Weihnachtszeit Altes aufleben lassen

In der Alten Dorfkirche Sankt Jakob findet am Sonntag "Volksmusik im Advent" statt.

(Foto: oh)

"Volksmusik im Advent" in Germering

Von Zoe Englmaier, Germering

Zeit mit der Familie verbringen, gemeinsam musizieren und Plätzchen backen - das macht für viele den Advent aus. Gerade traditionelle Musik wird mit der Weihnachtszeit verbunden, da die wenigsten im Kreise ihrer Familie die neusten Charts oder gar alltägliche Musik hören. Aber hat es nicht etwas Schönes, eine Zeit im Jahr nur für die schnulzigen Weihnachtslieder und altbekannten Volkslieder zu reservieren? Am zweiten Adventssonntag stehen beim Adventssingen "Volksmusik im Advent", organisiert vom Ottobrunner Vielgesang und Isolde Schuster, vorweihnachtliche und klassische Volksmusik im Mittelpunkt.

Schuster, die Gründerin der Veranstaltung, ist mit der Volksmusik aufgewachsen. "Ich kenne meine Großeltern und Eltern nur Gitarre und Zither spielend oder singend", stellt sie amüsiert fest. Deshalb bedeute ihr die Volksmusik auch so viel. Als sie vor etwa 50 Jahren aus dem Chiemgau nach Germering zog, habe es dort noch keine Veranstaltungen mit Volksmusik gegeben. "Mein Mann sagte dann zu mir: ,Das können wir so nicht lassen'", erzählt die 76-Jährige: "Da hier nichts war, musste ich es herholen."

Auch Bezirksrätin Gabriele Off-Nesselhauf (CSU) liegen Volkslieder sehr am Herzen, seit sie früher mit ihren Eltern gesungen hat. Off-Nesselhauf, 62, kennt die Veranstaltung seit über 30 Jahren. "Volksmusik im Advent ist für mich eine Tradition. Es findet immer am zweiten Adventssonntag statt", so die Bezirksrätin. Dieses Jahr liest Off-Nesselhauf dort zum dritten Mal vor. "Ich habe mittlerweile schon eine große Sammlung mit Texten in Mundart und hochdeutsch."

Volkslieder bezeichnet sie als oberbayerntypisch. Das liege daran, dass Volksmusik in diesem Raum entstanden sei. "Das ist rein emotional und hat viel mit unseren Wurzeln zu tun. Es gehört einfach zu uns, das ist unser Volksgut", betont die Bezirksrätin. In der Weihnachtszeit sei man besonders empfänglich für Dinge, die einem gut tun. "Gerade in der globalisierten Welt braucht man Traditionen, um zu den Wurzeln zurückzufinden", betont Off-Nesselhauf. Vielleicht wird es deshalb als etwas Besonderes angesehen, weil es hier nicht ganz so üblich ist, fügt sie noch hinzu.

"Sankt Jakob eignet sich sehr gut dafür. Sie ist für mich die stimmungsvollste Kirche hier", sagt Isolde Schuster. Das sei sehr passend im Advent. Auch für Off-Nesselhauf sollte in dieser Zeit die Kultur ruhig und stimmungsvoll sein. "In der Adventszeit gehe ich nicht unbedingt in ein Rockkonzert", sagt sie. Die Bezirksrätin findet es wichtig, dass so eine Veranstaltung den Menschen angeboten wird. Denn wenn man nicht mit Traditionen aufwächst, hat man bekanntlich keine vergleichbare, emotionale Verbindung dazu. "Hätte ich das nicht gelernt, würde ich es heute auch nicht machen", stellt sie fest.

So ist ihr die Veranstaltung persönlich sehr wichtig. Sie bezeichnet diese als Balsam für die Seele. Es gebe dort keine Hektik und keinen Stress, deshalb werden die Menschen auf einer besonderen Gefühlsebene abgeholt. "Die Stimmung ist einfach einzigartig", so Off-Nesselhauf. Besonders das Miteinander und das Ausklingen im Wirtshaus seien für sie entspannende Elemente. "Die Besucher nehmen ganz viel innere Ruhe mit nach Hause." Auch Schuster sieht die "Volksmusik im Advent" als einen Geheimtipp. Es sei eine Fortführung von dem, wie es im traditionellen Raum üblich war.

"Volksmusik im Advent": Sonntag, 9. Dezember, 17 Uhr, Germering, Alte Dorfkirche St. Jakob, Alte Kirchstraße 1-3