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Geschmückte Tanne:Ein wahres Weihnachtsmärchen aus Grafrath

Vor fünf Jahren wurde das Bäumchen erstmals geschmückt mit roten Kugeln, Strohherzen, Sternen und einer Weihnachtsgirlande.

(Foto: unknown; Stefan Salger)

Mitten im Ampermoos bei Grafrath steht ein liebevoll geschmückter Christbaum. Wem er zu verdanken ist, klärt sich erst nach einiger Suche auf.

Da steht unter freiem Himmel dieser liebevoll geschmückte Christbaum, fest verwurzelt im Ampermoos. Die Magie des Orts wird nur durch die vorbeirauschenden Autos auf der nahen Bundesstraße etwas beeinträchtigt. Seit einigen Jahren wird die Tanne, etwa einen Kilometer südlich des Grafrather Ortsrandes, im Dezember zum Christbaum geadelt. Wer hier regelmäßig im Advent Hand anlegt, war bislang fast ein Geheimnis. Sogar Markus Kennerknecht ist zunächst ratlos. "Eine schöne Geste in der Weihnachtszeit" sei das, an der sich viele Menschen erfreuten, sagt der Bürgermeister. Aber wem ist das zu verdanken? Kennerknecht tippt auf die Jäger. Die waren es nicht, haben aber einen Tipp: Man möge doch mal "bei der Frau Reuter vom Bioladen" anklopfen.

Was einem Dorothea Reuter erzählt, ist ein echtes Weihnachtsmärchen: Vor fünf Jahren wurde das Bäumchen erstmals geschmückt mit roten Kugeln, Strohherzen, Sternen und einer Weihnachtsgirlande. Vor drei Jahren der Dämpfer: Der Advent kommt, die Tanne aber trägt unverändert ihr dunkelgrünes Kleid. Kurzentschlossen springen Dorothea Reuter und ihre Töchter Natalie und Rebecca in die Bresche und befestigen rechtzeitig vor Heiligabend selbst Christbaumkugeln an den Ästen. Beim Abschmücken bemerken sie den an einem Zweig befestigten Brief. Beschwert sich da jemand? Nein! Die Absenderin ist Birgit Tartler aus dem Ammerseeraum. Die Familientherapeutin schreibt von "einer schönen Überraschung" und teilt mit, dass sie die Jahre zuvor mit ihrer Familie den Baum dekoriert habe. Sie bauten eine regelrechte Beziehung zu der Tanne auf. Einmal pro Woche wurde der heute neun Jahre alte Sohn Jakob zur Großmutter nach Fürstenfeldbruck gebracht. Jakob winkte immer durchs Fenster und rief "Hallo, kleiner Tannenbaum." Deshalb fiel vor fünf Jahren der Entschluss, den Baum zu schmücken. Dann aber erlag Birgit Tartlers geliebter Mann Niklas einer Krebserkrankung. Mutter und Sohn entschieden, das Grab mit einem Bäumchen und eben jenen Christbaumkugeln zu schmücken - "damit es Papa auch schön hat".

Beide Familien beschlossen, das Bäumchen fortan gemeinsam zu schmücken. Weitere Grafrather beteiligen sich, ganz inkognito. Einmal hängt sogar eine Weihnachts-Gewürzgurke zwischen den Zweigen. Und regelmäßig finden sich dort Dankesbriefe von Menschen, die sich am Anblick freuen. "Wenn wir den Baum dekorieren, hupen und winken Lastwagen- und Autofahrer oft", erzählt Dorothea Reuter.

Das Weihnachtsmärchen wird fortgesetzt. Jedenfalls so lange die Tanne nicht in den Himmel wächst. Bislang ist die Baumkrone mit Hilfe einer Leiter so eben noch in Reichweite, um oben den großen Stern aufzusetzen.

© SZ vom 24.12.2019/huy
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