Wettbewerb Bildhafte Sehnsüchte

Der Jugendkunstpreis der Bürgerstiftung für den Landkreis zeichnet Werke zum Thema "Unterwegs" aus. Viele der 150 eingereichten Arbeiten beinhalten Freiheitsmotive

Von Florian J. Haamann, Fürstenfeldbruck

Sehnsucht, Alltag, Flucht. Wenn Kinder aus dem Landkreis malen, was ihnen zum Thema "Unterwegs" einfällt, dann sind die Ergebnisse überraschend vielfältig. Das zeigt der Kinder- und Jugendkunstpreis 2019, den die Bürgerstiftung für den Landkreis nun zum fünften Mal vergeben hat. Mehr als 150 Werke haben die Teilnehmer im Alter von sechs bis 21 Jahren eingereicht.

Besonders eindrucksvoll ist das Siegerbild in der Kategorie 13 bis 21 Jahre. Gemalt hat es Hamza Nasralla und es trägt den Titel "Auszug". Sofort denkt man an die Flucht der Israeliten aus der ägyptischen Sklaverei. Nasrallas Bild erzählt die Geschichte eines modernen Exodus. Vor dem Hintergrund der syrischen Flagge ist eine Familie zu sehen, die mit nichts als ein paar Rucksäcken "unterwegs" ist, von der psychischen Last der Flucht und dem physischen Gewicht des Gepäcks gebeugt. Die Körper sind nur schemenhaft zu erkennen, ihr Inneres dient Nasralla als Leinwand für kleine Szenen: Flammen für einem vom Rauch bedeckten Himmel, ein weinendes Kind, eine klare Sternennacht, zugleich Symbol für die Hoffnung und die Herbergslosigkeit. Ein in seiner Komposition und Umsetzung gleichermaßen berührendes und herausragendes Bild.

Die traumatischen Erlebnisse flüchtender Menschen hat Hamza Nasralla in seinem Bild "Auszug" festgehalten. Dafür erhielt er von der Jury den ersten Preis in der Altersklasse 13 bis 21 Jahre. Reproduktion: Günther Reger

(Foto: )

Ganz andere Gedanken macht sich Roman Strixner, Sieger in der Altersklasse sechs bis zwölf Jahre. Er hat sich selbst in einem Zug sitzend porträtiert. Aus dem Fenster blickend, sieht er nicht die Gegenwart, sondern mögliche Zukunftsszenarien. Das Bild gibt so einen authentischen Einblick in die vielfältige Gedankenwelt eines Jugendlichen. Eher profan, aber nicht weniger umtreibend, ist die Skulptur des zweiten Platzes Niclas Eurskens. Aus Ton hat er sich und seine Freunde geformt, die vor in einem vorne offenen Kasten sitzen: der Schule. Bei Eurskens wird der Pausenhof zum Ort der Zusammenkunft, der Kommunikation.

Das Interesse an den Werken der jungen Künstler ist so groß, dass kaum noch Platz ist in der alten Schmiede hinter dem Veranstaltungsforum.

(Foto: Günther Reger)

Einen originellen Zugang hat auch Anabel Lehmann, die Drittplatzierte bei den "Großen", gefunden. Als Leinwand dient ihr ein altes Skateboard, auf das sie den Blick aus einem Flugzeug gemalt hat. "Ich dachte das Skateboard passt ganz gut zum Thema. Und das Flugzeug ist mir eingefallen, weil man von dort viele Dinge sieht", so Lehmann

Aber nicht nur die Werke der Preisträger sind es wert, erwähnt zu werden. Exemplarisch für einen Gedanken, der viele der Teilnehmer umgetrieben hat, steht beispielsweise ein Gemälde, das eine bis zum Horizont führende Straße in Mitten einer steinigen kargen Landschaft zeigt. Die Szene erinnert stark an die legendäre Route 66, eine der Freiheitsmotive schlechthin. Am Bildrand ist ein Ortsschild zu sehen, das geradezu prophetisch-verheißungsvoll ankündigt, dass hinter ihm die Freiheit wartet.

"Wie macht man Kunst?", stellte Bettina Elsässer-Max, Künstlerin und Mitglied der Jury, zu Anfang der Verleihung die Frage aller Fragen in den Raum. "Es geht darum, dazu anzuregen, über etwas nachzudenken". Einige Eltern, erzählt sie, hätten im Vorfeld der Verleihung bei ihr angerufen, um sich zu erkundigen, ob ihr Kind denn gewonnen habe. Auf die Antwort, dass sie das noch nicht sagen könne, seien die Eltern enttäuscht gewesen. "Eine Mutter hat zu mir gesagt, schade, mein Kind hat sich so viele Gedanken gemacht. Da habe ich nur geantwortet, dass das doch toll ist, weil es genau darum doch geht."