Für nicht wenige Menschen ist die Weihnachtszeit weniger eine wahlweise besinnliche oder fröhliche Zeit, sondern eher mit Schmerzen oder Einsamkeit verbunden. Denn gerade das Weihnachtsfest hat das Potenzial, an erlittene Verluste zu erinnern – oder es zeigt Menschen auf, dass sie als nicht zugehörig betrachtet werden.
„Viele Menschen werden verstoßen. Insbesondere Trans-Sein ist stigmatisiert“, erklärt die Kreisvorsitzende Blaire Kühnel aus Mammendorf, warum der Kreisverband Amper der Linken eine knappe Woche vor Weihnachten zu einem abendlichen Spaziergang in Fürstenfeldbruck eingeladen hatte. Alle FLINTA*s und queeren Personen aus der Kreisstadt und ihrer Umgebung sollten kommen, um sich in einem sicheren Raum kennenzulernen und auszutauschen, insbesondere über komplexe Familiensituationen.
Der Begriff FLINTA*S steht für Frauen, Lesben, Inter*, Nicht-binäre, Trans* und Agender*-Personen. Er ist nicht unumstritten, weil er Männer grundsätzlich ausschließt. Wie Hannah Füner vom Kreisvorstand der Linken erklärt, umfasse er alle Personen, die „vom Patriarchat systematisch benachteiligt werden“. Fünen, 21, ist Anfang Dezember in den Kreisvorstand gewählt worden. Sie kandidiert auf Platz 5 für den Fürstenfeldbrucker Stadtrat.
Den Spaziergang hat sie mit Dario Steiner aus dem Landkreis Dachau organisiert. Das Engagement im sozialen Bereich sei ihm seit jeher wichtig, sagt der 25-Jährige: Politik für Kranke und Behinderte. Deshalb sei er im Juli 2025 in die Linke eingetreten. Ebenso lang ist Hannah Füner dabei.
In Zeiten zunehmender Queerfeindlichkeit geht es auch um Sichtbarkeit
Ein Ziel des Spaziergangs: FLINTA*S und queere Menschen sollen sich kennenlernen, vernetzen. Man wolle „den queer-feministischen Menschen im ländlichen Raum eine Stimme geben“, sagt Steiner. Und dazu, am besten schon im kommenden Jahr, auch in Fürstenfeldbruck einen Christopher Street Day abhalten. In Dachau hat der CSD im Juni 2025 schon zum dritten Mal stattgefunden, etwa 150 bis 200 Menschen beteiligten sich an der Parade. In Zeiten zunehmender Queerfeindlichkeit geht es um Sichtbarkeit gerade auch in den kleineren Städten und nicht nur in München.
Gekommen sind zu diesem ersten Abendspaziergang allerdings nur sechs Leute. Den weitesten Weg hatte Toto Berger, der im Landkreis Unterallgäu für die Linke für den Kreistag kandidiert. Alle kennen sich bereits, und mit Einsamkeit an Weihnachten ist trotz der Zugehörigkeit zur FLINTA*- oder Queer-Gruppe glücklicherweise niemand konfrontiert. Sie habe Glück gehabt mit ihrer Familie, sei akzeptiert worden, erklärt eine Trans-Frau. „Ich hab’s aber auch klar eingefordert.“
Aber nicht nur um Akzeptanzprobleme geht es an diesem Abend, wie Blaire Kühnel klarstellt. „Weihnachten ist uns als Partei sehr wichtig.“ Solange es Kinder gebe, deren Eltern es sich nicht leisten könnten, Weihnachten zu feiern und Geschenke zu kaufen, „muss die Linke für diese Familien einstehen“.

