BrauchtumAuf dem Pferd durch die Kirche

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Höhepunkt der Veranstaltung ist der Ritt durch die Kirche.
Höhepunkt der Veranstaltung ist der Ritt durch die Kirche. Günther Reger

In Jesenwang findet am Sonntag der 302. Willibaldritt statt. Er erinnert an ein bäuerliches Gelöbnis aus dem 18. Jahrhundert.

Von Manfred Amann, Jesenwang

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Zum 302. Mal findet am Sonntag, 7. Juli der traditionelle Willibaldritt mit dem dazugehörigen Fest statt. Der Freundeskreis St. Willibald e.V. und die Gemeinde Jesenwang erwarten zu der weithin bekannten Brauchtumsveranstaltung wieder an die 300 Reiter mit herausgeputzten Pferden, Tausende Zuschauer und viel Prominenz. Mehrere Musikkapellen begleiten den Festzug. Kutschen-, Leiter- und Truhenwagengespanne, auf denen Ministranten, Senioren und Honoratioren Platz nehmen, reihen sich ebenso ein, wie der prächtige Fahnenwagen der Ortsvereine. Höhepunkt der Pferdeprozession ist der Durchritt durch die Kirche nach der Segnung am Nordportal, der für Ross und Reiter eine besondere Herausforderung ist. Er gilt als einmalig in Europa.

Für das Engagement zur Erhaltung des Brauchtums wurde der Freundeskreis, den es nun seit 45 Jahren gibt, mit dem Bayerischen Heimatpreis ausgezeichnet. Zudem ist der Willibaldritt in die bayerische und in die deutsche Liste des UNESCO-Welt-Kulturerbes aufgenommen worden. Der Willibaldritt geht auf ein Gelöbnis zurück, das Jesenwanger Bauern im Jahre 1712 ablegten. Damals grassierte in der Gegend eine Viehseuche, der für die Bauern unentbehrliche Pferde zum Opfer fielen. Die Jesenwanger „verlobten“ sich dem heiligen Willibald, heißt es, woraufhin es keine Vieherkrankung mehr gegeben haben soll.

In den frühen Morgenstunden des Willibaldfestes sind Wallfahrten aus der Umgebung angekündigt, um acht Uhr findet ein Wallfahrergottesdienst und um zehn Uhr das Patroziniums-Hochamt statt, bei dem der Männergesangverein Jesenwang die „Greisinger Messe“ singen wird. Vor und nach dem Durchritt kann die spätgotische Willibaldkirche besichtigt werden. Um 15 Uhr wird eine Führung angeboten. Sehenswert sind der Hochaltar von 1617 sowie die 1910 freigelegte spätgotische Holzdecke und die Brüstung der Empore. Auf die Decke sind neben 561 Sternmotiven 594 verschiedene Blumen gemalt, 191 Blüten kommen an der Empore hinzu. Bemerkenswert sind auch die Symbole der zwölf Medaillons im Zentrum der dreigeteilten Holzdecke, der bedeutendsten ihrer Art in Altbayern. Von 13.15 Uhr an wird am Maibaum ein Platzkonzert gegeben und um 13.30 Uhr startet der Willibaldritt am Jesenwanger Gemeinschaftshaus.

Vor der Segnung der Pferde und dem Durchritt wird am Kastanienhain neben der Kirche an das Gelöbnis erinnert. Landes- und Kommunalpolitiker aus der Region haben sich dazu angesagt. Den ganzen Tag über ist im Kastanienhain Biergartenbetrieb und auch die örtlichen Gasthäuser haben geöffnet. Weitere Informationen unter: www.willibaldritt-jesenwang.de.

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