Wahlpartys in Olching und Gröbenzell:Kein Grund zum Abheben

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Nicht arg zum Feiern zumute ist den Grünen bei der Wahlparty im Gröbenzeller Stockwerk (Foto: stefan salger)

Die SPD feiert, auch wenn Michael Schrodi das Direktmandat verpasst. Und die Grünen drücken Beate Walter-Rosenheimer die Daumen

Von Stefan Salger, Olching/Gröbenzell

Um kurz nach 19 Uhr beginnt in der Zwickelei der Olchinger Braumanufaktur die Wahlparty der SPD. Aus dem Biergarten dröhnt es "It's my Life". Und nicht weit entfernt hängt ein Plakat von Christian Lindner. Aber die SPD hat ja allen Grund zum lebhaften Feiern, auch wenn es ein hartes Kopf- an Kopfrennen zu werden scheint. Drinnen stehen rote Fähnchen und es gibt Freigetränke und Knabbereien. Schrodis Büroleiterin Hildegard Schöpe-Stein vermisst noch die ersten Ergebnisse aus dem Landkreis. Bislang sind an der großen Leinwand an der Bühne nur die bundesweiten Hochrechnungen zu sehen. Michael Schrodi wird mit seinem Listenplatz 13 aber sein Mandat schon sicher sein. Sieht so aus, als überhole die SPD im Freistaat die Grünen. Das wäre ja auch ein Erfolg. CSU-Generalsekretär Markus Blume ist gerade beim ZDF im Bild und zeigt sich zufrieden, dass Rot-Grün-Rot nicht funktionieren wird, weil die Linke schwächelt. Die Schwarzen werden aber hoffentlich nicht zum Zug kommen, sagt Juso-Kreisvorsitzender Johannes Schreck, der an einem der Bistrotische steht und an seinem Spezi nippt. Die SPD habe sehr gute Chancen, endlich wieder den Kanzler zu stellen. Er hofft auf Rot-Grün-Gelb. Hauptsache kein Weiter so mit der CDU/CSU.

Auf der Leinwand tauchen die ersten Landkreisergebnisse auf. Der schwarze Balken überragt die anderen Farben meilenweit. Macht nichts. Das kann die Euphorie von Wolfgang Weigelt, 72, aus Gröbenzell nicht bremsen. Seit mehr als 50 Jahren ist er SPD-Mitglied, und das zeigt er mit der roten Schiebermütze auch sehr selbstbewusst. Er erinnert sich noch gut, als 1972 Willy Brandt erneut Kanzler wurde. Auch da habe er mit einem Glas Wein angestoßen. Und morgen wird ganz sicher auch mit Freunden, die aus Hessen anreisen werden, mit einem guten Tropfen angestoßen. Weigelt glaubt, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis vor allem die kritische Jugend der CSU den Rücken kehrt. Er glaubt, dass die SPD in den kommenden Jahren weiter zugewinnen wird. Im Landkreis Dachau wäre doch der SPD-Bewerber letztens fast Landrat geworden und dort gibt es einen souveränen SPD-Oberbürgermeister. Von seiner SPD erhofft sich Weigelt Impulse bei der Rente, beim Thema Europa und beim Klimaschutz. Mit den Grünen gebe es da Schnittmengen. Um viertel nach acht schaut der Chef der Braumanufaktur Guido Amendt vorbei, in Lederhose, mit Haferlschuhen und mit rot-weiß gewürfeltem Hemd. Dass nach der langen Corona-Auszeit draußen im Biergarten und auch drinnen gefeiert wird, findet er toll.

Olchings SPD um Bürgermeister Andreas Magg (Mitte) und den Juso-Kreisvorsitzendem Johannes Schreck (rechts) hat gute Laune bei der Party auf Gut Graßlfing. (Foto: unknown)

Ein paar Minuten später treffen der Olchinger Bürgermeister Andreas Magg und Gemeinderat Peter Falk aus Gröbenzell ein. Sie werden mit großem Hallo begrüßt, während man noch auf Michael Schrodi wartet. Magg freut sich über dessen Ergebnis und hätte ihm sogar "das Direktmandat zugetraut". Ein Blick aufs Handy zeigt die Ergebnisse der SPD in Olching: 17 Prozent der Zweitstimmen. "Zweitstärkste Kraft in der Stadt", na bitte! Ein "unglaublich tolles Ergebnis", wenn man bedenkt, wie die Lage noch vor ein paar Wochen war. Aber "Totgeglaubte leben halt länger". Man habe die richtigen Leute aufgeboten und sei geschlossen in den Wahlkampf gegangen. Um halb neun füllt sich der Raum, Schrodis Wahlkampfkleinbus ist schon angekommen. "Hier kommt die Sonne" dröhnt es aus den Lautsprechern, die Liveband im Biergarten setzt auf Rammstein.

Im Gröbenzeller Stockwerk, vor dem ein Grünen-Aufsteller den Weg weist und eine Phalanx von Fahrrädern parkt, sind Musik und Beleuchtung etwas dezenter. Martin Runge, den kantigen Landtagsabgeordneten, kann das nicht bremsen. Ebenso wenig schafft das sein Mitarbeiter, der Fürstenfeldbrucker Grünen-Fraktionsvorsitzende Jan Halbauer. Runge ist "stocksauer". Das Ergebnis ist für ihn ein Witz, da wäre viel mehr drin gewesen. Vor allem nach dem Rückenwind durch den Weltklimarat. Aber dann war da die Polarisierung durch CDU/CSU und SPD und die Sache mit Lebenslauf und Buch von Baerbock war auch nicht gerade der Sache dienlich. Deren Wahlkampfteam sei nicht professionell genug gewesen. Und dann auch noch diese "Wasserleichenplakate". Fazit: Kam bei der Jugend, die doch eigentlich Grünen-affin ist, nicht so gut an! Nächstes Mal muss es gelingen, mehr Inhalte zu vermitteln und sich besser zu verkaufen. Und in einem sind sich Runge und Halbauer einig: Bei Koalitionsverhandlungen dürften sich die Grünen keinesfalls billig verkaufen. "Sollen es die Roten und die Schwarzen doch weiter machen", schmollt Halbauer. Gibt's trotzdem so was wie einen Wunschpartner? Runge findet Scholz und Laschet beide langweilig. Okay, ein bisschen näher stehe man wohl schon der SPD. Runges Hündin Emma streicht ihm um die Beine. Die ist rabenschwarz und trägt oft ein rotes Halsband. Da stört das Runge nicht. Aber wenn man die zentralen Ziele nicht durchbringen sollte, dann werde das mit der Koalition nichts!

Wie sieht es eigentlich mit Beate Walter-Rosenheimer aus? Halbauer schaut aufs Tablet. "Zwei Direktmandate in München, 20 Sitze, Walter-Rosenheimer auf Platz 19, müsste eigentlich doch klappen. "Sie hätte um einen Platz weiter vorn kämpfen müssen", grantelt Runge. Aber es scheint ja doch noch gutzugehen. Das hoffen auch die etwa 60 Gäste, die Pizza essen und die Hochrechnungen verfolgen - mehr als hundert hätten gleichzeitig nicht kommen dürfen, coronabedingt.

Gröbenzells Grünen-Chef Reinhard Jurk will nicht alles so negativ sehen. Das Ergebnis im Bund ist nicht so schlecht. Vor allem aber müsse man sich im Ortsverband keine Vorwürfe machen. Der Wahlkampf war gut und engagiert. Viele Themen, viele Veranstaltungen. Von knapp 14 Prozent hat man sich diesmal auf 21 Prozent gesteigert. Kann sich doch sehen lassen!

Um kurz vor zehn brandet Applaus auf. Da ist sie, die Grünen-Bundestagskandidatin aus dem Wahlkreis. Beate Walter-Rosenheimer steht mit einem Strauß Sonnenblumen auf der Treppe. Sie freut sich sichtlich über den Zuspruch nach einem "anstrengenden Wahlkampf". "Wir haben uns tapfer geschlagen!" Die Belohnung ist ein Zuwachs bei den Erst- und Zweitstimmen. Wohl erst am Montagmorgen werde klar sein, ob sie es nun wirklich geschafft habe oder nicht. Aber sie ist routiniert genug: "Ich werde trotzdem gut schlafen." Ihre Bitte: "Daumen drücken". Ihr Dank gilt ausdrücklich den Helfern des Wahlkampfteams, vor allem "den jungen Unterstützern". Beate Walter-Rosenheimer bekennt sich weiterhin zu Annalena Baerbock. Die habe es gut gemacht, dabei bleibt sie. Das Problem sei vielleicht eher die Angst vor Veränderung in Deutschland gewesen. Trotzdem hofft die Politikerin, dass die CDU/CSU mal vier Jahre weg vom Fenster ist. Nur so könne man beim Klimaschutz wirklich was bewegen.

© SZ vom 27.09.2021 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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