Windräder. Gerichte müssen dann entscheiden, ob Bewohnern zu viel zugemutet wird und ob Aspekte des Denkmal- oder Artenschutzes zu stark beeinträchtigt sind.

Eines der bislang einzigen beiden Windräder im Landkreis Fürstenfeldbruck. Die Planungen für die dritte, im Ortsteil Puch vorgesehene Anlage kassierte das Verwaltungsgericht, weil diese den Blick auf die denkmalgeschützte Kirche zu stark beeinträchtigt hätte.
Eines der bislang einzigen beiden Windräder im Landkreis Fürstenfeldbruck. Die Planungen für die dritte, im Ortsteil Puch vorgesehene Anlage kassierte das Verwaltungsgericht, weil diese den Blick auf die denkmalgeschützte Kirche zu stark beeinträchtigt hätte. Carmen Voxbrunner

Die Stadtwerke haben damit bereits Erfahrung: Das Verwaltungsgericht München hatte 2014 den neben Malching und Mammendorf geplanten dritten Standort im ländlichen Fürstenfeldbrucker Ortsteil Puch kassiert. Von einem Pilgerweg aus gesehen hätte das Windrad nach Auffassung der Richter den Blick auf ein geschütztes Baudenkmal zu stark beeinträchtigt: die katholische Filialkirche Sankt Sebastian. Die Vorgaben beim Denkmalschutz wurden mittlerweile gelockert, eine Wiederbelebung des Pucher Projekts planen die Stadtwerke angesichts der vorhandenen und geeigneten Alternativen aber nicht. Zumal für Wälder ebenso wie am Rande von Autobahnen die strengen 10-H-Regelungen gelockert wurden.

Die Tochtergesellschaft der Stadt Fürstenfeldbruck ist im Landkreis mit Abstand der Akteur mit den meisten Projekten. Vom Landratsamt ist im Sommer der Bau zweier Windräder im Maisacher Ortsteil Rottbach genehmigt worden, die bis zur obersten Flügelspitze 250 Meter messen. In Planung sind weitere Anlagen in Pfaffenhofen an der Glonn, Egenhofen, Maisach-Malching, Mammendorf, Gilching und auf Fürstenfeldbrucker Flur. Insgesamt bis zu 19 Windkraftanlagen der Stadtwerke könnten einmal rein rechnerisch den Stromverbrauch von fast 61 500 Drei- bis Vier-Personen-Haushalten decken.

Zuvor müssen freilich noch juristische Hürden genommen werden. Laut Daniel Herz, Projektleiter der Stadtwerke, gibt es rechtliche Auseinandersetzungen mit dem im oberpfälzischen Erbendorf beheimateten Verein für Landschaftspflege, Artenschutz und Biodiversität (VLAB). Der anerkannte Naturschutzverband genießt bei Erzeugern erneuerbarer Energien einen zweifelhaften Ruf und gilt als Sammelbecken der Windkraftgegner, mit dem weder LBV noch BN etwas zu tun haben wollen.

Der Vorsitzende Heribert Johann Bradtka weist Vorwürfe, der Verein blockiere die Produktion regenerativer Energien, zurück und beteuert regelmäßig, der Verein vertrete schlicht die Interessen des Natur- und Artenschutzes. Man wolle „Auswüchse der Energiewende stoppen“, heißt es auf der Homepage. Und weiter: „Windparks, ausgedehnte Freiflächen-Photovoltaik-Felder und der flächige Maisanbau für Biogasanlagen machen aus Kultur- und Waldlandschaften naturferne Energie-Industriegebiete, beeinträchtigen deren Ästhetik und schädigen die biologische Vielfalt.“ Die Lücken in der Stromversorgung sollten „vorerst“ mit „hocheffizienten Gas- und Dampfkraftwerken“ geschlossen werden.

Der Verwaltungsgerichtshof beschäftigt sich mit fast 50 Verfahren zu umstrittenen Windrädern

Der Verwaltungsgerichtshof beschäftigt sich zurzeit in fast 50 Verfahren mit umstrittenen Windrädern – allein bei zehn tritt der VLAB als Kläger auf. Eine Klage davon wiederum richtet sich gegen den positiven Vorbescheid für drei Windräder in Gilching. Der VLAB sieht dabei den Trink- und Grundwasserschutz sowie den Artenschutz gefährdet, mit Blick auf die nahen Naturschutzgebiete Wildmoos und Görbelmoos und die als FFH-Gebiete eingestuften Moore und Buchenwälder zwischen Etterschlag und Fürstenfeldbruck. Zudem geht es um die geplante Höhe der Anlagen. 2025 war der VLAB mit einer Klage gegen das Windkraftprojekt im Höhenkirchner Forst erfolgreich. Dieses muss aufwendig umgeplant werden.

Die Stadtwerke Fürstenfeldbruck wehren sich ihrerseits als Bauherr juristisch gegen das Landratsamt als Genehmigungsbehörde. So wurden drei Klagen zu fünf Anlagen an den Standorten Mammendorf und Malching eingereicht. Genehmigungen werden nach Ansicht der Stadtwerke in unzulässiger Weise an Auflagen geknüpft. Ein ähnliches Bild ergibt sich bei zwei Anlagen in Rottbach und Maisach. Und bei vier Anlagen in Jesenwang und Mammendorf – dort hat sich die Bürgerenergiegenossenschaft Freisinger Land der Klage angeschlossen. Zu Details wollen sich die Stadtwerke wegen des laufenden Verfahrens noch nicht äußern.

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Immobilie im Nachlass
:Streitfall Erbschaftsteuer

Zwei Geschwister erben das Häuschen der Eltern in Gröbenzell. Dann beginnt der Ärger mit dem Finanzamt.

SZ PlusVon Stefan Salger

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: