bedeckt München 16°

Werkschau:Neuer Auftakt in der Dauerausstellung

Das Museum Fürstenfeldbruck hat den Eingang zur Abteilung "Bruck um 1900" neu gestaltet. Gezeigt werden Porträts sowie die berühmteste Familie der Stadt, die Millers, die vom Handwerkstand zur Unternehmerdynastie aufstiegen

Von Peter Bierl, Fürstenfeldbruck

Damen in weiten, bunten Röcken, mit Hüten und Sonnenschirmen ausstaffiert, und Herren in schickem Anzügen flanieren auf einer breiten Straße zwischen Bürgerhäusern. Städtisch wollte sich der Markt Bruck um die vorletzte Jahrhundertwende präsentieren, darum sind auf der kolorierten Postkarte keine Menschen in bäuerlicher Kleidung, Handwerker, Marktfrauen, Arbeiter oder gar Vieh zu sehen. Das Motiv eröffnet die Dauerausstellung "Leben in Bruck um 1900" im Museum Fürstenfeldbruck, deren Eingang seit dieser Woche in neuer Aufmachung zu sehen ist.

Die Abteilung im zweiten Stock wurde 1995 eingerichtet. Die Museumsleiterinnen Angelika Mundorff und Eva von Seckendorff tauschen immer wieder einzelne Objekte aus oder ergänzen neue Informationen. Jetzt haben sie den Anfang komplett neu eingerichtet, samt einigen Touchscreens, dem letzten Schrei der Museumspädagogik. Sie erlauben es, Zahl und Umfang von Texttafeln zu reduzieren, weil Besucher, die mehr wissen wollen, einfach die entsprechenden Hinweise antippen können, worauf die gewünschten Informationen erscheinen.

Dadurch konnten Mundorff und Seckendorff eine große Wand fast ausschließlich mit Porträts von Kindern, Erwachsenen und älteren Menschen gestalten, mit Ölgemälden und Fotos. Wer die Künstler waren, unter ihnen Henrik Moor und Carl Robiczek, welche unterschiedlichen Formen und Funktionen das Porträt annehmen kann, erfährt man mithilfe eines übersichtlich und ansprechend gestalteten Touchscreens.

Das bürgerliche Porträt erlebte seine Blüte im ausgehenden 19. Jahrhundert und im frühen 20. Jahrhundert. Neben Honoratioren und Bildungsbürgern ließen sich nun auch Gastwirte, Apotheker und Handwerker und deren Gattinnen in Öl malen, wobei sich alle nach Kräften in Schale warfen. Die Fotos dokumentieren, dass sich mit der Verbreitung dieses wesentlich günstigeren Mediums nicht mehr nur Menschen aus dem Bürgertum auf diese Weise darstellen ließen.

Eines der Gemälde zeigt Johann Baptist Miller, den langjährigen Bürgermeister der Marktgemeinde. Er entstammt der berühmtesten Familie von Bruck, dank den Erzgießern Johann Baptist Stieglmaier und Ferdinand von Miller und dem Ingenieur Oskar von Miller, seinem Sohn. Ferdinand schuf in den Jahren 1845 bis 1850 die berühmte Bavaria, das Wahrzeichen Bayerns, während Oskar zum Pionier der Elektrizität wurde. Das Zusammenspiel des Ingenieurs mit dem Bürgermeister, seinem Onkel, bescherte Bruck eines der ersten Elektrizitätswerke der Welt.

In der Ausstellung wird nun eine Statuette der Bavaria, die um 1850 in der Erzgießerei entstand, erstmals öffentlich zu sehen sein. Der prominente Platz, den die Millers in der Ausstellung bekommen haben, ist redlich verdient. Ihr sozialer Aufstieg aus dem Handwerkerstand zeigt, was möglich und dennoch auf ganz wenige Menschen begrenzt war. Keine andere Familie aus dem Brucker Kleinbürgertum hat es zu derartiger Prominenz gebracht. Das zeigen Einblicke, die man beim weiteren Gang in das Leben der Brucker bekommt. Dargestellt wird der Alltag von Handwerkern, Arbeitern und Dienstboten sowie Situation der Frauen, die vor allem Pflichten zu erfüllen hatten.

Ausführlich wird Bruck als Künstlerkolonie und Ausflugsziel präsentiert sowohl für Sommerfrischler als auch im Winter, wenn die Rodelbahn am Weiherhaus lockte. Seine Attraktivität verdankte der Markt vor allem der guten Anbindung. Mit dem Zug dauerte es etwa 40 Minuten nach München. Schneller geht es heute auch nicht.

Museum Fürstenfeldbruck, Dienstag bis Samstag von 13 bis 17 Uhr, an Sonn- und Feiertagen ab 11 Uhr geöffnet.

© SZ vom 09.12.2017
Zur SZ-Startseite