Süddeutsche Zeitung

Wartungsarbeiten an der S4:Bus statt Bahn

Die S-Bahn-Strecke zwischen Puchheim und Pasing wird Ende Oktober für sechs Tage komplett gesperrt. Landtagsabgeordneter Martin Runge bezeichnete die Pläne der Bahn als "Vollwitz".

Mit massiven Behinderungen müssen Pendler vom 29.Oktober bis zum 7.November auf der Linie S4 rechnen. Die ersten sechs Tage wird die Strecke zwischen Puchheim und Pasing komplett gesperrt, weil Bahnarbeiter Schotter, Gleise und Schwellen austauschen. In dieser Zeit verkehren Ersatzbusse. "Die Bahn wird immer schlechter, früher wäre ein eingleisiger Betrieb eingerichtet worden", kritisierte der Landtagsabgeordnete Martin Runge (Grüne).

Die Bauarbeiten dauern insgesamt zehn Tage, und es sollen spezielle Großbaumaschinen eingesetzt werden. Saniert werde in zwei Phasen, erklärte Bahnsprecher Anton Knapp der SZ. Dafür fällt der Zugverkehr von Freitag, 29.Oktober, bis Mittwoch, 3.November, komplett aus, betroffen sind S-Bahn und Regionalverkehr.

Statt dessen werden zwischen Puchheim und Pasing Busse eingesetzt, die alle Haltestellen anfahren, zusätzlich gibt es Schnellbusse vom Hauptbahnhof nach Puchheim und zurück. In der zweiten Phase bis Sonntag, 7. November, gibt es eingeschränkten Zugverkehr. Einige Verbindungen fallen aus, die Haltestellen Aubing und Leienfelsstraße werden überhaupt nicht angefahren. Wer dorthin will, muss in Busse umsteigen, die zwischen Pasing und Puchheim verkehren.

Die Gemeinde Puchheim muss für die vielen Busse den Parkplatz südlich der Bahnlinie sperren, die dort umdrehen und sich aufstellen sollen. Pkw, die auf dem Parkplatz abgestellt werden, würden rigoros abgeschleppt. "Es wird ziemlich zugehen. Da kommt ein Bus nach dem anderen", sagte Martin Lehner, der Leiter des Ordnungsamtes, zur Süddeutschen Zeitung.

Als "nicht akzeptabel" und "Vollwitz" rügte Runge diesen Schienenersatzverkehr. Er kritisierte auch, dass die S-Bahn die ganze Zeit, auch im Berufsverkehr, nur im 30-Minuten-Takt fährt, in Fahrtrichtung München sogar im "äußerst einprägsamen" 28/32-Minuten-Takt. Und die Schnellbusse vom Hauptbahnhof würden in Puchheim die Züge der S4 in Richtung Geltendorf verpassen.

Großprojekte auf Kosten der Region

Runge wertete diesen Ersatzverkehr der Bahn AG und der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG) spöttisch als sehr "innovativ" und Vorgeschmack auf den geplanten zweiten Münchner S-Bahn-Tunnel. Er warnt seit langem, dass diese Röhre dazu führen werde, dass sich das Angebot in der Region mangels Geld verschlechtert. Die Bahn AG verpulvere Geld und Kapazitäten in "Wahnsinnsprojekte" wie diesen Münchner Tunnel und Stuttgart 21 auf Kosten des Angebots für die Pendler in den Regionen.

Bahn AG und Freistaat seien auch nicht in der Lage, die Strecke Geltendorf-Lindau rechtzeitig zu elektrifizieren, um den Anschluss an den neuen Gotthard-Tunnel zu schaffen, kritisierte Runge. Dabei streckt die Schweiz der Deutschen Bahn AG für das Projekt sogar 50 Millionen Euro bis 2025 vor.

Der damalige Verkehrsminister Otto Wiesheu (CSU) hatte einst angekündigt, der viergleisige Ausbau Pasing-Buchenau würde bis 2010 vollendet. Das Datum wurde immer weiter verschoben, die Ausbaustrecke auf Eichenau oder gar Puchheim verkürzt. Stattdessen werden jetzt ein paar Gleise repariert. Weder die Bahn AG noch das bayerische Verkehrsministerium oder die BEG konnten am Freitag erklären, wann und wie es mit dem versprochenen Ausbau der S4 weitergehen soll.

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Quelle:
SZ vom 23.10.2010/feko
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